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Rhein-Kreis Neuss: Alleinerziehende finden zurück ins Berufsleben

Rhein-Kreis Neuss : Alleinerziehende finden zurück ins Berufsleben

Für Frauen, die nach längerer Familienphase Probleme haben, wieder ins Berufsleben einzusteigen, bietet das Jobcenter im Rhein-Kreis spezielle Projekte an – die NGZ hat sich eins davon genauer angeschaut.

Für Frauen, die nach längerer Familienphase Probleme haben, wieder ins Berufsleben einzusteigen, bietet das Jobcenter im Rhein-Kreis spezielle Projekte an — die NGZ hat sich eins davon genauer angeschaut.

Der Mittagstisch für Senioren im Bürgerhaus Erfttal ist beliebt: Das Essen ist günstig, viele Senioren aus dem Neusser Stadtteil kommen regelmäßig vorbei. Bewirtet werden die Besucher ausschließlich von Frauen — denn für die fünf Mitarbeiterinnen sind die Jobs in Küche und Service eine Chance, wieder in den regulären Arbeitsmarkt zu finden — ihre Stellen werden vom Jobcenter des Rhein-Kreises bezuschusst.

"Ich versuche schon länger, eine Stelle als Hauswirtschafterin zu finden", erzählt Nathalia Foerster. Die 27-Jährige war während ihrer Ausbildung schwanger geworden. "Zwar habe ich den Abschluss noch gemacht, doch danach war ich erst einmal raus", erzählt die junge Frau. Mit dieser Erfahrung ist sie nicht allein: Alle Projektteilnehmerinnen im Bürgerhaus Erfttal sind alleinerziehend, haben Schwierigkeiten, Arbeit zu finden, berichten von den vielen erfolglosen Bewerbungen und dem Frust, wenn die Mühe umsonst war. "Ich hoffe einfach auf eine Chance", sagt Heike Ledwon. Die 43-jährige Fachverkäuferin kann auf eine lange Berufserfahrung zurückblicken, 16 Jahre war sie bei dem Automobilzulieferer Pierburg beschäftigt. Dann kamen die Kinder, Ledwon — damals noch verheiratet — wurde Hausfrau. "Ein Fehler", sagt sie rückblickend. Denn nach der Trennung fiel es ihr als Alleinerziehende schwer, wieder Fuß zu fassen im Beruf — sie ist froh, dass sie im vom Sozialdienst Katholischer Männer geführten Bürgerhaus wieder eine Aufgabe hat und hofft, dass sich die Beschäftigung bei Bewerbungen positiv auswirkt.

Darauf setzt auch das Jobcenter: "Gerade bei Alleinerziehenden versuchen wir, individuell zu fördern", sagt Jobcenter-Sprecher Christoph Janßen. Maßnahmen wie im Neusser Bürgerhaus gibt es auch in den Städten Dormagen und Grevenbroich. "Mindestens 120 Teilnahmeplätze bieten wir pro Jahr an", sagt Janßen. Bei den Maßnahmen, sogenannten "Arbeitsgelegenheiten", sollen die Frauen nicht nur auf den Wiedereinstieg ins Erwerbsleben vorbereitet werden. Sie erhalten zudem Unterstützung bei der Bewerbung und der Suche nach einer Betreuungsmöglichkeit für die Kinder. "Denn mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf müssen sich Mütter in besonderem Maße auseinandersetzen", sagt Janßen, der auf weitere Qualifizierungsmaßnahmen verweist, etwa auf Weiterbildungsangebote und ein mit EU-Mitteln gefördertes Projekt, das Müttern und Vätern ohne Berufsausbildung dabei hilft, einen Ausbildungsplatz in Teilzeit zu finden. Zudem gibt es seit fünf Jahren im Jobcenter das Projekt "Step", das sich mit Beratungen gezielt an Alleinerziehende wendet — 350 Beratungen zählen die Mitarbeiter dort pro Jahr.

Das Ziel aller Maßnahmen ist immer gleich: Den Arbeitslosen den Sprung auf den sogenannten Ersten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. "Für die Frauen, die das schaffen, ist das immer ein Riesen-Erfolgserlebnis", sagt Christa Ripkens vom Leitungsteam des Bürgerhauses Erfttal. Dieses Hochgefühl wünscht sie auch ihren Mitarbeiterinnen aus dem Küchenservice. "Denn nichts ist erfüllender, als eine Arbeit und eine Aufgabe zu haben", sagt sie.

(NGZ/ac)