Kandidaten für den Kreisparteivorsitz der CDU: Der Schlagabtausch fiel aus

Kandidaten für den Kreisparteivorsitz der CDU : Der Schlagabtausch fiel aus

Von Frank Kirschstein

Von Frank Kirschstein

Am 15. September treten sie gegeneinander an: Hermann Gröhe MdB aus Neuss und Marcel Vossschulte aus Kaarst. Beide bewerben sich um das Amt des CDU-Kreisvorsitzenden, dass die Delegierten des Kreisparteitages neu besetzen müssen, nachdem Dr. Hans-Ulrich Klose nach über 25 Jahren an der Spitze der Union im Kreis auf eine weitere Kandidatur verzichtet hat. Bei einer Veranstaltung der Jungen Union in Neuss trafen die beiden Bewerber jetzt in einer ersten Diskussionsrunde aufeinander.

Wer einen spannenden Abend erwartet hatte, bei dem sich zwei Kontrahenten einen Schlagabtausch mit den gegensätzlichen Positionen und Argumenten lieferten, wurde enttäuscht. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: "Große Unterschiede konnte ich zwischen Euch nicht erkennen", stellte der Neusser JU-Vorsitzende Jörg Geerlings am Ende fest, zu ähnlich, wenn nicht gleich waren die Positionen und nicht zuletzt auch die Biografien der beiden Juristen, die seinerzeit nacheinander den Vorsitz der Jungen Union im Kreis inne hatte. "Aufgabe der Kreispartei muss es vor allem sein, die Stadt- und Gemeindeverbände zu unterstützen und die Kräfte der CDU im Kreis Neuss zu bündeln", sagte Gröhe.

Auch müsse auf Kreisebene dafür gesorgt werden, dass deutlich werde, dass wichtige Themen wie die Grundwasserproblematik in Korschenbroich, die Zukunft der Kraftwerke in Grevenbroich oder der Hafen in Neuss nicht nur von örtlicher Bedeutung seien. "Dies sind Herausforderungen für den gesamten Kreis", so Gröhe, der sich selbst als "Team-Spieler" bezeichnete, eine Eigenschaft, ohne die die Union die vor ihr liegenden Aufgaben kaum bewältigten könne. Vossschulte betonte die Bedeutung des Generationswechsel an der Spitze der Kreis-CDU. Partei und Fraktion müssten enger verknüpft werden. Bei Themen wie der Wirtschaftsförderung im Kreis oder dem Eisernen Rhein, bei dem neben der positiven Wirkung für den Neusser Hafen auch der Lärmschutz nicht vergessen werden dürfe, müsse die CDU ihre Positionen deutlicher formulieren und in die Öffentlichkeit tragen.

"Wir müssen die Parteiarbeit für die Bevölkerung attraktiver und vor allem wahrnehmbarer machen", sagte Vossschulte, zurzeit Vize-Vorsitzender der Kreis-CDU. Dazu könnten etwa Diskussionen mit hochkarätigen Gesprächspartner beitragen. Kaum unterschiedlich waren auch die Positionen der Kandidaten zur Abschaffung des Delegiertensystems bei den Kreisparteitagen, wie aus den Reihen der JU gefordert. Gröhe wie Vossschulte bekannten sich zwar zu den Vorteilen der Direktwahl durch die Mitglieder der Kreis-CDU, warnten jedoch gleichzeitig davor, Bedenken kleinerer Stadt- und Gemeindeverbände, die fürchten könnten, mit der Abschaffung des Delegiertensystems an Einfluss zu verlieren, einfach vom Tisch zu wischen. Die Zeit für die Einführung der Direktwahl sei noch nicht reif, wichtig sei es aber jetzt die Diskussion über das Thema anzustoßen.

Auch bei der Frage nach einem ermäßigten Mitgliedsbeitrag für Schüler, Studenten, Rentner oder Sozialhilfeempfänger waren die beiden Kandidaten für das Amt des CDU-Kreisparteitages einer Meinung: Ermäßigte Mitgliedsbeiträge von fünf beziehungsweise zehn Mark für Schüler und Studenten seien in den Stadt- und Ortsverbänden längst Praxis. Der Einwand aus der Zuhörerschaft, formal-juristisch sei dies ohne Beschluss auf Kreisebene nicht zulässig, ließen Vossschulte und Gröhe nicht gelten. Problematisch sei, wenn auch für Senioren generell eine ermäßigter Beitrag eingeführt werde. Die Stadt- und Gemeindeverbänden liefen dann Gefahr, in Finanznöte zu geraten, da sie Beiträge nicht nur an den Kreisverband, sondern auch an die Landes- und Bundespartei abführen müssten.

Der einzige klare Unterschied zwischen den Bewerbern wurde bei der Frage nach einer möglichen Stellvertretung für den Kreisparteivorsitz deutlich: Gröhe erklärte, dafür nicht zur Verfügung zu stehen. Sollte er nicht gewählt werden, will er in seiner Funktion als Bundestagsabgeordneter im Kreis weiter arbeiten. Vossschulte hingegen kündigte an, im Fall einer Niederlage auch für einen der Stellvertreter-Posten zur Verfügung zu stehen.

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