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AOK-Gesundheitsreport: Rhein-Kreis beim Thema Vorsorge nur Mittelmaß

AOK Gesundheitsreport 2021 : Rhein-Kreis Neuss bei Vorsorge nur Mittelmaß

Der AOK-Gesundheitsreport betont die Notwendigkeit, für Früherkennung zu werben. Im Rheinland-Vergleich liegt der Rhein-Kreis Neuss nur im Mittelfeld.

Die AOK scheut sich nicht, „den Menschen hinterherzulaufen“, wie es Regionaldirektorin Marion Schröder ausdrückt. Das hat beim Thema Corona-Impfung gut geklappt, wie die Zahl von über 1300 Geimpften zeigt, die schon ohne Termin in der AOK-Geschäftsstelle an der Oberstraße verarztet wurden. Auf einen ähnlichen Mobilisierungserfolg hofft Schröder beim Thema Vorsorge und Früherkennung. Denn da liegt der Rhein-Kreis im Rheinland-Vergleich nur im Mittelfeld, wie dem Gesundheitsreport 2021 der AOK Rheinland/Hamburg zu entnehmen ist.

Mit den Erkenntnissen aus dem Report, für den ein Team um Volquart Stoy die Patientendaten von drei Millionen AOK-Versicherten ausgewertet hat, hat Schröder schon den Landrat und die Bürgermeisterkonferenz konfrontiert. Denn die repräsentative Auswertung (jeder Dritte im Rhein-Kreis ist bei der AOK versichert) zeigt Optimierungspotenzial auf kommunaler Ebene. Ein Beispiel: Kreisweit nahmen 68,4 Prozent der Frauen zwischen 35 und 64 Jahren und 59,1 Prozent der Männer in den Jahren 2017 bis 2019 die Gelegenheit für einen medizinischen Check-Up wahr, bei dem auch Gesundheitsrisiken in den Blick genommen werden. Das lag über dem Mittelwert von 66,6 beziehungsweise 57,4 Prozent im Bereich der AOK Rheinland-Hamburg.

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Doch daran haben die Kreiskommunen unterschiedlich Anteil. Neuss mit 74 Prozent der Frauen beziehungsweise 64,8 Prozent der Männer ist im Kreisvergleich Spitze, gefolgt von Kaarst (70,4 und 63,1 Prozent). Schlusslicht allerdings sind Jüchen (60,5 und 51 Prozent) und vor allem Dormagen (57,8 und 47,8 Prozent). „Die Unterschieden werfen Fragen auf“, sagt Schröder.

Wie wichtig ein rechtzeitiger Check-Up sein kann, machte Stoy an den Beispielen Diabetes beziehungsweise schweres Nierenversagen deutlich. Bei 3,6 beziehungsweise 9,8 Prozent der untersuchten Fälle im Rhein-Kreis wurden schon mit der Erstdiagnose schwere Folgeschäden festgestellt, die manchen Patienten gleich an die Dialyse brachte. „Die sind zu spät gekommen“, sagt Stoy.

Die Daten der Check-Up-Untersuchungen stammen noch aus dem Jahr 2019. Durch Corona, zieht Stoy einen Vergleich, brachen diese Zahlen 2020 ein – und wurden auch nicht mehr aufgeholt. Im Gegensatz zu den Zahlen bei der Krebsfrüherkennung. Die lagen Ende 2020 im langfristigen Mittel und über dem Durchschnitt der AOK Rheinland/Hamburg. Richtig gut waren sie aber nicht. Denn nur 45,9 Prozent der Frauen und sogar nur 18,1 Prozent der Männer nutzten die Möglichkeit eines verdachtsunabhängigen Screenings. Vor allem Männer, klagt Schröder“, „sind Vorsorgemuffel“ – und auch das mit kommunalen Unterschieden: Rommerskirchen liegt im Kreisvergleich bei den Frauen mit 48,4 Prozent vorn, Dormagen mit 43,9 am Schluss. Und bei den Männern steht Neuss mit 21 Prozent oben und Jüchen mit 13,4 ganz am Schluss. „Dabei muss man nur einen Termin machen“, sagt Schröder.