Zivilcourage führte in Remscheid ins Krankenhaus

Bernd F. wollte einen Ladendieb stellen : Zivilcourage endet im Krankenhaus

Bernd F. wollte einen Ladendieb stellen und wurde dabei schwer verletzt. Von der Polizei ist er enttäuscht.

Der 19. September markiert einen Wendepunkt im Leben von Bernd F. Der 54-jährige Remscheider erlitt beim Versuch, einen Ladendieb in Kremenholl zu stoppen, einen komplizierten Armbruch. Seither kann der Berufskraftfahrer mit Zivilcourage seinem Job nicht mehr nachgehen. Von der Polizei fühlt er sich alleingelassen. „Ich möchte niemanden anklagen oder an den Pranger stellen. Aber ich bin einfach enttäuscht“, sagt er mit Blick auf die Herangehensweise der Beamten. Etwa sieben Wochen nach der Tat kam es erst zu einer Vernehmung. Um sein Schicksal habe sich niemand gekümmert.

Am 19. September war er mit seiner Ehefrau in den frühen Abendstunden in einem Kremenholler Discounter unterwegs. „Dort habe ich beobachtet, wie ein Mann eine Kundin anrempelte. Danach schnappte er sich Schnapsflaschen und flüchtete“, berichtet der 54-Jährige, der einem spontanen Impuls folgte – und die Verfolgung aufnahm. Auf dem Parkplatz habe ein Komplize, der vorher nicht zu sehen gewesen sei, auf den Täter gewartet. „Er hat mich von hinten geschubst und ich bin mit voller Wucht auf den Boden gestürzt“, schildert Bernd F. das Tatgeschehen aus seiner persönlichen Erinnerung.

Eine Ärztin, die zufällig in der Nähe war, habe sich um die Erstversorgung der klaffenden Wunde gekümmert. Im Sana-Klinikum stellte sich heraus, dass er sich einen dreifachen offenen Bruch zugezogen hatte. „In meinem linken Arm habe ich nun 18 Schrauben und drei Platten“, berichtet Bernd F., der sechs Tage stationär behandelt wurde – und sich wunderte: „Denn die Polizei meldete sich nicht bei mir.“ Seine Frau rief schließlich an. „Wir sollten uns doch noch etwas in Geduld üben. 70 bis 80 Fälle liegen auf dem Schreibtisch“, zitiert sie die Aussage, die sie erstaunt habe.

Für den 4. Oktober wurde zunächst ein Termin vereinbart, den die Polizei aber verschieben musste – „aus ermittlungstaktischen Gründen, die zur Identifizierung der beiden Täter führen sollten“, wie es Polizeisprecher Alexander Kresta formuliert. Dass Bernd F. erst am 7. November seine Aussage machen konnte, habe an einer Verkettung unglücklicher Umstände gelegen. „Erst war die zuständige Kollegin in Urlaub, dann war sie eine Woche krank“, erklärt der Polizeisprecher, der bedauert, dass das Ganze „ungünstig“ verlaufen sei. „Hätten wir den ursprünglichen Termin Anfang Oktober wahrnehmen können, hätten wir früher die Tragweite der Verletzungen erkannt. Das konnten wir anhand der Anzeige nicht erkennen“, erklärt der Sprecher der Wuppertaler Polizei, die auch für Remscheid und Solingen zuständig ist. Kresta sagt Bernd F. „jede Hilfe zu, die wir leisten können – unter anderem von den Mitarbeitern des Fachdienstes Opferschutz“.

Die Zivilcourage, die der Remscheider gezeigt habe, sei löblich. „Denn er hat eben nicht weggeschaut, sondern gehandelt“, sagt Kresta. Zeugen von Straftaten müssten in Sekundenschnelle entscheiden und die eigene Gefahrensituation abschätzen. „Und dass ihm bei einem Sturz eine so schwere Verletzung widerfährt, konnte er nicht ahnen.“

Bernd F. kämpft derweil darum, dass sein linker Arm und seine linke Hand wieder beweglich werden. „Dreimal in der Woche muss ich zur Physiotherapie“, berichtet er. Schmerzfrei sei er längst noch nicht, wobei er ausdrücklich das Team des Sana-Klinikums lobt. Es habe ihn vorbildlich behandelt. Und auch Manfred Guth vom Weissen Ring Remscheid, der sich um Opfer von Straftaten kümmert, nehme großen Anteil und stehe ihm mit Rat und Tat zur Seite.

Dass er derzeit dazu verdammt ist, seiner Tätigkeit nicht nachgehen zu können, sei für ihn sehr schwer, sagt Bernd F. „Denn ich liebe meinen Beruf.“ Er sei Kraftfahrer mit Leib und Seele.“