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Rhein-Kreis Neuss: Ausgesetzte Katzen überfordern Tierheime

Rhein-Kreis Neuss : Ausgesetzte Katzen überfordern Tierheime

Heute ist der "Internationale Tag der Katze". Zu feiern gibt es allerdings wenig, denn die Tierheime können fast keine Tiere mehr aufnehmen.

Vergangenen Montag war es wieder soweit: Die Klappe war besetzt. Irgendwer hatte am Bettikumer Tierheim seinen Vierbeiner hineingesetzt, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. "Auch die Feuerwehr setzt eingefangene Katzen dort hinein, aber immer mit einem Zettel, auf dem steht, wo sie gefunden wurde", sagt Stephanie Mack, Mitarbeitern des Neusser Tierheims.

17 Jung- (unter drei Monate) und 40 erwachsene Katzen leben zurzeit in Bettikum. Angestiegen sei die Zahl mit Beginn der Ferien nur leicht, sagt Mack. Jedoch seien die meisten der über sechs Monate alten Tiere weder kastriert noch registriert, obwohl das in Neuss mittlerweile bei den "Freigängern" Pflicht ist. "Da herrscht wirklich noch Aufklärungsbedarf", meint die Tierpflegerin.

Das sieht Ulrike Förster von der Neusser Katzennothilfe Kitty, die sich vehement für die Kastrationspflicht eingesetzt hatte, genauso. 614 Katzen hat sie in den vergangene Jahren bereits kastrieren lassen, nämlich jene, die immer zu den von ihr angelegten Futterstellen (insgesamt fünf im Stadtgebiet) kamen und offensichtlich heimatlos waren. 35 hat sie in diesem Jahr schon zum Tierarzt gebracht und hat nun eine weitere Sorge: die Unterbringung der Tiere nach der Operation.

"Man kann sie nicht direkt nach dem Eingriff wieder laufen lassen, erst nach zwei bis drei Tagen", sagt die Tierschützerin, die verzweifelt nach einem "Zimmer mit Wasseranschluss" zum Ausheilen sucht. Für Förster ist der Beginn der Ferienzeit immer eine "Horror-Zeit". "An den Futterstellen sehe ich, wie viele Katzen plötzlich nicht mehr erwünscht sind", sagt sie.

Im Oekovener Tierheim haben die Mitarbeiter den Ferienstart nicht so stark bemerkt. "Zum Glück", sagt die stellvertretende Leiterin Vera Hübinger. Denn mit knapp 140 Katzen ist das Heim so gut wie "ausgebucht". Doch aus Erfahrung weiß sie, dass nach den Ferien viele Tiere abgegeben oder ausgesetzt werden.

"Wenn die Kinder sechs Wochen frei haben, kommen einige Familien auf die Idee, sich ein Haustier zuzulegen, das dann, wenn der normale Alltag, wieder beginnt, schnell lästig wird, weil keiner mehr Zeit hat", sagt Hübinger. Der Grund, der oft angegeben werde, wenn ein Tier abgegeben wird, und den die Pfleger nur zu gut kennen, ist der, dass plötzlich eine Allergie aufgetreten sei.

Am Ende seiner Kapazität mit 66 Katzen ist auch das Dormagener Tierheim in Hackenbroich angekommen. "Wir haben sogar eine Warteliste für diejenigen, die ihr Tier abgeben wollen", sagt Tierpflegerin Birgit Laufs. Viele Tiere, so ihre Erfahrung, werden ausgesetzt, wenn sie tragend sind. "Daher wäre es wichtig, dass auch bei uns eine Kastrationspflicht für die Besitzer eingeführt wird", so ihre Meinung.

Die Katzen, die im Heim abgegeben werden und deren Besitzer nicht herauszufinden sind, werden nach zwei Wochen entwurmt, geimpft, kastriert und registriert. Dann wird versucht, sie zu vermitteln, was bei "Wohnungskatzen", sagt Stephanie Mack, einfacher sei als bei Freigängern. "Wer kommt und sagt, er suche ein nettes Geschenk, dem geben wir keine Katze", sagt Birgit Laufs. Da müssten schon andere Gründe an erster Stelle stehen.

(NGZ)