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Ehrenamtspreis des Rhein-Kreises: Verein "Stille Geburten" hilft Familien

Ehrenamt im Rhein-Kreis : Verein unterstützt Familien bei Trauer um Sternenkinder

2016 gründete Petra Friese den Verein „Stille Geburten“, gewann als Schirmherrn den Rommerskirchener Bürgermeister Martin Mertens. 30 Mitglieder hat der Verein inzwischen.

Seit 2016 ist Petra Friese nicht mehr in Urlaub gefahren. Das nicht etwa, weil sie dazu keine Lust hätte, sondern weil der 55-Jährigen etwas anderes viel wichtiger ist – „ihr“ Verein „Stille Geburten“. Dort ist die Sinstedenerin Vorsitzende und steht an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung.

Ihr ehrenamtliches Engagement hat einen traurigen Hintergrund. 2008 hatte Petra Friese, bereits Mutter von zwei Söhnen, eine Fehlgeburt. Der folgten fünf weitere. „Ich habe immer von einer großen Familie geträumt“, erzählt sie. Im Krankenhaus damals habe sie schlechte Erfahrungen gemacht, ein richtiges Abschiednehmen von dem tot geborenen Kind war nicht möglich. Das müsse anders laufen, habe sie gedacht, und sich vorgenommen, als Begleiterin anderen Familien in solch tragischen Situationen beizustehen. Sie ließ sich zur „Doula“ – der Begriff kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet Dienerin – ausbilden, einer nichtmedizinischen Helferin, die Frauen/Familien vor, während und nach der Geburt zur Seite steht.

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2016 gründete Petra Friese den Verein „Stille Geburten“, gewann als Schirmherrn den Rommerskirchener Bürgermeister Martin Mertens. 30 Mitglieder hat der Verein inzwischen. Mit zwei Krankenhäusern in Düsseldorf und einem in Köln-Longerich arbeitet er eng zusammen – immer abrufbereit, wenn Frauen, die vor einer Totgeburt stehen, Beistand, Zuspruch und Unterstützung wünschen. Mit vielen habe sie auch danach noch Kontakt, einige wenden sich wieder an sie, wenn sie erneut schwanger sind. „Ich habe so gelernt, weiter zu leben“, sagt Petra Friese.

Für die Frauen hat der Verein sogenannte Trosttaschen „erfunden“. Darin: ein Buch, Tee, Trennungsschmerz-Tropfen, eine Kerze, ein Schutzengel aus Ton und zwei „Knubbelchen“. Dabei handelt es sich um gehäkelte Puppen, eine große für die Eltern sowie eine kleine für Geschwisterkinder. Eingesetzt hat sich der Verein auch für ein Sternenfeld auf dem Rommerskirchener Friedhof, wo die Früh- oder Totgeburten bestattet werden können. „Ich habe die Hoffnung, dass die Familien, die dort ihr Kind besuchen, Kontakt zueinander knüpfen“, sagt Friese. Und sie hat noch einen großen Traum: ein Geburtshaus für Sternenkinder.