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NGZ-Gespräch mit Christoph Buchbender und Thomas Nickel: Des Neussers Freud’ und Lust

NGZ-Gespräch mit Christoph Buchbender und Thomas Nickel : Des Neussers Freud’ und Lust

Das Schützenfest beschäftigt die Neusser nicht nur an den vier Tagen Ende August. So blicken Präsident Thomas Nickel und Komitee-Mitglied Christoph Buchbender auf ein friedliches Fest zurück - und bereits auf die ersten Vorboten der Neuauflage 2009. Ein Gespräch über Königsbewerber, Fackeln und Zugwege.

Neuss Heute Abend ist die kurze "Verschnaufpause", die sich die Neusser Schützen nach dem Krönungsball gegönnt haben, vorbei: Mit dem Artillerieball beginnt die Zeit der schützenfestlich gestimmten Termine.

Komitee-Mitglied Christoph Buchbender (l.) und Präsident Thomas Nickel blicken zufrieden auf das vergangene Schützenfest zurück und freuen sich auf das kommende Fest. Foto: NGZ

Herr Nickel, Herr Buchbender, wie fällt Ihre Schützenfest-Bilanz aus?

Das Regiment wird immer größer - einen Aufnahmestopp soll es aber nicht geben. Foto: NGZ

Thomas Nickel Es war das "bestellt" schöne Schützenfest. Das Wetter am Sonntag war wirklich so, wie wir Schützen es uns wünschen: nicht zu heiß und nicht zu kalt - und vor allem ohne großen Regen. Das Schützenfest war rundherum harmonisch und fröhlich. Es war alles sehr friedlich. So hätte es sicher auch der kurz vor dem Fest verstorbene Ehrenpräsident Hermann Wilhelm Thywissen gewollt, dem die Schützen Respekt gezollt haben.

Dinner: Christoph Buchbender (r.) und Thomas Nickel mit Ex-Königin Maria Meyen. Foto: NGZ

Christoph Buchbender Wenn man davon ausgeht, dass die schönen Zeiten der Menschheit nicht im Geschichtsbuch stehen, dann ist das Schützenfest 2008 dort genauso wenig verzeichnet wie das vorjährige. Es hat den Neussern einfach Spaß gemacht, in friedlich-fröhlicher Atmosphäre gemeinsam zu feiern.

Immer eine Augenweide: die Blumenhörner der Jäger und Hubertusschützen. Foto: NGZ

Hatte der heftige Regenschauer am Dienstagabend Einfluss auf den ersten Vorbeimarsch am neuen König?

Nickel Der Regenguss hat die überaus gute Stimmung nicht beeinträchtigt. Nach dem Abklingen des Regens sind die Schützen dann sogar noch - zwar nicht unbedingt alle in der richtigen Korps-Reihenfolge - ordentlich und geschlossen am neuen König vorbeimarschiert. Bis auf die Reiter, die aus Rücksicht auf ihre Pferde ausgeschert sind. Und beim Zapfenstreich der Scheibenschützen zum krönenden Abschluss des Festes auf dem Münsterplatz regnete es schon längst nicht mehr.

Der Schützenkönig Dr. Hermann-Josef Verfürth war der einzige Bewerber an der Vogelstange. Bedauern Sie das?

Nickel Der Wettbewerb hat natürlich gefehlt. Aber mit seinen neun Schüssen hat der neue König bewiesen, welch guter Jäger er ist. Er ist mit der Aufgabe, allein zu schießen, gut klargekommen. Die Stimmung auf der Wiese war trotz der entgangenen Spannung, wer König wird, hervorragend. Wir hatten mit Horst und Marlies Dvorak ein sehr sympathisches Königspaar, das mit Dr. Hermann-Josef und Elisabeth Verfürth würdige Nachfolger gefunden hat.

Bis wann müssen sich Bewerber für den Vogelschuss gemeldet haben?

Nickel Der Meldeschluss ist seit einigen Jahren am Schützenfest-Sonntag um 18 Uhr. Das habe ich auch beim Oberst- und beim Königsehrenabend verkündet. Die Bewerber sollten sich persönlich bei mir oder anderen Komitee-Mitgliedern melden, so dass wir über die Königswürde sprechen können. Das Amt fordert viel von den Bewerbern, da ist eine gewisse Vorbereitung und Auseinandersetzung mit den Aufgaben des Schützenkönigs sicherlich besser, als sich spontan zu melden.

