Jugendliche als ehrenamtliche Tutoren für Kinder: Dschungelbuch in Neuss: "Mogli" stärken

Jugendliche als ehrenamtliche Tutoren für Kinder : Dschungelbuch in Neuss: "Mogli" stärken

Das Dschungelbuch spielt demnächst in Neuss - zumindest in abgewandelter Form: Wie der Bär Balu dem kleinen Kind Mogli hilft, es begleitet und viel Spaß mit ihm erlebt, so sollen auch Neusser Jugendliche als großer Freund benachteiligten Kindern beistehen.

Jugendliche und junge Erwachsene im Alter von 16 bis 30 Jahren kümmern sich ehrenamtlich ein Jahr lang etwa zwei bis drei Stunden in der Woche als "Tutor" um ein Grundschulkind. Gespräche, Spiele und Sport stehen ganz oben auf der Liste der Aktivitäten. Diese Art von "Patenschaft", die wissenschaftlich und fachlich begleitet wird, bietet jetzt der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Neuss an. Das Projekt "Balu und Du" ist ein Modell ehrenamtlicher Arbeit des Diözesan-Caritasverbandes und wird seit April 2002 in Köln erprobt.

In den USA und in Israel laufen solche Programme seit vielen Jahrzehnten mit großem Erfolg. "Es ist eine gute Gelegenheit, ehrenamtlich tätig zu sein, und gleichzeitig Kinder durch Vertrauen zu stärken", betont Ina-Maria Dickhaus, die als Ehrenamtliche beim SkF Neuss tätig ist und in der Ehrenamt-Koordinationsstelle arbeitet. "Die Ehrenamtlichen erfahren, wie schön soziale Arbeit sein kann." Über "Balu und Du" wurden bereits einige weiterführenden Schulen informiert.

Wie SkF-Mitarbeiterin Ruth Braun hinzufügt, erhalten die Ehrenamtlichen nach dem Projekt-Jahr, wenn sie sich zuverlässig um die Kinder gekümmert haben, ein Zeugnis. "In Zusammenarbeit mit dem Kinderzentrum in Weckhoven suchen wir Patenschaften, die gut funktionieren", erläutert SkF-Vorsitzende Monika Hutmacher, die darauf hinweist, dass die Tutoren auch begleitet werden: "Die Vertrauensbasis muss auf beiden Seiten stimmen."

Denn auch wenn die Aussicht, mit den Kleinen schwimmen oder ins Kino zu gehen, mit Wasserfarben zu malen und sich mit Kindern zu unterhalten, sich zunächst nach reinem Spaß anhört, können die Treffen unterschiedlich ausfallen. Davon berichten die Jugendlichen, die in Köln am Projekt "Balu und Du" teilgenommen haben.

"Nach dem Essen haben wir Tischfußball gespielt - hier hat sich erneut gezeigt, dass Jacqueline motorisch nicht besonders fit ist", berichtet Nina am 8. Oktober 2002, während Christine am 26. März 2003 von Verbesserungen erzählt: "Habe erfahren, dass Ali keine Strafaufgaben mehr bekommt und sich verbessert hat in der Schule." Auch Schwierigkeiten können auftreten, wie bei Daniela (5. Juni 2002): "Am Anfang ist er nie begeistert von dem, was wir vorhaben, er möchte eigentlich immer nur auf einen nahe gelegenen Spielplatz und spätestens um 16.30 Uhr wieder zurück sein, um fernzusehen."

Es geht aber auch anders, wie Ulrike am 16. April 2003 schreibt: "Er freut sich über meine Besuche und möchte, dass es mir ebenso gut geht. Des öfteren bietet er mit Essen an, damit ich noch ein wenig bleibe." Da die "Balus" nicht allein mit ihren Erlebnissen mit den "Moglis" gelassen werden, kann sich in den meisten Fällen die Patenschaft positiv entwickeln, so dass die Kinder gestärkt werden. Carina Wernig Weitere Infos bei Ina-Maria Dickhaus oder Ruth Braun, Sozialdienst katholischer Frauen Neuss, Bleichstraße 20, Neuss, Telefon 02131/ 92040.

(NGZ)