Rhein-Kreis Neuss: DGB-Mitgliederzahl im Kreis steigt wieder

Rhein-Kreis Neuss: DGB-Mitgliederzahl im Kreis steigt wieder

Gewerkschaften an Rhein und Erft spüren Rückenwind. Bei der Maikundgebung am Montag geht es ums Thema soziale Gerechtigkeit. Im Vorfeld der NRW-Wahl haben sich auch die Landtagskandidaten zum Familienfest auf dem Markt angesagt.

Männer, die als Bürger des Rhein-Kreises mit Anspruch auf gesetzliche Altersversorgung 2015 in Rente gingen, bekamen durchschnittlich 1146 Euro (Frauen 600 Euro) monatlich ausgezahlt. Ein bescheidener Betrag, der gleichwohl im landesweiten Vergleich im oberen Drittel liegt. Das geht aus einer Statistik des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) hervor. Für den DGB-Regionalsekretär Klaus Churt sind die Rentenhöhen ein Beleg, wo Gewerkschaftsarbeit ansetzen muss: "Stärkung der gesetzlichen Rente für einen Lebensabend in Würde."

Der Einsatz für eine angemessene Rente ist für Churt nur ein Punkt eines ganzen Forderungskatalogs, für den die Gewerkschaftler am Montag bei ihren traditionellen Maikundgebungen wieder in der Öffentlichkeit unter dem Motto "Wir sind viele. Wir sind eins." antreten. Es gehe um mehr soziale Gerechtigkeit in einer offenen Gesellschaft. Eine Forderung, der sich Udo Fischer als DGB-Chef im Rhein-Kreis ebenso anschließt wie Kai Langeneckhardt als Kreis-Vorsitzender des ver.di-Ortsvereins. Mehr als 1000 Teilnehmer erwarten die Organisatoren am Montag (1.) zur zentralen Maikundgebung auf dem Neusser Markt, die um 11.30 Uhr beginnt. Hauptredner ist Udo Fischer; auch Bürgermeister Reiner Breuer wird ein Grußwort sprechen. Knapp zwei Wochen vor der Landtagswahl kommen auch die Direktkandidaten aus dem Neusser Wahlkreis 44 zu Wort - allerdings nicht vor dem Mikrofon auf der Bühne, sondern in Form eines moderierten Gesprächs auf dem Markt inmitten der Besucher.

Die AfD wird nicht vertreten sein. Die sei, so Churt, für einen Gewerkschaftler nicht wählbar. Es sei bekannt, dass zwar jedes fünfte DGB-Mitglied sich vorstellen könnte, der AfD seine Stimme zu geben. Doch das verbiete sich grundsätzlich, "weil die Partei arbeitnehmerfeindliche Positionen vertritt."

  • Grevenbroich : Statt Maikundgebung: Krützen lädt zu Arbeitnehmerempfang

Der eigentlichen Maikundgebung ist ein Demonstrationszug vorgeschaltet. Die Teilnehmer versammeln sich am Montag auf dem Neumarkt vor der Stadtbibliothek. Von dort geht es um 11 Uhr mit Jazzmusik durch die Stadt in Richtung Markt. Die Kundgebung mündet dort in ein Familienfest; 17 Organisationen werden bei einem "Markt der Möglichkeiten" mit Informationsständen vertreten sein.

Zum zweiten Mal beschränkt sich der DGB auf nur noch eine kreisweite Kundgebung am Maifeiertag, nämlich die in Neuss. Am Standort Grevenbroich wurde die althergebrachte Kundgebung im Vorjahr erstmals durch einen Arbeitnehmerempfang ersetzt, zu dem Bürgermeister Klaus Krützen einlädt. In diesem Jahr wird am Donnerstag (4.) Michael Vassiliadis, Vorsitzender der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, sprechen. "Wir wollen gerade in Grevenbroich ein Zeichen setzen", sagt Udo Fischer, "weil wir in der Region neben der Energiewende auch einen Strukturwandel gestalten müssen."

Der DGB-Chef im Rhein-Kreis sieht mit Freude, dass die politische Auseinandersetzung in der Gesellschaft wieder einen höheren Stellenwert erhält. Für Udo Fischer ein Grund, dass auch die Mitgliederzahlen der Gewerkschaften erstmals seit vielen Jahren wieder steigen. Auch im Rhein-Kreis. Der von ihm geführte Kreisverband zählt nach eigenen Angaben mehr als 30.000 Mitglieder.

(-lue)