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Ausstellungen in der alten Post: Don Quijote trifft Picasso

Ausstellungen in der alten Post : Don Quijote trifft Picasso

Von Dagmar Kann-Coomann Gleich zwei Ausstellungen werden am Sonntag in der Alten Post eröffnet: Eine zeigt Kinderbilder, die der zeitgenössischen Malerei zugeordnet werden könnten; eine zweite die Zeichnungen russischer Jugendlicher zum "Ritter der traurigen Gestalt".

Von Dagmar Kann-Coomann Gleich zwei Ausstellungen werden am Sonntag in der Alten Post eröffnet: Eine zeigt Kinderbilder, die der zeitgenössischen Malerei zugeordnet werden könnten; eine zweite die Zeichnungen russischer Jugendlicher zum "Ritter der traurigen Gestalt".

"Bilder von archaischer Qualität, die unvermittelt aus dem Unbewussten entstehen, haben Künstler immer schon fasziniert", erklärt Thomas Brandt, und im Foyer der Alten Post kann man ab Sonntag erleben, weshalb: Mit unbändiger Phantasie und riesiger Lust am freien bildnerischen Gestalten ziehen große Tuschfederzeichnungen und farbige Arbeiten mit Ölkreiden jeden Betrachter unweigerlich in ihren Bann.

Eine ihnen vertraute Küstenwelt haben Kinder zwischen fünf und 14 Jahren in faszinierende, vor Leben und Vielfalt überbordende Seelenlandschaften verwandelt und zeichnerisch gestaltet. Gesichter, Tiere, Schiffe, ganze Landschaften entstehen darin traumhaft spielerisch aus einfachsten Elementen und man muss sich schon Zeit nehmen, um die vielen erfindungsreichen Details zu entdecken.

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"Les dessins des enfants" ist der schlichte Titel der Ausstellung mit Bildern, die französische Kinder in den sechziger Jahren gestalteten. Was so außergewöhnlich an diesen Kinderbildern ist, dass sie eine eigene Ausstellung wert sind? Unter der Betreuung der französischen Vor- und Grundschullehrer Renée und Roger Meheust entstanden die ausgestellten Bilder vor vier Jahrzehnten nach den Prinzipien der damals noch jungen Freinet-Pädagogik.

Jenseits von ergebnisorientierter, benoteter Themenstellung ging es dabei für die Kinder darum, freien, also eigenen und nicht von Erwachsenen vorgeprägten Ausdruck für die eigenen Erlebnisse und Erfahrungen zu schaffen, sei es in Bildern, Bewegung oder in Sprache.

Ohne dass die Kinder je zuvor Bilder von Picasso oder Matisse sahen, entstanden Bilder von großer, archaischer Kraft, die auf außergewöhnliche Weise der zeitgenössischen Malerei ähneln, die nebenbei aber, wie Thomas Brandt nicht ganz ohne Wehmut bemerkt, "auch zeigen, wie ruhig und konzentriert man damals noch mit Kindern arbeiten konnte".

Nicht etwa eine Ausstellung für Kinder, aber durchaus spannend für "Menschen, die inspirierend mit Kunst umgehen", so Thomas Brandt, ist die Bildersammlung, die entstand, weil das Ehepaar Meheust die faszinierendsten Bilder schlicht nicht mehr an die Schüler zurückgaben. Nicht weniger interessante Einblicke gibt es ebenfalls ab Sonntag im ersten Stock der Alten Post. "Don Quijote trifft Don Quijote" heißt das russisch-deutsche Zeichenprojekt, an dem sich Schüler der Alten Post und Schüler der Jugendkunstschule Pskow beteiligt haben.

Zeitgleich entstanden im ersten Halbjahr 2004 Bilder zu einzelnen Episoden aus Cervantes‘ Roman. "Ein Problem war zuerst, dass viele der Jüngeren den Roman nicht mehr kannten," erzählt Oleg Tsvetkov, der zur Ausstellungseröffnung Gast in Neuss ist. Nachdem Schüler hier wie dort erst im Kunstkursus näheres über den "Ritter von der traurigen Gestalt" erfuhren, entstanden vorwiegend Holz- und Linolschnitte in Pskow, während die Neusser Schüler unter Leitung des Düsseldorfer Künstler Dieter Krüll sich eher auf das Zeichnen von Comics und Cartoons konzentrierten.

Originell hat etwa die Alte-Post-Schülerin Aspasija Topalovska einen modernen, langhaarigen Comic-Don Quijote entstehen lassen, der sich durch skurrile, gänzlich moderne Windmühlenabenteuer kämpft, während gleich daneben der spanische Held als Mangakrieger begegnet. Eher einen nachdenklichen Mann von La Mancha zeigen dagegen die Beiträge der russischen Jugendlichen.

"Insgesamt ist es sehr spannend, die Unterschiede zwischen den Arbeiten der Neusser und Pskower Jugendlichen zu sehen" sagt Oleg Tsvetkov und die zahlreichen Besucher, die die Ausstellung verdient, werden diese Meinung gewiss teilen.

INFO: Neustraße 28, Eröffnung am Sonntag, 11.30 Uhr

(NGZ)