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Rhein-Kreis Neuss: Das beste Unternehmen für Familie und Beruf

Rhein-Kreis Neuss : Das beste Unternehmen für Familie und Beruf

Regelmäßig zeichnet der Kreis ein familienfreundliche Unternehmen aus. Die NGZ hat beim Jahresbesten hinter die Kulissen geschaut.

Für die Patienten der Praxis von Dr. Kirsten Holtappels und Dr. Rainer Betzholz im Fachärztezentrum am Neusser Etienne-Krankenhaus ist Petra Küster die erste Stimme, die sie am Telefon hören, und das erste Gesicht, das sie sehen, wenn sie die Praxis betreten. Die 44-Jährige sitzt während der Sprechzeiten meist am Empfang. Die medizinische Fachangestellte betreut Patienten, arbeitet den Ärzten zu. Petra Küster ist jedoch nicht nur Arzthelferin, sondern auch Mutter — und sie arbeitet in dem Betrieb, den der Rhein-Kreis als "Familienfreundlichstes Unternehmen 2012" ausgezeichnet hat.

Petra Küster arbeitet in einem familienfreundlichen Betrieb. Foto: woi

In der Diabetologischen Praxis gehören zu den praxisrelevanten Themen auch persönliche Anliegen: zum Beispiel, wenn Petra Küster für einen Elternabend früher gehen muss. Für ihre Kolleginnen kein Problem, schließlich haben sieben von ihnen selbst Kinder. "In solchen Fällen muss niemand ein schlechtes Gewissen haben. Das ist sehr viel Wert", sagt Petra Küster. Die fehlende Stunde müsse sie später nicht nacharbeiten. "Das gleicht sich immer wieder aus, wenn ich länger bleibe, weil eine Kollegin früher weg muss", sagt die Medizinische Fachangestellte. Auch für andere Probleme haben ihre Kolleginnen immer ein offenes Ohr, erzählt Küster.

"Nur ein zufriedenes Team leistet auch gute Arbeit, und damit lohnt es sich auch betriebswirtschaftlich", sagt Dr. Kirsten Holtappels. Neben den Quartalsbesprechungen führt die Chefin mit ihren Angestellten einmal im Jahr ein Personalentwicklungsgespräch durch. Außerdem plant sie den Praxisausflug, dessen Programm und Ziel sie bis zum Tag selbst geheim hält. So wurden bereits Fahrradtouren mit Übernachtung unternommen oder eine Kochschule besucht. Holtappels trat selbst als junge Mutter in die Praxis ein, sie ist für die elf Arzthelferinnen auch deshalb die erste Ansprechpartnerin.

Petra Küster ist geschieden und hat zwei Kinder, die noch zur Schule gehen. Obwohl die Söhne fast erwachsen sind, schmiert ihnen die Mutter morgens noch die Pausenbrote. Um 5 Uhr früh steht sie auf. "Am Morgen ist die einzige Zeit, in der ich meine Ruhe habe. Dann trinke ich meinen Kaffee und gehe mit dem Hund raus", sagt Küster. Jeden Vormittag arbeitet sie bis 12.30 Uhr, montags und donnerstags öffnet die Praxis auch am Nachmittag bis 18 Uhr. Auch dann fährt Küsters in der Mittagspause in ihre Heimat Kleinenbroich und bereitet für ihre Söhne das Essen zu. An ihren freien Nachmittagen warten Wäscheberge auf sie, außerdem kümmert sie sich um ihre Mutter.

Für den Ausgleich vom Arbeitsalltag sorgt Hund Ivan. Mit ihm betreibt sie neuerdings "Agility", ein Hundesport, der auch das Frauchen fit hält. Ob in einer Arztpraxis mit vielen weiblichen Angestellten sensibler mit dem Thema Beruf und Familie umgegangen werde, mag Petra Küster nicht beurteilen. Bislang hatte sie nämlich immer Glück: Auch ihre bisherigen männlichen Chefs hatten Verständnis und waren familienfreundlich.

(NGZ/ac)