Was passiert, wenn sich bis zum Meldeschluss kein Königs-Kandidat geäußert hat?

Nickel Wenn es keinen Bewerber gibt, wird der Meldeschluss verlängert, bis wir jemanden gefunden haben.

Gibt es schon Bewerber für 2009?

Nickel Es hat sich offiziell noch niemand bei uns gemeldet. Aber es gibt schon erste Absichtserklärungen.

Wie haben die drei "einmaligen" Ehrengäste das Schützenfest erlebt?

Nickel Alle drei waren begeistert. Der amerikanische Generalkonsul Matthew Boyse war hoch zufrieden. Der Bürgermeister aus Rijeka hat bedauert, dass er den Flieger schon für Sonntagabend bestellt hatte - lieber wäre er bis Montag geblieben. Vojko Obersnel hat sich bedankt und geschrieben, dass er sich das Schützenfest so schön nicht vorgestellt hätte. Das zeigt wieder mal, dass man das Neusser Schützenfest nicht erklären kann, sondern selbst erleben muss. Weihbischof Dr. Rainer Woelki wurde immer wieder an seine Zeit in Neuss erinnert. Beim Sonntagsumzug erhielt er viele Blumen von Bekannten, worüber er sich nach anfänglichem Zögern auch sehr gefreut hat.

Buchbender Generalkonsul Boyse, mit dem meine Frau und ich befreundet sind, hat sich sehr lobend über das Fest geäußert. Er hatte im vorigen Jahr mit seiner Frau eine Radtour nach Neuss gemacht, um als Zuschauer am Marktbrunnen schon mal einen Eindruck von der Parade zu bekommen. Ihn begeistert die Vernetzung und Struktur des Festes - und der Zusammenhalt.

Welche Botschaft steckt hinter den "einmaligen" Ehrengästen?

Nickel Parade und Königsmahl am Sonntag werden durch die Ehrengäste aufgewertet. Außerdem soll den Schützen gezeigt werden, dass jedes Jahr auswärtige, hochrangige Persönlichkeiten gern nach Neuss kommen, um mit ihnen zu feiern. Wir laden Gäste nach Neuss ein, so wie man auch privat zu einem schönen Ereignis Gäste einlädt.

Haben die Ehrengäste besondere Verpflichtungen?

Nickel Wir erwarten von den Ehrengästen, dass sie sich wohl fühlen und den Sonntag abseits ihrer sonstigen Verpflichtungen genießen. Auch die Partnerinnen werden eingeladen und nehmen am Programm der Komitee-Damen teil. Durch die Ehrengäste strahlt das Neusser Netzwerk des Schützenwesens in Wirtschaft und Politik hinein, auch in die Nachbarstädte. Wenn die begeisterten Ehrengäste uns dann wirtschaftlich unterstützen möchten, nehmen wir das gern an, es gibt allerdings keine Verpflichtung, etwas zu schenken.

Wie sieht die finanzielle Lage des Neusser Bürger-Schützen-Vereins aus?

Nickel Unsere Kasse ist ausgeglichen, wie auch in den Vorjahren. Trotzdem haben wir auch durch die Veranstaltung mit den Düsseldorfer Werbe-Experten erfahren, dass wir vielleicht mehr tun können, um unser Fest gut zu vermarkten und den Firmen den Nutzen vor Augen zu führen, den sie durch das Fest selbst haben.

Wie versuchen Sie, Unternehmen und Spender für das Schützenfest zu gewinnen?

Buchbender Zum dritten Mal gab es jetzt das "Dinner mit dem Schützenkönig", zu dem Gönner eingeladen werden. Das ist ein Dankeschön an die Sponsoren, die dem Verein helfen, zum Beispiel gestiegene Musikkosten aufzufangen. Entscheidend ist, dass die Sponsoren wiederkommen. Und das ist zum Glück der Fall, so dass wir uns über Spenden, auch am Abend des "Dinners mit dem Schützenkönig", freuen können.

Wie weit könnte eine Vermarktung des Festes denn noch gehen?

