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Rhein-Kreis Neuss: Azubis in der Lehre stützen

Rhein-Kreis Neuss : Azubis in der Lehre stützen

Am Bildungszentrum Niederrhein werden Jugendliche in eine Ausbildung vermittelt. Sie lernen im Betrieb und erhalten zusätzlichen Förderunterricht, um Defizite auszugleichen. Ein Schwachpunkt der Schüler ist Mathematik.

Eine Fünf in Mathe oder zu viele unentschuldigte Fehlstunden auf dem Zeugnis — und nach Bewerbungen landet im Briefkasten eine Absage nach der anderen. Wenn es auf dem ersten Ausbildungsmarkt nicht klappt, bietet eine außerbetriebliche Ausbildung gute Chancen, doch noch einen Beruf zu erlernen, der zu einem passt. Neben den integrativen Formen, bei denen der Anbieter eigene Werkstätten unterhält, gibt es auch die kooperative Form. Dabei wird in regulären Betrieben ausgebildet, aber mit Unterstützung einer Bildungseinrichtung. Das bietet zum Beispiel die Kreishandwerkerschaft Niederrhein an.

"Der Vorteil ist die große Bandbreite an Berufen, in denen ausgebildet werden kann", sagt Nicole Rottes, stellvertretende Leiterin des Bildungszentrums Niederrhein (BZNR) der Kreishandwerkerschaft. Außerdem sei die Chance der Jugendlichen größer, in den ersten Ausbildungsmarkt übernommen zu werden, da sie schon in einem Betrieb bekannt seien.

Zusätzlich zur Praxis im Betrieb und zur Theorie in der Berufsschule erhalten die Lehrlinge Förderunterricht sowie soziale Unterstützung beim BZNR. Sozialberater sind sowohl für die Jugendlichen als auch für die Betriebe Ansprechpartner bei Problemen. Viele der jungen Menschen hätten einfach "Pech gehabt" oder seien in der Schule "nicht richtig wach geworden", sagt Jens Wenglarz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft und BZNR-Leiter. "Doch sie haben alle eine zweite Chance verdient — und die bekommen sie auf diesem Weg." Dabei müssten sie allerdings eine kleine Einschränkung hinnehmen: Die Ausbildungsvergütung ist niedriger als auf dem ersten Ausbildungsmarkt. Damit sollen einerseits die Betriebe entschädigt werden, denen der Azubi während des zusätzlichen Förderunterrichts nicht zur Verfügung steht. Andererseits ist damit aber auch ein Anreiz für die Jugendlichen verbunden: "Wenn sie ihre Sache gut machen und übernommen werden, bekommen sie auch mehr Geld", sagt Wenglarz.

90 Plätze vom Maler über den Metallbauer bis zum Friseur stellt das BZNR im Auftrag der Agentur für Arbeit zur Verfügung. Doch da das Ziel die Übernahme der Lehrlinge in den ersten Ausbildungsmarkt ist, sind nicht alle Plätze durchgängig belegt: "Jeder Platz wird im Lauf der drei Ausbildungsjahre zwei- bis dreimal besetzt", erklärt Wenglarz. Der Förderunterricht beträgt mindestens drei Stunden pro Woche, wird aber den individuellen Bedürfnissen angepasst. Seit September arbeiten Dozenten und Sozialberater in neuen Räumen an der Oberstraße in Neuss. "Zuvor waren wir in den Räumen der Kreishandwerkschaft untergebracht", sagt Wenglarz. Dort sei es aber zu eng geworden — der Umzug war nötig, um die Jugendlichen weiter gut betreuen zu können.

(NGZ)