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Rhein-Kreis Neuss: Der Einfluss der Bürger auf Europa

Rhein-Kreis Neuss : Der Einfluss der Bürger auf Europa

Das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit bestimmte gestern das Thema beim Europatag im Neusser Kreishaus. Gastredner war Stephan Koppelberg von der regionalen Vertretung der EU-Kommission in Bonn. Sein Credo: Der Einfluss der Bürger auf Europa ist groß.

Die Bürger haben mehr Einfluss auf Europa als sie glauben. Diese Meinung vertrat Stephan Koppelberg, Leiter der Regionalen Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn, gestern im Kreishaus Neuss. Das "Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit" stand dort vor vielen Gästen im Mittelpunkt. Rhein-Kreis und Rhein-Erft-Kreis richteten die "Europatag" genannte Veranstaltung mit der örtlichen Europa-Union aus.

"Unsere Themenjahre sind bewusstseinsbildende Maßnahmen. Letztlich stecken dahinter Werte, die im EU-Vertrag stehen. Ging es im vorigen Jahr um den Kampf gegen Armut und soziale Ausgrenzung, so rücken wir dieses Jahr das bürgerschaftliche Engagement in den Blickpunkt", so Koppelberg. Treffen wie im Kreishaus sollten dafür sorgen, dass die Distanz zwischen Bevölkerung und Europa schrumpfe. "Wir haben da schon Fortschritte gemacht", sagte Koppelberg. Was ihm besonders wichtig ist: "Das EU-Parlament wird direkt von den Bürgern gewählt und kann praktisch in allen Bereichen mitreden. Seine Abgeordneten haben eine große Macht, was vielen gar nicht bewusst ist. Denn deutsches Recht ist oft nur eine Umsetzung von EU-Recht."

Um die Bürgerferne schrumpfen zu lassen, setzen Koppelberg und sein Team auch auf die Informationsrelais. "Gerade in Neuss ist die Arbeit vorbildlich", lobte der Experte und berichtete von größer gewordenen Finanzspritzen, die in Fortbildung und Vernetzung der Mitarbeiter investiert werden sollen.

Wenn es um die Folgen der Schuldenkrise auf die Europa-Akzeptanz der Bürger geht, wird Koppelberg nachdenklich und kämpferisch zugleich: "Die EU ist eine Wertegemeinschaft, und eines ihrer Hauptthemen ist die Solidarität. Doch Äußerungen von nationalen Politikern sind oft alles andere als solidarisch." Er hat jedoch die Hoffnung, "dass die Debatte am Ende dazu führt, dass alle begreifen, dass der Euro und die EU für Deutschland lebensnotwendig sind".

Als "eine der innovativsten Neuerungen des Lissabon-Vertrags" bezeichnet Koppelberg die ab 2012 geplante "Bürgerinitiative", bei der auch jeder Nicht-Politiker Vorschläge machen kann. "Da besteht die große Chance, dass mehr Menschen merken, dass sie Einfluss nehmen können".

(NGZ)