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Rhein-Kreis Neuss: Ehemaliger AOK-Chef Jacobs gründet Institut in Neuss

Rhein-Kreis Neuss : Ehemaliger AOK-Chef Jacobs gründet Institut in Neuss

Die Medizin lässt ihn nicht los: Offiziell ist er seit sechs Wochen im Ruhestand. Doch wer Wilfried Jacobs kennt, weiß, das kann nicht sein. Und so lag zwischen seiner offiziellen Verabschiedung und der Rückmeldung in den Unruhestand lediglich ein Wochenende. 54 Jahre war er in Gesundheitsfragen unterwegs, davon 42 Jahre für die AOK – zuletzt als Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland-Hamburg. Jacobs war damit Chef von 7800 Mitarbeitern, 120 Geschäftsstellen und Herr über 7,8 Milliarden Euro Umsatz.

Die Medizin lässt ihn nicht los: Offiziell ist er seit sechs Wochen im Ruhestand. Doch wer Wilfried Jacobs kennt, weiß, das kann nicht sein. Und so lag zwischen seiner offiziellen Verabschiedung und der Rückmeldung in den Unruhestand lediglich ein Wochenende. 54 Jahre war er in Gesundheitsfragen unterwegs, davon 42 Jahre für die AOK — zuletzt als Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland-Hamburg. Jacobs war damit Chef von 7800 Mitarbeitern, 120 Geschäftsstellen und Herr über 7,8 Milliarden Euro Umsatz.

Die Größenordnung hat sich verändert, aber dem Gesundheitsbereich hält Jacobs die Treue. Profitieren sollen wieder die Patienten — allerdings hat sich seine Perspektive verschoben. Wilfried Jacobs macht sich für mehr Transparenz stark. "Unsere Medizin in Deutschland ist wirklich gut. Es wird auf hohem Niveau gearbeitet, aber die Abläufe sind für die Kranken und für ihre Angehörigen oftmals viel zu kompliziert. Nicht selten verzweifeln die Patienten an den formalen und bürokratischen Strukturen der Versorgung." Genau das will der Korschenbroicher ändern. Dafür hat der 68-Jährige jetzt ein gemeinnütziges Institut für patientenorientierte Versorgungsforschung — kurz IPOV — gegründet.

Mit vier Mitarbeitern ging das Institut in Neuss an den Start. Einen zweiten Stiftungssitz hat Jacobs bewusst in Berlin angesiedelt. Die Nähe zur Bundespolitik will der Gesundheitsexperte mit dem Beinamen "Mister AOK" nutzen. Finanziert wird diese Arbeit und die damit angestrebten Projekte zunächst von der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung in Essen. Profitieren sollen Krebspatienten, an Demenz erkrankte Menschen und deren Angehörige.

Und wie soll das funktionieren? Auf der Basis von intensiven Befragungen oder Patienten-Berichten wird jeweils eine Transparenzstudie erstellt. Für Jacobs stehen dabei die persönlichen Erfahrungen der Betroffenen im Mittelpunkt — sowohl negativ als auch positiv. Angehörige können auf diesem Weg durch ihre Erlebtes ebenso helfen wie die Schilderungen Betroffener aus der Selbsthilfe.

Jacobs will sich den Blickwinkel der Patienten zu eigen machen, um so ganz pragmatisch die Abläufe zu verändern. Beispiel: "Egal wie der Kranke versichert ist, aber ein Krebspatient gehört nicht in ein Vier-Bett-Zimmer." Auch wirbt der Gesundheitsexperte für intensivere Entlassgespräche aus Krankenhaus und Reha-Klinik. Wichtig sind ihm auch verkürzte Wartezeiten für Spezialuntersuchungen: Die große Ungewissheit sei oft schlimmer als körperlicher Schmerz. "Warum werden therapeutische Maßnahmen eingeleitet, ohne ausreichend erklärt worden zu sein?" — eine von vielen Fragen, denen der Institutschef künftig auf den Grund geht.

Wilfried Jacobs engagiert sich auch aus persönlichen Gründen. 2002 war seine Frau an Krebs erkrankt. Ihm sind angstbehaftete Situationen vertraut. Angst, die Wilfried Jacobs nicht jedem Krebspatienten nehmen kann. Aber er kann mit seinem Einsatz für mehr Menschlichkeit im Medizinbetrieb sorgen. Seine Frau Karin hat nach Operation und Therapie ihre Leidenschaft für die Malerei entdeckt. Sie hat sich schon im Vorfeld für sein Engagement bedankt — mit farbenfrohen Blumenbildern, die die Wände in dem neuen IPOV-Institut in Neuss zieren.

(NGZ)