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Interview: „2013 wird schwierig“

Interview : „2013 wird schwierig“

Unsere Redaktion sprach mit Axel Fuhrmann, dem Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.

Herr Fuhrmann, Minister Duin hat bei seinem Festvortrag in der Handwerkskammer gesagt, es dürfe kein junger Mensch mehr verloren gehen. Was können die Handwerksbetriebe dazu beitragen?

Fuhrmann Minister Duin hat dem Handwerk für sein überproportionales Ausbildungsengagement gedankt und betont, das Handwerk gebe Fachkräfte sogar noch an andere Wirtschaftsbereiche ab. Die Betriebe können also in erster Linie an ihrer hohen Bereitschaft, Lehrstellen anzubieten, festhalten. Wichtig ist auch, dass wir die Landesregierung nicht aus der Pflicht lassen, Technikunterricht und Berufsorientierung in den Curricula aller Schularten zu stärken.

Der Minister brachte auch die Idee auf, Azubis sollten Berufsberatung machen. Wie bewerten Sie diese Idee?

Fuhrmann Sie ist absolut richtig. Das tun wir beispielsweise beim "Tag des Handwerks", bei Offene-Tür-Veranstaltungen in unseren Bildungszentren, und auch zu den Meister-Tagen an Schulen nehmen wir immer Lehrlinge mit. Nichts überzeugt mehr, als wenn Gleichaltrige sich austauschen.

Wird die Entwicklung zu immer mehr Abiturienten künftig die Chancen derjenigen drücken, die ohnehin weniger Aussichten auf dem Ausbildungsmarkt haben?

Fuhrmann Es gibt eine schwierige Gruppe, das sind die Schüler mit Abschluss nach Klasse neun. Die haben aber auch schon vor 30 Jahren keine Ausbildung gemacht, sondern sind eher als Arbeiter in einen Betrieb gegangen. Wenn sie heute ein intelligentes Haus planen, dann braucht der, der die Installation vornimmt, die entsprechende Qualifikation. Aber Absolventen mit Fachoberschulreife haben alle Chancen. Viele sind erst 16 und noch formbar, und sie kommen mit der anfangs geringen Ausbildungsvergütung klar, weil sie noch bei den Eltern wohnen und kein Auto haben.

Andererseits haben Sie auch immer betont, dass Sie gerne mehr Abiturienten als Auszubildende hätten ... warum sollten diese sich für eine Lehre entscheiden?

Fuhrmann Viele meinen, mit Abitur müsse man unbedingt studieren, wir sind ja regelrecht Akademiker-besoffen. Auch die Gymnasiallehrer sehen ihre Schüler oftmals nur als künftige Oxford-Studenten, das geht aber an der Realität völlig vorbei. Und anstatt nach dem Abitur ein Jahr orientierungslos durch Australien zu touren, kann auch eine Lehre ein guter erster Ansatz sein. Das erdet unheimlich, und es hilft bei der Orientierung.

Bleiben diese Lehrlinge anschließend im Beruf, oder gehen sie studieren?

Fuhrmann Kein Abiturient wird auf Dauer als Geselle in einem Betrieb bleiben. Einige werden den Meister machen, andere ein Ingenieursstudium beginnen und später als Unternehmer durchstarten. In jedem Fall wird aber jeder, der eine handwerkliche Lehre gemacht hat, ein toller Multiplikator sein.

2011 war für das Handwerk ein goldenes Jahr. Wie wird die Bilanz für 2012 aussehen?

Fuhrmann Wir hatten fast drei Jahre eine sehr gute Phase, und noch sind die Auftragsbücher voll. Beim Handwerk machen sich die konjunkturellen Entwicklungen traditionell etwas später bemerkbar. Aber auch die Psychologie spielt da eine wichtige Rolle, es gibt sicherlich auch bei uns bereits eine Art gefühlte Krise. Und 2013 wird mit Sicherheit ein schwieriges Jahr.

Trifft die Krise alle Betriebe gleich?

Fuhrmann Nein, es gibt auch Handwerker, die eher profitieren. Viele Menschen investieren bei den niedrigen Zinsen in Um- und Ausbauten. das ist spannend für Betriebe, die sich beispielsweise mit Gebäudesanierung befassen.

Düsseldorf erwartet für 2012 geringere Gewerbesteuereinnahmen als gedacht. Welchen Einfluss hat die Situation auf das Handwerk?

Fuhrmann Geht es der Kommune schlecht, dann geht es dem Handwerk schlecht. Die Kommunen sind traditionell wichtige Auftraggeber des Handwerks. Eine Schule zu sanieren, das ist kein Auftrag für einen Großkonzern, das macht der Handwerksbetrieb am Ort. Im Moment sieht man das in anderen Städten sehr deutlich, beispielsweise im Bergischen Land. Dort ist kaum noch Geld für solche Arbeiten da, was den Betrieben weh tut. In Düsseldorf ist die Situation ja immer noch vergleichsweise gut.

Hat die Stadt Düsseldorf zu spät auf die veränderte Lage reagiert?

Fuhrmann Als der Stadtspitze klar wurde, dass es so nicht weitergeht, hat sie zunächst nicht ganz glücklich versucht gegenzusteuern. Nach außen hin wurde lange signalisiert: Es gibt keine großen Probleme. Das hätte man sicherlich beherzter angehen können.

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