1. NRW
  2. Städte
  3. Rhein-Kreis

Rhein-Kreis Neuss: Ärzte sollen Gewalt gegen Frauen erkennen

Rhein-Kreis Neuss : Ärzte sollen Gewalt gegen Frauen erkennen

Die Frauenberatungsstelle des Rhein-Kreises wurde als eine von fünf Stellen landesweit ausgewählt, am einjährigen Modellprojekt "Gewinn Gesundheit" teilzunehmen. Es geht um Gewalt an Frauen.

Oft sind Ärzte die ersten Ansprechpartner für Frauen, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Das heißt nicht, dass sie dort offen aussprechen, was ihnen passiert ist. Meist reden sie über andere Symptome, die allerdings auf das Erlebte hinweisen. Ärzte für das Thema "Häusliche Gewalt" zu sensibilisieren, ist eine der Hauptaufgaben des landesweiten Projekts "Gewinn Gesundheit – Medizinische Intervention gegen Gewalt an Frauen". Dabei gehört der Rhein-Kreis mit der Frauenberatungsstelle zu den fünf Regionen, die ausgewählt wurden, an einer einjährigen Testphase teilzunehmen.

"Ziel ist es, im Rhein-Kreis ein Netzwerk von Fachpersonal aus dem Gesundheitswesen aufzubauen", erklärt Ursula Habrich von der Beratungsstelle. Dazu werden nun erst einmal 500 Ärzte kreisweit angeschrieben. In einem Begleitschreiben des "Kompetenzzentrums Frauen & Gesundheit NRW", das das Projekt wissenschaftlich betreut, wird den Medizinern der Plan erklärt, mit einem Antwortschreiben können sie der Frauenberatungsstelle mitteilen, ob sie mitarbeiten möchten.

"Wenn wir 20 Praxen im Rhein-Kreis zur Mitarbeit gewinnen können, sind wir zufrieden", sagt Janne Gronen. Wer erst ein persönliches Gespräch wünscht, bevor er sich entscheidet, den besuchen die Mitarbeiter der Beratungsstelle. Wer schließlich dabei ist, wird "gewaltsensibel fortgebildet". "Das Kreisgesundheitsamt wird diese Fortbildungen auch zertifizieren", nennt Habrich gerade für Allgemeinmediziner einen weiteren Grund beim neuen Netzwerk mitzumachen. Auch soll so die Vermittlung zur Beratungsstelle schneller funktionieren. "Wir wissen von einigen Frauen, die zu uns kommen, dass ihr Arzt uns empfohlen hat. Da fällt vielen der Weg leichter, sich bei uns zu melden", sagt Ursula Habrich.

Jede der fünf ausgewählten Einrichtungen, die am Modellprojekt teilnehmen, erhält bis zu 15 000 Euro vom Land. Bedingung ist jedoch, dass von dem Betrag, der für Personal, Materialien, Fortbildungen und Öffentlichkeitsarbeit ausgegeben werden kann, letztlich 20 Prozent selbst übernommen werden, maximal also 3000 Euro. Neben dem Rhein-Kreis sind der Rheinisch-Bergische Kreis, der Kreis Siegen-Wittgenstein sowie die beiden Städte Wuppertal und Bielefeld an dem Projekt, das zunächst ein Jahr dauern wird, beteiligt.

"Wir hoffen, dass wir danach das Netzwerk so aufgebaut haben, dass wir es ohne fremde finanzielle Unterstützung weiterführen können", sagt Janne Gronen, für die es vor allem auch wichtig ist, dass aus jeder Stadt und Gemeinde des Rhein-Kreises Ärzte vertreten sind. Und Ursula Habrich fügt hinzu: "Ärzte nehmen eine Schlüsselposition ein, denn sie sind die Berufsgruppe, mit der früher oder später alle Gewaltopfer Kontakt haben."

(NGZ)