Buchbender Wir wollen keine Werbung, die das Fest beeinträchtigt. Daher sind zum Beispiel Werbebanner an den Tribünen am Markt ausgeschlossen. Die Schützen sollen im Mittelpunkt stehen und ungehindert feiern können. Trotzdem müssen wir auch an die Wirtschaftlichkeit denken. Und daher wollen wir den Komfort auf den Tribünen verbessern, um eine größere Auslastung an allen Schützenfesttagen zu erreichen. Da gibt es noch Potenzial.

Das Komitee hat sich gegen das Wild-Pinkeln ausgesprochen und neue Toilettenwagen aufgestellt. Hat diese Maßnahme gegriffen?

Nickel Die Toilettenwagen sind gut angenommen worden. Vor allem an der Mühlenstraße und auf dem Hermannsplatz waren sie gut besucht. Wir wollen niemanden damit ärgern, nur müssen wir die Anwohner mit den WC-Wagen vor dem Wild-Pinkeln schützen. Damit die Schützen sich daran gewöhnen, bleiben die Standorte der Wagen gleich.

Gibt es noch unerfüllte Wünsche?

Nickel Wir wünschen uns, dass die Neusser Innenstadtbewohner und Einzelhändler ihre Häuser und Geschäfte noch stärker schützenfestlich schmücken. Der Schützen-Verein hat mit der Stadt Wimpel für den Hauptstraßenzug angeschafft, um mit gutem Beispiel voranzugehen. Früher hat der Einzelhandelsverband einen Kirmes-Schaufenster-Wettbewerb veranstaltet, den es leider nicht mehr gibt. Fahnenschmuck gehört zum Fest dazu. Und falls jemand nicht weiß, wie er eine Fahnen-Halterung befestigen soll, vermittelt das Schützenbüro gern tatkräftige Hilfe.

Waren Sie überrascht, dass der Hauptstraßenzug trotz Baustelle rechtzeitig so präpariert wurde, dass den Schützen der Weg geebnet wurde?

Nickel Nein, wir waren nicht überrascht. Schließlich hat unser Bürgermeister uns eine entsprechende Zusage gegeben. Die Gäste, die eine Woche vor dem Fest angekommen sind, haben dies angesichts offener Schienen und Baustellen-Schmutz allerdings nicht geglaubt. Aber es hat trotzdem gut geklappt. Auf dem provisorischen Belag, der weicher war als sonst, konnten die Schützen gut marschieren. Da bedanken wir uns bei unserer Stadt und bei den Stadtwerken, die für die Schützen wieder alles parat gemacht haben. Alle Ämter haben toll mitgezogen.

Hatte die Straßenbahn-Diskussion Einfluss auf das Schützenfest?

Nickel Die Straßenbahn war in aller Munde. Und natürlich haben die Schützen darüber kontrovers diskutiert - angefangen bei den Vorabenden bis zum Fest selbst, wo beim Fackelzug einige Wagen diesem Thema gewidmet waren. Allein, dass die Fackeln durch die abgehängte Oberleitungen nicht mehr in der Höhe beschränkt waren, hat zu ungewöhnlichen Fackelformen geführt.

Wie beurteilen Sie den Fackelzug?

Nickel Die Fackeln waren sehr gut. Die Schützen schaffen es immer wieder, gute Ideen pfiffig und imposant umzusetzen. Und wenn sich Schützen aus mehreren Orten untereinander helfen, ist das begrüßenswert.

Sie spielen darauf an, dass sich ein Grenadierzug bei seiner Fackel Schützenhilfe aus Grevenbroich geholt hat. Wie sehen Sie das?

Nickel Der Zug hat ja die Fackel nicht einfach übernommen. Da wurde viel kreative Eigenleistung in das Grundmodell hineingesteckt: Es wurde geklebt, gemalt und an der Beweglichkeit der Figur gebastelt. Warum sollten sich die Schützen keine Hilfe bei anderen Vereinen holen? Der Wiedererkennungseffekt der Lucky-Luke-Figur war natürlich gegeben - und dadurch fiel es auf.

Wurde die Kirmes gut angenommen?

Buchbender Die Schausteller waren sehr zufrieden. Zum Glück regnete es nicht oft, so dass wieder Tausende von Besuchern über den Rummel bummeln konnten. Und dass das Riesenrad jetzt am Eingang zum tiefer liegenden Platz stand, ermöglichte viele tolle Ausblicke auch auf Neuss. Das war ein Gewinn.

