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Rhein-Kreis-Wettstreit: Neuss: Der Neusser ist gern unter Menschen

Rhein-Kreis-Wettstreit: Neuss : Der Neusser ist gern unter Menschen

Die Neusser kennen ihre Stadt sehr gut. Das zeigt allein die lange Liste von Geheimtipps, die die Leser der NGZ in einer Umfrage nennen konnten. Dass auch Restaurants dazu gehören, zeigt: Selbst dort ist der Neusser gerne in Gesellschaft.

Wo es in ihrer Heimatstadt am spannendsten ist, darüber gehen die Meinungen der Neusser auseinander. Die meisten aber eint die Ansicht: Leute gehören dazu. Denn sehen und gesehen werden gilt vielen Neussern als spannend — und das macht den Markt mit seinen vielen Lokalen zu einem interessanten Ort, den viele Teilnehmer am Rhein-Kreis-Wettstreit auswärtigen Gästen gegenüber als einen ihrer Liebslingsorte bezeichnen und für einen Besuch empfehlen.

Wie gut die Neusser ihre Stadt kennen und wie sehr sie sich mit ihrem Umfeld beschäftigen, zeigt die lange Liste von Geheimtipps. Dass Helmut Wessels dabei auf das Quirinus-Münster verweist, wundert da vielleicht. Denn die Basilika, die wirklich jeder Teilnehmer dieser NGZ-Umfrage zu den markantesten Gebäuden in Neuss und den Sehenswürdigkeiten zählt, die man gesehen haben muss, kann nicht wirklich als Geheimtipp gelten. Oder doch? Oh, doch. Denn wer hat schon mal aus dem Kuppelgewölbe einen Blick in den tief unten liegenden Altarraum werfen können? Wessels hat das getan — und ein Bild aus dieser Perspektive seinem Fragebogen beigefügt.

Nicht jeder Geheimtipp liegt derart still und im Grünen wie der "Schwarze Graben" nördlich von Neuenbaum, auf den Gerda und Karl Loeffen hinweisen. Oft sind es Geschäfte wie "Hannis 60er-Jahre Café", das Werner Krause empfiehlt, die Gewürzmühle Engels, die Antonia Terner vorschlägt, oder die "Rauchbar" in der Neustraße. Dorthin geht, so weiß Hans Mietzen, "wer ausdrucksstarke Whiskeys oder aromatische Rumsorten mag". Dass Neusser wie Johann Andreas Werhahn oder die Eheleute Loeffen auch ihre Lieblingsrestaurants — "Essenz" in der Bürgergesellschaft und "Karyatis" im Norfer Bahnhof — als Geheimtipp allen öffentlich ans Herz legen, beweist nur die eingangs gemachte Feststellung: Der Neusser ist gern in Gesellschaft.

Womit man bei der Frage nach den Eigenschaften des typischen Neussers wäre. "Er nimmt das Leben nicht so schwer", hat Werner Krause beobachtet, ist auf Festen ausgelassen, fleißig und bescheiden aber auch "gast- und menschenfreundlich und sozial engagiert", wie Familie Kolvenbach weiß. "Jediegen äwwer jood", fasst Helmut Wessels zusammen. Er kann aber auch anders, der Neusser: "Die Neusser schimpfen oft über ihre Stadt", schreibt Hans Mietzen. "Aber nur, so lange sie unter sich sind." Übt ein Fremder die gleiche Kritik, würden die Neusser ihre Stadt leidenschaftlich verteidigen. Denn im Herzen sind sie stolz auf Neuss.

So wissen sie auch mit Anekdoten über ihre Heimat zu unterhalten. Helmut Wessels etwa erinnert gern an Tile Kolup, der 1284 für einige Monate als Kaiser Friedrich II. (der echte starb bereits 1250 in Italien) in Neuss residierte und alle Privilegien dieses Amtes genoss. Dass Kolup erst später in Wetzlar, wo er Gleiches versuchte, grausam bestraft wurde, spricht nicht unbedingt gegen die Neusser. Alexander van Opbergen zählt zu den schönsten Geschichten über Neuss, dass hier erfunden wurde, was heute die Welt zusammenhält: die Inbus-Schraube. Und Werner Krause fällt zur Frage nach einer Anekdote über Neuss die Geschichte ein, die Neuss eine der reizendsten Skulpturen beschert hat — den Eierdieb. Der steht immer noch da, wo die Stadt nach Ansicht vieler ihrer Bewohner am grünsten ist — im Stadtgarten.

Sollen Neusser einen Tourentipp geben, so schicken sie den Fragenden gern an der Erft entlang bis Hülchrath, verweisen auf den Radweg am Nordkanal oder empfehlen eine Radtour über den "Strategischen Bahndamm" von Holzheim nach Rommerskirchen. Wenn man nicht Johann Andreas Werhahn trifft. Der benennt als schönsten Wanderweg Büchel und Niederstraße in der Innenstadt. Denn der Neusser, man ahnt es schon, ist gern unter Menschen.

Sucht er doch einmal die Abgeschiedenheit, weiß jeder Neusser auch solche Orte zu benennen: die Terrasse des Restaurant "Herzog von Burgund", die Krypta der Marienkirche, den Hauptfriedhof oder den Botanischen Garten.

(NGZ)