Rhein-Kreis Neuss: Bündnis gegen häusliche Gewalt

Rhein-Kreis Neuss : Bündnis gegen häusliche Gewalt

Die neue Initiative von Kreis und Frauenberatungsstelle Neuss soll für Gewalt in Familie und Beziehungen sensibilisieren. Das Bündnis soll möglichst auf die Kommunen und private Einrichtungen erweitert werden.

Liest Hans-Jürgen Petrauschke morgens den aktuellen Lagebericht der Polizei, dann "ist ,häusliche Gewalt' eigentlich jeden Tag ein Thema". Janne Gronen von der Neusser Beratungsstelle "Frauen helfen Frauen" kann dem Landrat aus ihrer Sicht nur beipflichten. Seit fast 30 Jahren gibt es diese Einrichtung. Seither hat sie etwa 8000 Frauen beraten, die Opfer von Gewalttaten innerhalb von Beziehungen oder der Familie geworden sind.

Der Kreis und die Frauenberatungsstelle haben daher gestern in Grevenbroich die Gemeinschaftsinitiative "Bündnis gegen häusliche Gewalt" gestartet.

Mit im Boot sind der Kreis inklusive Polizei und Kreiskliniken. Dienen soll das Projekt zunächst einmal "der Bewusstseinsschärfung und Aufklärung unserer Mitarbeiter", beschreibt Hans-Jürgen Petrauschke das Ziel.

Wobei sich der Rhein-Kreis auf Dauer allein nicht selbst genügen mag, wie dessen Gleichstellungsbeauftragte Ulrike Kreuels deutlich macht. In nicht allzu langer Zeit will sie über ihre Kolleginnen in den Städten und Gemeinden des Kreises dort ähnliche Bündnisse lancieren — in denen übrigens auch Unternehmen und nichtstaatliche Institutionen mitwirken können.

Seit mittlerweile knapp zehn Jahren gibt es das Gewaltschutzgesetz. Selbst mit der Materie gut Vertraute vermögen nicht zu sagen, ob das Gesetz geholfen hat, die Zahl der Delikte zu senken. "Wir erreichen mehr Frauen", nennt Janne Gronen eine besonders auffällige Konsequenz des Gesetzes. Dies gilt sowohl für Migrantinnen als auch für Frauen, "die in Ein-Familien-Häusern" leben. Das Problem häuslicher Gewalt stellt sich letztlich jedoch unabhängig von Herkunft, Migrationshintergrund oder sozialer Schichtung, wie die Initiatoren des Bündnisses wissen.

Kriminalhauptkommissarin Sabine Rosenthal-Aussem sähe überhaupt kein Problem darin, wenn "das Hingucken des Umfelds" dazu führe, "dass die Fallzahlen steigen". Denn nur so sei Hilfe möglich. Für Michael Kehren, den Personalratsvorsitzenden der Kreiskliniken, sollte das jetzt gestartete Bündnis "eine Politik der kleinen Schritte" initiieren und "ein Angebot an Mitarbeiter sein, falls sie selbst Opfer sind".

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke sieht durch die weiter intensivierte Zusammenarbeit von Polizei und Frauenberatungsstelle jedenfalls "zumindest Licht am Horizont, wie man mit der Situation fertig wird".

(NGZ/rl)
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