Rhein-Kreis Neuss: Die Rote Couch steht in Sinsteden

Rhein-Kreis Neuss: Die Rote Couch steht in Sinsteden

"heimat.nrw" heißt das Projekt der NRW-Stiftung, mit dem der Fotograf Horst Wackerbarth das Bundesland, seine Menschen und Orte auf einzigartige Weise porträtiert. Eine Auswahl der Fotos ist im Kreiskulturzentrum zu sehen.

Barbara Schock-Werner nimmt kein Blatt vor den Mund. Die Vizepräsidentin der NRW-Stiftung (und frühere Dombaumeisterin in Köln) war anfangs nicht sonderlich begeistert von der Idee ihres "Chefs" Harry Voigtsberger, die runden Geburtstage des Landes (70 Jahre) und der NRW-Stiftung (30 Jahre) mit einer Foto-Reise mit der Roten Couch von Horst Wackerbarth zu feiern. Den Auftritt des eher stoisch wirkenden Fotografen aus Düsseldorf fand sie auch nicht sonderlich überzeugend. Seit aber die "100 Fotos" in Form eines Katalogs und viele von ihnen im Original in Ausstellungen präsentiert wurden oder werden, sieht alles ganz anders aus. Begeistert ist sie, von den Motiven, die sich Wackerbarth gesucht hat, ebenso wie von der Arbeit des Fotografen an sich. "heimat.nrw" ist das Projekt der Stiftung betitelt, das seinerseits nun auf Reisen durch das Bundesland ist und aktuell im Kreiskulturzentrum Sinsteden mit 30 ausgesuchten Arbeiten Station macht.

"Es war von Anfang an klar, dass er schon gemachte Fotos aus NRW in das Projekt einbringen kann", sagt sie, aber schmunzelt auch in der Erinnerung, wie sie mit ihren Tipps etwa den Kölner Dom und den Rhein ins Spiel gebracht hat: "Ich mache doch keine Klischeefotos" habe der Fotokünstler anfangs gemeint, aber ihr Hinweis auf die Südbrücke in Köln sowie eine "zweistündige Dom-Führung" mit ihr hätten ihn dann überzeugt.

Das Südbrücken-Foto mit den "Clochards", wie Schock-Werner sagt, findet sich nur im Katalog. Aber das Dom-Foto, das sie so begeistert, dass sie einen Ankauf samt Schenkung erwägt, ist in Sinsteden zu sehen. Ein roter Stofffetzen leuchtet auf einer Fläche, die von grünlich-weiß changierenden Flechten überzogen ist: der Ausschnitt einer Brüstung hoch oben am Dom, deren Oberfläche den Fotografen sofort fasziniert haben muss.

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Was aber auch kein Wunder ist. Denn der Fotograf ist ein Meister des Details. Das betrifft seine Motive auf großformatigen Fotos ebenso wie auf den kleineren: Jedes Blatt auf dem Waldboden, jede knorrige Vertiefung in einem abgestorbenen Baum ist zu sehen (Betscheider Bachtal im Bergischen Land), jede Faulstelle an den Äpfeln (Biologischen Station Haus Bürgel in Monheim), jeder Stein in der Braunkohlegrube von Garzweiler, jede Fuge im Hermannsdenkmal.

Die Rote Couch - Wackerbarth zieht seit mehr als 25 Jahren mit dem Möbel durch die Welt - ist jedes Mal wie inszeniert ins Umfeld von Menschen gestellt, so dass der Ort ebenso wie Mann, Frau oder Jugendlicher, Wald, Technik oder Architektur porträtiert werden. Mal dominiert die Couch ein Bild (Narzissenfeld in Monschau), mal muss man sie suchen (Schneefoto vom Kahlen Asten), mal steht sie hochkant (Externsteine in Bad Meinberg), mal sieht man nur ein Polster (Pathologie in Unna). Sie ist verbindendes Element und gemeinsamer Nenner für die Menschen in einem Bindestrich-Bundesland - und macht alle irgendwie gleich.

(hbm)