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Feuilleton: Die Lesarten der Liebe

Feuilleton : Die Lesarten der Liebe

Neuss Astrid Jacob kommt gerade von der ersten Hauptprobe. Die musste zu ungewöhnlicher Zeit stattfinden, nämlich über Mittag, weil eine Musikveranstaltung am Abend die Arbeit im Globe unmöglich gemacht hätte. "Fang du bitte an", lauten die Worte der erschöpften Regisseurin an ihren Dramaturgen, "ich habe so viele Bilder im Kopf, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen sollte."

Doch Johannes Blum wird dann doch nur wenige Sätze los (und kommt später kaum mehr zu Wort), bevor sich Jacob einschaltet. Wer gerade vier Stunden an Shakespeares Komödie "Wie es euch gefällt" gearbeitet hat, kann sich wohl auch kaum zurückhalten, wenn es darum geht, erklärende Worte über das Stück zu sagen.

Also kann Blum zwar auf die Besonderheit der Komödie - eine Frau in einer Hosenrolle - verweisen und kurz erzählen, wie verwirrend das noch zu Shakespeares Zeiten war: als Frauenrollen nur von Männern gespielt werden durften, somit also ein Mann, der ein junges Mädchen spielt, in dieser Rolle wiederum sich als Mann verkleidet ...

"Das genau so zu machen, widerspricht doch unserem heutigen Theaterempfinden", fährt Jacob dazwischen und weiß sich mit Blum einig, dass Rosalinde genauso von einer Frau gespielt werden muss wie ihre Freundin und Cousine Celia.

Die beiden sind dem vom Hof verbannten Vater von Rosalind in den Wald von Arden gefolgt, wo sie den ebenfalls (von seinem Bruder verbannten) Orlando treffen. Nach einigen Verwirrungen - nicht zuletzt dadurch, dass sich Rosalinde als Mann verkleidet - stehen am Ende vier Paare da ...

Für ihre Inszenierung der Komödie, die am kommenden Freitag im Globe Premiere hat, hat Jacob auf die Übersetzung von Frank Günther zurückgegriffen: "Sie ist poetisch, aber auch sehr viel frecher", sagt sie. Und seufzt im nächsten Moment: "Aber wir mussten große Striche machen, sonst wäre es zu lang geworden."

Rund zweieinhalb Stunden (plus Pause) wird die Aufführung dauern, und in dieser Zeit wird sich alles um die verschiedenen Varianten der Liebe drehen. Die Figuren gingen in ihrer Liebe einen weiten Weg miteinander, findet sie und ergänzt: "In dieser Komödie sind alle Lesarten der Liebe sehr unterhaltsam durchflochten."

Das habe schließlich das Stück auch über die vielen Jahrhunderte hinweg so interessant gemacht. Vor allem ließe die Komödie jeden Spielraum zu: "Man kann sich tief hineindenken in die Psychologie der Figuren, aber das Stück auch einfach nur als unterhaltsames Theater genießen." Eben so, wie der Titel es nahe lege: "Wie es euch gefällt."

(NGZ)