Hertha Schwätzig bot fulminante Bühnenshow: "Das Leben ist hart, aber ich bin Hertha"

Hertha Schwätzig bot fulminante Bühnenshow: "Das Leben ist hart, aber ich bin Hertha"

Wer anlässlich eines Kostümballes oder zu Karneval je in der Verlegenheit einer passenden Verkleidung war, allein für ihn hätte sich der Besuch bei Hertha Schwätzig gelohnt. Erstmals trat die Funken sprühende Kabarettistin, Zauberin und Sängerin am Freitagabend in Neuss auf, im Kulturforum Alte Post.

Ihre fulminante Bühnenshow mit dem Titel "Das Leben ist hart, aber ich bin Hertha" gestaltete sie in wechselnder Garderobe mit starker Körpersprache, witzig-geistreichen Texten und hintergründigen Liedern. Eine Künstlerin, deren Schrillheit zunächst an Hella von Sinnen oder Sissi Perlinger erinnert. Bei genauem Hinsehen und Zuhören aber entdeckten die gut über einhundert Zuschauer die flüchtigen Momente von Tiefe und Stille, die zusammen mit dem Klamauk drumherum für ein lohnendes Ganzes sorgten.

In roten Lackstiefeln und einem regenbogenbunten Hängekleid mit gehäkeltem Topflappen-Bustier entwickelt Hertha ihre Sicht auf das Leben. Anschaulich erläutert sie etwa die Folgen von Schönheitsoperationen: "Meine Freundin Hildegard ließ sich das Fett aus den Oberschenkeln absaugen, jetzt hat sie dort Orangenhaut mit ganzen Früchten." Mimisch und gestisch untermalt sie ihre Beschreibungen dabei so genau, dass den Zuschauer das flaue Gefühl befällt, tatsächlich bei der Operation zuzusehen. Weniger anschaulich, dafür jedoch ungemein phantasiereich ist Herthas hausgemachte Gentheorie.

Glaubhaft versichert sie, das Kinn von Elisabeth Taylor bekommen zu haben, so wie diese es noch als Cleopatra im Film trug. Die Taylorschen Stammzellen seien nach mehreren erfolgten Schönheitsoperationen über den Umweg eines Erdnussfeldes auf ihren Frühstückstisch und in ihre geliebte Erdnussbutter gelangt. So seien das Kinn und wohl auch eine der Taylorschen Speckrollen zu ihr gekommen. Den komplexen Gedankenberg häuft Hertha im "Klopatra-Kostüm" vor ihrem Publikum auf. Dazu hängt sie sich einen goldenen Duschvorhang um, legt eine rote Klofußumpuschelung über die Schultern und setzt einen halben, umgestülpten Putzeimer mit WC-Ente vorne dran auf, fertig.

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Sie ist schräg diese Hertha Schwätzig, alias Astrid Gloria Irmer. Die Künstlerin, Jahrgang 1966, wuchs in Gießen auf und lebt heute in Köln. Dort hat sie die KölnComedySchule für Profi-Comedians mit dem "Großen Lachdiplom" abgeschlossen. Als Kind aber, da wollte sie immer Hexe werden. Als eine der wenigen Frauen gehört sie heute dem magischen Zirkel an (im Internet unter www.zauberin.de). Sie zersägt auf der Bühne einen Mann, liest in seinen Eingeweiden die Zukunft, verwandelt tatsächlich Wein in Wasser.

Als Heilige Jungfrau Maria in rotem Samt und blauem Bademantel erzählt sie von ihrer Begegnung mit dem Heiligen Geist. Hertha: "Warum schaut die Maria eigentlich immer so traurig oder weint sogar? Wie viel Kraft hätte erst eine lachende Maria!" Jörg Zimmer

(NGZ)
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