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Rhein-Kreis Neuss: Das "Wasser aus dem Hahn" hat beste Qualität

Rhein-Kreis Neuss : Das "Wasser aus dem Hahn" hat beste Qualität

Der Leiter des Kreisgesundheitsamtes, Dr. Michael Dörr, spricht über Trinkwasser-Mengen, Trinkwasser-Genuss und Trinkwasser-Kontrollen.

Herr Dr. Dörr, warum sollte jeder jeden Tag ungefähr zwei Liter trinken?

Michael Dörr Diese Menge benötigt der menschliche Körper bei üblichen körperlichen Aktivitäten in der Regel, um das vor allem durch die Atmung, das Schwitzen und die Ausscheidungen verlorene Wasser zu ersetzen.

Kann man die Wasserzufuhr auch durch andere Flüssigkeiten ersetzen oder ergänzen?

Dörr Reines, destilliertes Wasser verträgt der Mensch nicht. Generell weist auch das Trinkwasser natürliche Inhaltsstoffe wie Mineralien oder Spurenelemente auf. Getränke wie Tees und Mineralwässer sind gute Alternativen.

Wie viel Wasser sollten Kinder täglich zu sich nehmen?

Dörr Durchschnittlich und altersabhängig einen halben bis zu einem Liter. Bezogen auf das Körpergewicht benötigen sie mehr Wasser. So wird die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit garantiert.

Wie verändert Fieber den Wasserhaushalt?

Dörr Einer erhöhten Körpertemperatur versucht der Körper durch Verdunstung entgegenzuwirken. Dementsprechend verliert der Mensch Flüssigkeit, was wiederum dazu führt, dass das Blut dickflüssiger wird und die Haut und Schleimhaut austrocknen. Vor allem ältere Menschen sind hier durch Thrombose, Herz-Kreislaufregulationsstörungen bis hin zu Infarkt, Verwirrtheitszuständen und Infektneigung gefährdet.

Was geschieht, wenn man über einen Zeitraum von einer Woche zu wenig trinkt?

Dörr Gerade bei älteren Menschen kommt dies vor und kann auch ein Problem darstellen. Der Körper trocknet dann in Folge des mangelnden Bewusstseins für die Deckung des natürlichen Flüssigkeitsbedarfes regelrecht aus. Die Folgen einer solchen Dehydratation sind ein beschleunigter Herzschlag und eine erhöhte Atemfrequenz, Schwindel und ein Versiegen der Harnproduktion. Weitere Folgen habe ich bei der vorherigen Frage beschrieben.

Wie lange kann ein Mensch ohne Wasseraufnahme überleben?

Dörr Rund drei bis sechs Tage. Vom Unter- oder Überschreiten dieser Zeitspanne bei einem Verdurstungstod wird aber immer wieder berichtet.

Welches Wasser eignet sich am besten? Leitungswasser, Wasser mit viel oder wenig Kohlensäure? Macht das überhaupt einen Unterschied?

Dörr Leitungswasser hat in Deutschland eine hervorragende Qualität. Nach kurzem Ablaufenlassen, wenn es kühl aus der Leitung kommt, kann es uneingeschränkt getrunken und für die Säuglingsnahrungsherstellung genutzt werden. Wässer mit viel und wenig Kohlensäure unterscheiden sich im Mineraliengehalt. Stille Wasser weisen oft einen niedrigen Gehalt dieser Substanzen auf, daher findet sich dann wenig knochenaufbauförderndes Magnesium oder Calcium. Andererseits liegt der Natriumspiegel in einem niedrigen Bereich, so dass man keine Blutdruckerhöhung befürchten muss. Prinzipiell sind diese Unterschiede aber gering.

Was ist eine gute Alternative für jemanden, der kein Wasser mag oder zumindest nicht zwei Liter täglich?

Dörr Der Mensch liebt die Abwechslung. Dies gilt auch für den Getränkekonsum. In gesundheitlicher Hinsicht sind ungesüßte Tees, und Mineralwässer sinnvolle Alternativen zur Deckung des Flüssigkeitsbedarfes. Aber selbstverständlich besteht gegen den Genuss der meisten anderen Getränke wie Kaffee, Frucht- und Obstsäfte, Limonade in Maßen keine Bedenken.

Das Kreisgesundheitsamt überwacht die Qualität des Trinkwassers im Rhein-Kreis. Wie oft wird das Wasser kontrolliert? Und was passiert, wenn plötzlich Keime auftreten?

Dörr Unser Amt ist die zentrale Kontrollinstanz für die Qualität des Trinkwassers. Die rechtlichen Vorgaben sind dem Infektionsschutzgesetz und vor allem der Trinkwasserverordnung zu entnehmen. Trinkwasserkontrollen finden in regelmäßigen Abständen mehrmals im Jahr statt. So wird auch die mikrobiologische Beschaffenheit — also das Vorhandensein von Keimen — überprüft. Bei Überschreiten eines Grenzwertes würde sofort nach der Ursache gefahndet. Dann würden entsprechende Maßnahmen vorgenommen, z.B. eine Chlorung. Parallel erfolgte eine Informierung der Bevölkerung, aus Sicherheitsgründen verbunden mit einem Abkochgebot, um die Erreger abzutöten. Eine alternative Wasserbelieferung ist zumeist aus anderen Versorgungsnetzen möglich, weshalb auch kein Engpass eintreten dürfte. Im Rhein-Kreis sind derartige Probleme seit Jahren nicht aufgetreten. Insgesamt kann unserem Wasser beste Qualität attestiert werden.

Ein Tipp fürs Trinken?

Dörr Wenn wir alle mehr Wasser aus dem öffentlichen Netz tränken, würde dies die Durchflusssituation im Netz verbessern und seinem längeren, unerwünschten Verbleib in der Leitung entgegenwirken. Neben den geringen Kosten, der leichten Verfügbarkeit und gesundheitlichen Unbedenklichkeit gibt es also auch umwelthygienisch Gründe Wasser aus dem ,Hahn' zu konsumieren.

ANNELI GOEBELS STELLTE DIE FRAGEN.

(NGZ/rl)