Botschafter von Kolumbien zu Besuch im Rhein-Kreis Neuss

Botschafter besucht den Rhein-Kreis Neuss : Kolumbien wirbt um Investitionen

Der kolumbianische Botschafter Hans-Peter Knudsen kennt den Rhein-Kreis Neuss bestens. Nun hat er die Region besucht. Das Ziel: Die wirtschaftlichen Beziehungen sollen ausgebaut werden. Beide Seiten sollen profitieren.

Die Reise nach NRW nutzt Hans-Peter Knudsen auch, um alte Freund- und Bekanntschaften zu pflegen. Den Rhein-Kreis Neuss kennt der kolumbianische Botschafter, der im Dezember 2018 seine Akkreditierung durch Bundesaußenminister Heiko Maas erhielt, noch bestens aus seiner Zeit bei Proexport. Von November 2000 bis Januar 2003 leitete Knudsen (59) das kolumbianische Außenhandelsbüro in Deutschland, in dieser Zeit lernte er zum Beispiel den damaligen Landrat Dieter Patt und Jürgen Steinmetz, heute Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein, kennen. „Es gibt eine lange und sehr erfolgreiche Partnerschaft zwischen dem Rhein-Kreis, NRW und Kolumbien“, sagt Knudsen. Vor allem aber sollen die wirtschaftlichen Beziehungen ausgebaut werden.

Dazu knüpft der Botschafter neue Kontakte und nutzt sein Netzwerk. Wenn es darum geht, Brücken über den Atlantik zu bauen, wird das Fundament durch persönliche Kontakte schließlich fester. Knudsen hat an diesem Tag daher zunächst Stephan Holthoff-Pförtner, NRW-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten sowie Internationales, getroffen und die Biotechnologie-Organisation Bioriver in Düsseldorf besucht. Anschließend sitzt er im Atelier von Dieter Patt auf Gut Gnadental in Neuss mit dem Landrat a.D. sowie IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz und Unternehmer David Zülow zusammen.

Der Botschafter betont die strategisch günstige Lage Kolumbiens im Nordwesten Südamerikas sowie die seit dem 2016 mit den Farc-Rebellen geschlossenen Friedensvertrag „stabileren Rahmenbedingungen“. „Unter neuen Vorzeichen entwickelt sich Kolumbien weiter“, betont auch Patt. Es ist ein offener Gedankenaustausch – und es geht viel um Perspektiven. „Sich entwickelnde Märkte bieten jede Menge Kapazitäten, die man nutzen kann“, sagt Zülow.

Laut Auswärtigem Amt ist Kolumbien unter den großen lateinamerikanischen Volkswirtschaften das Land mit den historisch höchsten Wachstumsraten. Für 2019 wird ein geschätztes Wachstum von mehr als drei Prozent erwartet. Das Wirtschaftsforschungsinstitut Fedesarrollo prognostiziert, dass ab 2021 eine Wachstumsrate von vier Prozent erreicht werde. Treiber sind die Bauwirtschaft, der Öffentliche Dienst sowie Immobilien und Finanzdienstleistungen. Wichtige Wirtschaftszweige sind Landwirtschaft und Industrie, Dienstleistungen und Tourismus, Öl- und Erdgasförderung sowie Bergbau. Zu den meistgefragten Ausfuhrgütern zählen Erdöl, Kohle sowie Kaffee, Bananen und weitere Lebensmittel.

Zum Handel mit Rohprodukten sollen weitere Zweige hinzukommen. „Produkte mit mehr Mehrwert“, lautet die Devise. Knudsen nennt ein Beispiel: Zwar sei Kolumbien ein bedeutender Kohlestandort, aber der Energiesektor sei im Wandel, Wind- und Sonnenenergie gewinnen an Bedeutung. „Unser Ziel ist es, dass Kolumbien im Bereich der erneuerbaren Energien eng mit Deutschland zusammenarbeitet.“ Rotorenblätter für Windräder könnten zum Beispiel in Kolumbien für den südamerikanischen Markt produziert werden.

Chancen aufzeigen, Türen öffnen – dabei will die IHK helfen. Bislang ist Kolumbien für NRW mit Blick auf die Nahrungs- und Futtermittelbranche sowie den Bekleidungssektor vor allem ein Importmarkt, als Exportmarkt ist das Land für die Maschinen-, chemische und Metallindustrie interessant. Unter den NRW-Außenhandelspartnern liegt es jedoch nur auf Rang 58 – das ist ausbaufähig. Jürgen Steinmetz ist überzeugt, dass Kolumbien als Markt Potenzial hat und beide Länder von einer intensiveren Zusammenarbeit profitieren würden.

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