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Bauen im Rhein-Kreis Neuss: Preise für Bauland und Wohnimmobilien steigen

Häuser und Grundstücke im Rhein-Kreis Neuss : Preise für Bauland und Wohnimmobilien steigen weiter

Wenn Immobilien und Mietwohnungen in Großstädten kaum noch zu bezahlen sind, wandern die Menschen ins Umland ab. Auch deshalb ziehen die Preise für Grundstücke und Wohnraum im Rhein-Kreis Neuss weiter an.

Insgesamt rund 1,19 Milliarden Euro sind im Jahr 2020 auf dem Immobilienmarkt des Rhein-Kreises Neuss ohne die Stadt Neuss umgesetzt worden. Das entspricht einem Umsatzplus von elf Prozent und geht aus dem Grundstücksmarktbericht 2021 hervor, den der Gutachterausschuss für Grundstückswerte im Rhein-Kreis (ohne die Stadt Neuss) erarbeitet hat. „Der Aufwärtstrend bei den Preisen setzt sich auf breiter Front fort und unterstreicht die Attraktivität unseres Standorts. Er ist sogar stärker als im Vorjahr ausgefallen und auch eine Folge der Entwicklungen in den umliegenden Oberzentren“, erklärt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke.

Wenn Immobilien und Mietwohnungen in Großstädten kaum noch zu erhalten beziehungsweise zu bezahlen seien, wanderten die Menschen schließlich ins Umland ab. „Aber auch hier gibt es nur wenig Bauland. Die Wünsche nach Platz und Garten insbesondere für Familien sind groß“, erläutert Kreisbaudezernent Harald Vieten. Auch die Möglichkeit des spielt eine Rolle.

Diese Entwicklung wird auch in Neuss verzeichnet. Laut Preisspiegel der Neusser Immobilienbörse (NIB) – einem Zusammenschluss von Maklern und weiteren Immobilienexperten – steigen die Grundstückspreise auch dort weiterhin. Die Steigerung wird zwischen fünf und 15 Prozent liegen, erklärt NIB-Mitglied Karl-Josef Matheisen, „denn es gibt immer weniger freie Grundstücke“. Sehr gefragt sei das Einfamilienhaus auf dem Land mit – ungeachtet der Homeoffice-Regelungen – etwa 20 Kilometer Fahrweg bis zur Arbeitsstätte. „Unabhängig davon ist das Eigenheim mit schönem Garten weiterhin das Ziel vieler Familien für eine gute Altersvorsorge“, berichtet Michael Fielenbach, der Vorsitzende des Gutachterausschusses des Rhein-Kreises Neuss.

Er sieht die Gründe für die hohen Preissteigerungen durch das inzwischen massive Missverhältnis von Baulandangebot und -nachfrage bestimmt. Der Grundstücksmarktbericht 2021 für den Kreis betrachtet rückblickend das Kauf- und Verkaufsgeschehen anhand notariell beurkundeter Verträge. Insgesamt 3157 Fälle werteten die Experten aus.

Die für 2020 ermittelten durchschnittlich gezahlten Kaufpreise für Ein- und Zweifamilienhäuser in mittleren bis guten Lagen stellten sich im Vergleich zu 2019 je nach Gebäudeart und Baujahr differenziert dar. Eine Tendenz setzt sich allerdings weiter fort – die Preise steigen. So wurde etwa für ein freistehendes Einfamilienhaus mit einem 450 Quadratmeter großen Grundstück und einer Wohnfläche von rund 160 Quadratmetern im Kreis ein durchschnittlicher Kaufpreis von 510.000 Euro erzielt. Für Doppelhaushälften und Reihenhäuser lag der Durchschnittspreis bei 400.000 Euro. Je nach Lage und Kommune können die Preise höher liegen.

Auch die Preise für erschlossenes Bauland sind weiter erheblich gestiegen – so stark, dass der Gutachterausschuss die Bodenrichtwerte 2021 kreisweit um zehn bis 15 Prozent angehoben hat. Für erschlossenes Bauland liegen sie im kreisweiten Mittel bei rund 320 Euro je Quadratmeter. Bei einer durchschnittlichen Grundstücksgröße von 450 Quadratmeter kostet ein Bauplatz im Rhein-Kreis ohne die Stadt Neuss rein rechnerisch etwa 144. 000 Euro. Bei den Grundstücken für Gewerbenutzung ist die Entwicklung mit fünf Prozent vergleichbar, aber nicht so drastisch. In Neuss wird für das – rare – Bauland mit Quadratmeterpreisen zwischen 370 und 750 Euro für Wohnbebauung gerechnet.

Neue Eigentumswohnungen kosteten 2020 im kreisweiten Durchschnitt 4050 Euro pro Quadratmeter, wobei die Spanne von 3260 Euro in Grevenbroich bis 5400 Euro in Meerbusch reicht. Die Preissteigerung – zuvor bereits schon auf hohem Niveau – beträgt im Vergleich zum Vorjahr zehn Prozent. Beim Weiterverkauf von Wohnungen lagen die kreisweiten Durchschnittspreise zuletzt bei 2300 Euro pro Quadratmeter. Im Vergleich zum Vorjahr ergibt sich eine durchschnittliche Preissteigerung von elf Prozent, wobei die Preisentwicklung für Eigentumswohnungen weiter ansteigt.

Der Gutachterausschuss im Rhein-Kreis hat in diesem Jahr zum ersten Mal Immobilienrichtwerte für Ein- und Zweifamilienhäuser ermittelt und veröffentlicht. Diese Daten sind durchschnittliche Lagewerte für bebaute Grundstücke in einer jeweils definierten Zone und werden als Wert in Euro pro Quadratmeter Wohnfläche festgesetzt. Das Mittel der Immobilienrichtwerte liegt in Meerbusch bei 4407 Euro, in Kaarst bei 3280 Euro, in Korschenbroich bei 2925 Euro, in Grevenbroich bei 2263 Euro, in Dormagen bei 3042 Euro, in Jüchen bei 2454 Euro und in Rommerskirchen bei 2521 Euro. Dabei reicht die Preisspanne von 3260 Euro in Hochneukirch bis 7000 Euro im Villen-Viertel „Meerer Busch“ in Büderich.

Die Boden- und Immobilienrichtwerte sowie der Grundstücksmarktbericht können im Informationssystem der Gutachterausschüsse in NRW unter der Internet-Adresse www.boris.nrw.de abgerufen werden.

(NGZ)