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"Tag der seelischen Gesundheit": Angst - wenn einem alles über den Kopf wächst

"Tag der seelischen Gesundheit" : Angst - wenn einem alles über den Kopf wächst

"Den Kindern ist etwas zugestoßen. Der Partner ist schwer krank. Das Geld reicht nicht mehr für die nächste Miete." - Plötzlich auftretende Ängste und Sorgen kennt jeder ebenso wie das Gefühl, dass einem alles über den Kopf wächst. Wenn sich Ängste und Befürchtungen aber über einen langen Zeitraum erstrecken, in Alltagssituationen auftauchen und nicht mehr kontrollierbar sind, spricht man von einer Angsterkrankung.

"Wege aus der Angst" - so lautet dann auch das Thema der Veranstaltungsserie "Ex Neuron", zu der der Berufsverband Deutscher Nervenärzte (BVDN) für den 27. Oktober, 15 Uhr, in den Düsseldorfer Malkasten, Jacobisstraße 6a, einlädt. Der in Neuss beheimatete Landesverband Nordrhein ist nunmehr das vierte Mal Gastgeber der Patienten-Informationsveranstaltung anlässlich des weltweiten "Tages der seelischen Gesundheit".

Während im Vorjahr das Thema Alzheimer im Mittelpunkt stand, dreht sich dieses Mal alles um das große Thema Angst. "Auslöser für die Themenwahl waren die schrecklichen Terroranschläge am 11. September", erklärt der BVDN-Landesvorsitzender Dr. Arne Brosig gegenüber der NGZ. Wie weit verbreitet diese Beschwerden sind, macht der Grevenbroicher Neurologe und Psychiater an der Zahl der Angst-Patienten fest: "Fast zwei Millionen Bundesbürger leiden an einer ernst zu nehmenden, aber erfolgreich behandelbaren Angsterkrankung."

Der Beginn der Erkrankung liegt oftmals in einer konkreten Belastungssituation, viele Betroffenen halten deshalb ihr Leiden für etwas ganz Normales und suchen erst nach vielen Monaten oder Jahren auf Grund körperlicher Symptome einen Facharzt auf. "Dieser Umstand erschwert die Diagnose, da die Betroffenen ihren Focus auf die körperlichen Beschwerden richten, statt den eigentlichen Kern der Krankheit anzugehen", skizziert Brosig den vielfach verhängnisvollen Verlauf. Die Informationsveranstaltung für Betroffene, Angehörige, Therapeuten und interessierte Laien soll daher - eingebettet in ein Kulturangebot - Aufschluss über Entstehung, Verlauf und erfolgreiche Behandlung der Angsterkrankung geben.

Professor Manfred Spitzer, Ärztlicher Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Ulm wird in seinem Vortrag "Neurobiologie der Emotion" darstellen, wie im Gehirn Gefühle verarbeitet und programmiert werden. Als Beispiel führt der Landesverbandsvorsitzende Dr. Brosig die Schreckensbilder vom 11. September an, wie die Flugzeuge das World Trade Center durchbohrten und die 1000-fach gesendet wurden: "Diese Bilder haben sich ins Gehirn eingebrannt wie auf einer Festplatte im Computer, Bilder, die Angst und Alpträume bei vielen hervorrufen."

Mit "Goethes Angstbewältigung" und effektiven Verhaltenstherapien setzt sich der Psychologe Wolfgang Strauss, Leiter der Angstambulanz der Rheinischen Landesklinik Düsseldorf, auseinander, während Professor Gottfried Fischer (Institutschef an der Universität Köln) zum Thema "Neue Wege aus dem Trauma - Möglichkeiten des Selbsthilfe bei schweren seelischen Belastungen" referiert.

Neben Diskussionsrunden mit den Teilnehmern werden auch zwei Künstler von der Raketenstation das dreistündige Programm im Düsseldorfer Malkasten abrunden: Während die Malerin Ute Langanky großformatige Werke zum Thema "Angst" präsentiert, trägt Thomas Kling mit seiner Dichterlesung mit dem Titel "Hirnbotenstoffe" ebenfalls zum Themenschwerpunkt bei. Ruth Wiedner

(NGZ)