Wissenschaftlicher Geflügelhof feierte Richtfest: Beitrag zum "Wohlbefinden des Tieres"

Wissenschaftlicher Geflügelhof feierte Richtfest: Beitrag zum "Wohlbefinden des Tieres"

Von Friedhelm Ruf

Von Friedhelm Ruf

Knapp zwei Monate sind erst vergangen, nachdem auf dem Gelände des Landwirtschaftsmuseums der erste Spatenstich für den Wissenschaftlichen Geflügelhof erfolgte. Und Dienstag wurde bereits das Richtfest gefeiert, damit in der Mitte des nächsten Jahres die Arbeit auf dem Hühnerhof beginnen kann. Das Gebäude steht, der Richtkranz ist gesetzt. In einer Feierstunde wurde am Dienstag das Richtfest für den Wissenschaftlichen Geflügelhof im Kulturzentrum Sinsteden des Kreises Neuss gefeiert. In einem halben Jahr sollen dort die Forschungsarbeiten beginnen. NGZ-Fotos: M. Reuter

Der Richtkranz war schon am Tag zuvor aufs Dach gesetzt worden. Das hatten die Mentoren des Hühnerhofes übernommen: der Ehrenvorsitzende des Landesverbandes NRW des Bundes der Rassegeflügelzüchter, Horst Krämer und Professor Dr. Gerd Rehkämper von der Universität Düsseldorf. Krämer hatte in seinem Verband bundesweit für das Projekt geworben. Denn damit soll auch die Zukunft der Verbandsarbeit gesichert werden. In den vergangenen Jahren sahen sich die Züchter immer wieder Angriffen von Kritikern gegenüber, die bei der Zucht davon sprachen, dass die Tiere leiden.

Doch gesicherte Erkenntnisse fehlen bislang, sowohl den Züchtern als auch den Kritikern. "Beide Seiten hatten richtige Standpunkte, aber für den Verband der Züchter war ein positives Ende nicht absehbar", sagte es der Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland, Wilhelm Liewen, in seiner unnachahmlich rheinischen Art. "Viele reden bei diesem Thema aus dem Bauch heraus", erinnerte Liewen an oft nicht begründete Kritik. Aber es habe ein Züchtungsverbot gedroht. Der Verband habe dann die Dinge selbst in die Hand genommen. Nach "heftigen Kämpfen um das Thema Geflügelhof", könne die Arbeit nun beginnen. Für Edwin Vef, Präsident des Bundes der Rassegeflügelzüchter, war es gestern eine "besondere Genugtuung", das Richtfest zu begehen.

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Jedes Mitglied in seinem Verband finanziere den Geflügelhof, nicht nur den Bau mit einer halben Million Mark, sondern auch die Unterhaltung, die im Jahr bei etwa 140.000 Mark liegen dürfte. Allerdings bleibt der Beitrag für das Einzelmitglied in überschaubarem Rahmen, denn immerhin sind 300.000 Menschen als Züchter im Bund organisiert. Ale einen "Meilenstein" bezeichnete Professor Dr. Gerd Rehkämper die künftige Arbeit auf dem Hof. Dort werde demnächst untersucht, wie das Normalverhalten der Rassegeflügel sei und wie die Tiere mit ihren Rassenmerkmalen den Tag gestalten.

Als Beispiel nannte Rehkämper Hühner, die eine Haube tragen. In der Forschung in Sinsteden gehe es um die Frage, wie sie mit der Federhaube umgehen oder ob sie störe. "Wir haben uns fest vorgenommen, dem Wohlbefinden der Tiere in die Hand zu arbeiten", sagte Rehkämper. "Wir wollen aber auch das Potenzial der Rassegeflügelzucht deutlich machen." Zum anderen gehe es aber auch darum, einen Beitrag zur genetischen Artenvielfalt zu leisten. Das alles brauche seine Zeit, schließlich gebe es 150 Hühner- und doppelt so viele Taubenrassen. "Wissenschaftliche Erkenntnisse haben wir nur spärlich", sagte Dr. Thomas Griese, Staatssekretär im NRW-Landwirtschaftsministerium.

Das Ministerium sehe die Bedeutung des Geflügelhofes zum einen in der Forschung nach der Biologie der Tiere, aber auch in der Aufklärung der Bevölkerung über die Zucht. Zum dritten gebe es auch um den Erhalt der genetischen Vielfalt. Kreiskulturdezernent Tillmann Lonnes nannte den Geflügelhof eine Bereicherung für das Landwirtschaftsmuseum Sinsteden. Kreislandwirt Wolfgang Wappenschmidt erinnerte an die BSE-Diskussion und an die daraus resultierende Diffamierung der Landwirtschaft. Ähnlich gehe es mit der Zucht, wobei der Wissenschaftliche Geflügelhof zur Versachlichung beitrage. Der Rommerskirchener Bürgermeister Albert Glöckner erinnerte daran, dass man auf den Dörfern mit dem Geflügel aufgewachsen sei. Offenbar wisse man noch nicht alles von diesem Begleiter des Menschen. Die Gemeinde freue sich jedenfalls, wenn sie eine Institution mit Ausstrahlung bekomme, denn dann werde auch Rommerskirchen genannt. "Wir haben immerhin 60 Vogelzüchter."

Der Geflügelhof sei auch ein Beitrag zur Information über die Tiere, denn manches müsste wieder neu erfahren werden. "Wir haben Schulgärten einrichten müssen, damit die Kinder wieder lernen, dass Tomaten nicht von Aldi kommen", meinte der Bürgermeister. Nach den Reden baten Rehkämper und die Leiterin des Kreiskulturzentrums Sinsteden, Dr. Kathrin Wappenschmidt, die Gäste zu einer Besichtigung der Baustelle. In spätestens einem halben Jahr werden dort die Hühner einziehen, die dann für Professor Rehkämper und seine Kollegen Forschungsobjekte sein werden. Und das Landwirtschaftsmuseum Sinsteden hat die lange geforderten Tiere.

(NGZ)
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