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Rhein-Kreis Neuss: Auch Hightech-Bauern feiern Erntedank

Rhein-Kreis Neuss : Auch Hightech-Bauern feiern Erntedank

Die Landwirtschaft nimmt auch in der Stadt breiten Raum. Die Ernte läuft noch über Wochen, doch Erntedank wird schon jetzt gefeiert.

Im Gebet "Vater unser" bitten die Christen: "...unser tägliches Brot gib' uns heute". Dabei ist in den reichen Industrienationen des Westens Nahrung (fast) eine Selbstverständlichkeit und Hunger für viele ein Fremdwort. Ist daher das Erntedank-Fest, das schon an diesem Wochenende in einigen Kirchen gefeiert wird, nur noch Folklore? Stimmt der Termin?

"Die Kartoffeln sind jetzt vom Acker, die Maisernte läuft, dann kommen die Zuckerrüben, deren Ernte sich bis in das nächste Jahr hinein zieht", sagt Kreislandwirt Wolfgang Wappenschmidt. Die Bauern stecken also noch mitten in der Ernte, trotzdem ist Erntedank für sie ein wichtiges Fest. "Erntedank ist für uns eine Zeit zum Innehalten."

Sichere Erträge, gesunde und preiswerte Nahrungsmittel sind nach wie vor nicht für alle Menschen selbstverständlich. Weltweit leiden eine Milliarde Menschen an Hunger und Unterernährung. Erntedank erinnert deshalb auch an die gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Verteilung der Güter dieser Erde. "Die heimischen Landwirte werden auch künftig vor allem Nahrungsmittel produzieren und dafür sorgen, dass sich die Menschen mit gesunden Produkten aus der Region versorgen können", betont Wappenschmidt. Dadurch schafften die Landwirte Arbeitsplätze in den ländlichen und stadtnahen Gebieten, sichern Wertschöpfung sowie Wohlstand weit über die eigentliche Landwirtschaft hinaus. "Nimmt man das Erntedankfest wörtlich, sollte man sich bei Gott für die Ernte bedanken. Die Kreisbauernschaft des Rhein-Kreises macht das jedes Jahr mit einem Empfang", so Wappenschmidt. Diesmal soll für die Kartoffel, deren Ernte in diesem Jahr wegen des Wetters schlechter ausgefallen ist als üblich, geworben werden. Dazu hat die Kreisbauernschaft neben der Kartoffelkönigin Stefanie Külkens Experten eingeladen.

Erntedank als landwirtschaftlicher Gedenktag ist vom Ursprung her kein zwar kein liturgisches Fest, dennoch wird es mit Gottesdiensten zelebriert, zu dem auch die Früchte des Feldes in die Kirche gebracht werden. "Dass die Früchte wachsen, die die Landwirte anbauen, ist ein Geschenk Gottes und kommt nicht aus dem Können der Menschen heraus", erklärt Wilfried Korfmacher. Der Pastor an St. Marien in Neuss fasst den Begriff auch weiter: "Wir danken auch für unsere Arbeitskraft, die uns ebenfalls unser tägliches Brot sichert."

Ortslandwirt Oliver Hilden weiß: Die Landwirte haben auch allen Grund, dankbar zu sein. "Vor wenigen Wochen haben wir die Getreideernte mit guten bis sehr guten Erträgen abgeschlossen – und auch die Feldgemüseernte war reichlich", sagt er. "Dabei müssen wir überlegen, woran es liegt. Natürlich hat jeder Landwirt kleine Stellschräubchen, an denen er drehen kann, um die Ernte zu beeinflussen. Aber an dem großen Rad dreht eine höhere Macht – denn nur, wenn das Wetter mitspielt, können wir viel ernten." Augenscheinlich hätten jedoch Kartoffeln und Zuckerrüben unter dem trockenen Sommer gelitten.

(NGZ)