Seit vielen Jahren wächst das Regiment des Neusser Bürger-Schützen-Vereins stetig an. Gibt es Überlegungen, einen Aufnahmestopp einzuführen?

Nickel Nein. Wer Schütze in Neuss sein möchte und Mitglied im Neusser Bürger-Schützen-Verein werden will, kann dies tun, indem er sich einen Schützenzug sucht oder einen neuen Zug gründet.

Muss der Zugweg durch immer mehr Marschierer wieder geändert werden?

Buchbender Mit 6639 Schützen haben wir wieder ein Rekord-Regiment zu verzeichnen, das bei den Umzügen dazu führt, dass die Regimentsspitze wieder am Markt angekommen ist, während die Reiter noch aufreiten. Mit einer kleinen Änderung haben wir die Zugwege von 2007 beibehalten und sind damit gut gefahren. Auch Oberst Dr. Heiner Sandmann, der mit seinem Adjutanten Volker Schmidtke hervorragende Arbeit geleistet hat, war zufrieden mit der Parade und den Umzügen. Daher werden wir an diesen Wegen festhalten

Nickel Die Alternative - eben nicht zwei Mal über den Markt zu gehen - wird bisher von den Korps abgelehnt. Wenn der Rückweg anders gestaltet würde, wäre der Zugweg ein bisschen kürzer. Ein kleiner Stau kann jedoch auch eine Bereicherung sein, wenn man mit Zuschauern ins Gespräch kommt. Die jetzt gefundenen Zugwege - zum Beispiel über die Kaiser-Friedrich-Straße und die Hochstraße - werden von den Anwohnern begeistert angenommen. Mich hat gefreut, dass dort eine neue "Kultur des Zuguckens" entstanden ist: Da wurden Tische und Stühle an den Straßenrand gestellt und ein Kaffeetrinken mit Freunden veranstaltet - so wie es früher üblich war. Da könnte eine Tradition wiederbelebt werden.

Die Schützenfamilie feiert gemeinsam. Wo zeigt sich das außer auf der Wiese?

Buchbender Sehr schön sind die Termine in den Kindergärten und Schulen, bei denen das Königspaar erfährt, wie sehr sich schon die Kinder auf das Schützenfest freuen. Diese Begeisterung ist ansteckend.

Nickel Da müssen wir uns um die Zukunft keine Sorgen machen. Besonders schön fand ich, dass die Mädchen von Marienberg, wo wir zum ersten Mal waren, alle aus vollem Hals das Heimatlied angestimmt haben mit der Zeile: "Als ich noch ein kleiner Junge war..."

Es gab viele Jubiläumszüge und Schützen, die seit Jahrzehnten mitmarschieren. Wie geht der Verein mit den älteren Schützen um?

Nickel Wir sind sehr dankbar, dass so viele ältere Schützen dem Schützenwesen die Treue halten. Da haben wir großes Verständnis, wenn ein älterer Schütze sagt, er könne nicht mehr alle 35 Kilometer der Umzüge mitgehen - und einzelne Züge auslässt oder sich in der Mitte des Wegs eine Abkürzung sucht. Die Hauptsache ist, dass jeder nach seinen Möglichkeiten mitfeiern kann und Teil des Neusser Schützenfestes ist.

Damit das Fest unbeschwert gefeiert werden kann, gilt es, viele Vorbereitungen zu treffen. Wer ist da in Neuss besonders gefordert?

Nickel Wir möchten allen Dank sagen, die das Komitee und die Schützen wieder so hervorragend unterstützt haben. Vor allem der Polizei, der Feuerwehr, dem Deutschen Roten Kreuz, der Johanniter-Unfall-Hilfe, dem Malteser-Hilfsdienst und dem Technischen Hilfswerk gilt großer Dank für ihre Arbeit. Auch bei Jürgen Brockmeyer und seinen Helfern bedanken wir uns für die Kinderbelustigung auf der Wiese.

Das Gespräch mit Präsident Thomas Nickel und Komiteemitglied Christoph Buchbender führten NGZ-Redaktionsleiter Ludger Baten und Carina Wernig, Chefin vom Dienst.