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Bezirkspräses Matthias Heidrich in Büttgen: Christliche Feste zunehmend "verwässert"

Bezirkspräses Matthias Heidrich in Büttgen : Christliche Feste zunehmend "verwässert"

"Wenn Jesus an Weihnachten gekreuzigt würde und Halloween Sankt Martin verdrängt - ist das Christliche dann noch zu retten?" Der jährliche Einkehrnachmittag der Schützenbruderschaften des Bezirksverbandes Neuss stand dieses Mal unter einer ganz besonderen Fragestellung. Die leider nicht ganz so zahlreichen Teilnehmer fanden sich am Samstag auf Einladung der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft Büttgen in der ehemaligen Pampus-Schule im Schatten der Pfarrkirche Sankt Aldegundis ein, wo zuvor eine feierliche Messe zelebriert worden war.

Bezirkspräses Matthias Heidrich, Pfarrer in Norf und Rosellen, gestaltete mit seinem Referat die Zusammenkunft thematisch aus. "Wo früher gelitten und um gute Noten gebangt wurde", wie Heidrich zu Beginn humorvoll anmerkte, folgten die Anwesenden, darunter das Bezirkskönigspaar Rolf und Gitti Stein sowie der Repräsentant der Büttgener Schützen, Ralph Köllges, den nachdenklich machenden Ausführungen. Er habe den Titel seines Vortrages bewusst so plakativ gewählt, berichtete der Seelsorger, da er auf selbst gemachte Erfahrungen unter Jugendlichen und Erwachsenen zurückgreife. Insbesondere die zunehmende "Verwässerung" christlicher Traditionen und Feste gebe Anlass zu Besorgnis.

Dazu bemühte Heidrich einige Beispiele, wie dieses, wo am Abend vor Karfreitag ungeniert eine Bruderschaft ihren Schützenkönig lautstark verabschiedet habe, oder jenes, wo drei Wochen vor dem Auferstehungsfest bereits von einer Frauengemeinschaft ein Osterfrühstück mit bunten Eiern abgehalten worden sei. Vieles, was früher noch selbstverständlich gewesen sei, fiele "einfach so weg". Es bestehe die Gefahr, dass "in 20 bis 30 Jahren alles zu einem Einheitsbrei vermischt" sei. Bis in die 50er Jahre sei das alltägliche Leben kirchlicherseits noch "durchgestylt" gewesen.

Inzwischen müsse man sich aber fragen, wo das einst vorhandene christliche Profil der Gesellschaft geblieben sei, und wie man das, was noch vorhanden ist, erhalten könne. Wie weit aber solle etwa christliche Toleranz gehen? Was könne man dagegen tun, dass der Glaube in "immer dünnerem Aufguss" weitergegeben werde? "Jesus hat uns alle lieb" könne wohl nicht die einzige Antwort sein, da sonst die Tiefe des Glaubens verloren gehe. Gegen die in Deutschland so rege geführten Strukturdebatten - zum Beispiel über den Zuschnitt der Seelsorgebereiche - wandte sich der engagierte Priester mit einem treffenden Vergleich: Der Bischof habe ihm schließlich die "Hände auf den Kopf gelegt und nicht auf den Aktenkoffer".

Gleichwohl sei es in der Tat so, dass die katholische Kirche momentan eine Talsohle durchschreite. Trotzdem dürften die Christen nicht den Anspruch haben, alle zufrieden stellen zu müssen. Es gelte, ganz persönlich Zeichen zu setzen, auch wenn sie dem Gesellschaftstrend entgegen stünden. Heidrich gestand ein, in vielen Belangen "langsam konservativer zu werden", da es immer mehr "ans Eingemachte" gehe. Er wolle die Menschen stärken, denen Glaube und Religion wichtig seien: "Wir müssen das Vertrauen haben, Leute dazu gewinnen zu können." Dass der Vortrag bei den Schützen gewissermaßen "ins Schwarze" getroffen hatte, stellte sich bei der Diskussion schnell heraus. Ein Teilnehmer brachte es auf den Punkt: "Der Mut zu bekennen, führt dazu, dass man Partner findet." Simon Hopf

(NGZ)