Musik-Facharbeiter mit größter Präzision: Auftakt zum 9. Inselfestival in Hombroich

Musik-Facharbeiter mit größter Präzision : Auftakt zum 9. Inselfestival in Hombroich

Ein umfangreiches Programm mit Musikern, die in ihrem Fachgebiet - der Neuen Musik - internationales Ansehen genießen, bietet das 9. Inselfestival Hombroich. Finanzstarke Sponsoren und Geldgeber der öffentlichen Hand ermöglichen dem Verein zur Förderung des Kunst- und Kulturraumes Hombroich, von Himmelfahrt bis Pfingsten ein Programm zusammenzustellen, das dem Publikum bei freiem Eintritt großenteils "unerhörte" Musik bietet, also Musik des späten 20. Jahrhunderts, ja sogar des 21., nämlich zum erheblichen Teil als Uraufführungen.

Namen wie die "musikFabrik NRW", das Freiburger "ensemble recherche", Solisten des Pariser "ensemble intercontemporain" und der Pianist Pierre-Laurent Aimard geben sich die Klinke der Veranstaltungshalle auf der Raketenstation und der Scheune auf der Museumsinsel in die Hand. Bis Pfingstmontag sind an manchen Tagen mehrere Konzerte, öffentliche Proben und Lesungen zu hören.

Im ersten Abendkonzert spielte am Himmelfahrtstag die in Düsseldorf ansässige "musikFabrik". Der Name ist Programm: man will "exemplarische Interpretationen zeitgenössischer Musik" liefern, wie das Programmheft selbstbewusst Auskunft gibt. Und die hoch spezialisierten Musik-Facharbeiter schaffen es wirklich, mit größter Präzision und höchster Effektivität neuen Partituren zum Klingen zu verhelfen.

Von dem auf der Raketenstation lebenden Komponisten Christoph Staude hörte man zuerst als Uraufführung "Ortung", ein Stück für zehn Instrumente, die die verschiedenen Gruppen des klassischen Orchesters im Kleinen repräsentierten. Staude schuf damit ein sehr farbiges Klangbild, das nicht mit Dramatik und krachenden Effekten geizte, diese aber in einen ökonomischen Gesamtverlauf einbettete.

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War dies eine Musik zu einer imaginären Filmszene? Michael Reudenbach reihte dagegen musikalische Einzelmomente "Stück für Stück" (so sein Titel) aneinander. Das vereinzelte Ereignis, der geradezu einsame Zeitmoment stand im Zentrum seiner ebenfalls uraufgeführten Komposition. Spannend waren die Sekunden, wenn die Hände des Dirigenten lautlos in der Höhe verharrten, bevor die - trotz blechbetonter Besetzung - meist zarten Ereignisse fortschritten.

Nur das Vergehen der Zeit setzte die Teile in Beziehung zueinander. Thomas Bruttgers "breaks, windows" hatte ebenfalls Felder des Stillstandes, aber auch Momente des Ausbruchs, ja gar Zeiten des melodischen Fortschreitens. Der Kontrabass, oft gar zweistimmig-brummend gespielt, hatte dabei in der siebenköpfigen Ensemble-Besetzung sozusagen die Rolle des "Roten Fadens" inne.

Die drei Stücke verbanden sich zu einer konzentrierten Stunde, dem das Publikum im heißen Veranstaltungsraum mit höchster Aufmerksamkeit folgte. Dies war nicht zuletzt das Verdienst des in Litauen geborenen Dirigenten Vykintas Bieliauskas, der, da er selbst auch kompositorisch tätig ist, klare Einblicke in die Partituren hatte und diese sowohl den Musikern als auch den Zuhörern vermitteln konnte. Norbert Laufer

(NGZ)
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