Sommertour: Geheimnisvolle Orte (23): Die Soldaten von Napoleon

Sommertour: Geheimnisvolle Orte (23): Die Soldaten von Napoleon

Während der Ferienwochen berichten unsere Reporter täglich von uralten Legenden und geheimnisvollen Orten in Nordrhein-Westfalen. Heute: Die Relikte, die an Krefelder Soldaten in Napoleons Grande Armée erinnern.

Wer in diesen Sommertagen auf den Kieswegen im Stadtgarten zwischen Blumenrabatten und einem etwas heruntergekommenen Musik-Pavillon spaziert, fröstelt unwillkürlich bei der Vorstellung, sich gerade über aufgelassenen Gräbern zu bewegen. Der Park an der St.-Anton-Straße in Krefeld war früher nämlich ein Friedhof. Bis 1867 wurde dort bestattet. Den Umbau in einen öffentlichen Garten beschlossen die Stadtväter am 1. Mai 1879 und setzten ihn schrittweise um. So entstand der zentrale Springbrunnen in den Jahren 1894/95. Wenige bemooste Grabstelen bezeugen diese Vergangenheit, der sich auch das Veteranendenkmal auf dem Areal verdankt.

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Hinter Buschwerk verbirgt sich das vier Meter hohe Sandstein-Monument von Friedrich von Schmidt. In seinem von Patina überzogenen, neugotischen Stil scheint es aus der Zeit gefallen zu sein: ein Pfeiler auf quadratischem Stufensockel, dessen Ecken sechseckige, zinnenbekrönte Türmchen tragen. Darauf ein kleiner Aufsatz, der diese Gliederung wiederholt, und unter einem Spitzbogen die Statuette eines Grenadiers der Grande Armée. Der napoleonische Adler, der darüber schwebt, bestimmt auch die Rückseite des Denkmals. Seitlich wurden das Kreuz der Ehrenlegion und das Krefelder Stadtwappen in den Stein gemeißelt.

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Namen sind erkennbar, aber schwer zu entziffern. 97 sollen es sein, unter ihnen auch jener Carl Schehl, der die Geschichte zu diesem geheimnisumwitterten Monument hinterlassen hat. 1812 zog der 14-Jährige nämlich als Trompeterjunge freiwillig mit dem zweiten französischen Karabinierregiment in den Krieg gegen Russland, gemeinsam mit jenen Krefelder Männern, die seit 1802 gezwungen wurden, Kriegsdienst beim 1804 selbst ernannten Kaiser Napoleon zu leisten. Viele von ihnen fielen. Die überlebenden Kriegsheimkehrer verband ihr gemeinsames Schicksal lebenslang. Schehl zeichnete seine Erlebnisse auf und dokumentierte darüber hinaus die Gründung des Krefelder Veteranenvereins (1845) und die Schaffung des Denkmals, das am 18. August 1852 eingeweiht wurde. Sein Erinnerungsbuch "Vom Rhein zur Moskwa" kam in seinem Todesjahr 1862 erstmals heraus.

(NGZ)
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