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Zahnarzt aus Remscheid:Corona-Schutz aus dem 3D-Drucker

Zahnarzt aus Remscheid : Corona-Schutz aus dem 3D-Drucker

In der aktuellen Krise werden Mediziner wie der Lüttringhausener Zahnarzt Dr. Peter Blattner kreativ, um Team und Patienten in der Corona-Krise zu schützen.

„Einmal den Mund bitte ganz weit aufmachen“ – diesen Satz hört man beim Zahnarzt häufig. Doch vielen der Dentalmediziner dürfte dieser Satz in den letzten Wochen wohl nicht ganz so einfach gefallen sein. Denn bei der normalen Arbeitsroutine am Patienten sind sie und ihr Team einer möglichen Ansteckung mit dem Coronavirus im besonderen Maße ausgesetzt.

Da die Zahnmedizin zu den systemrelevanten Berufen zählt, sind viele Ärzte besonders kreativ geworden, um sich, die Mitarbeiter und auch die Patienten zu schützen. Einer von ihnen ist Dr. Peter Blattner aus Lüttringhausen. Der Betrieb der Praxis an der Gertenbachstraße läuft zwar etwas verändert ab, aber dennoch recht normal. „Die Patienten wissen zu schätzen, dass wir da sind“, sagt Blattner.

Die Abteilung Kieferorthopädie laufe fast unverändert, da es sich dabei fast ausschließlich um Kinder und Jugendliche handele, die nach derzeitigen Erkenntnissen über Covid-19 nicht zur Risikogruppe zählen. Zum Schutzkonzept gehört neben einem vermehrten Einsatz von Desinfektionsmittel auch die reduzierte Anzahl der Patienten. So wartet immer nur ein Patient im Wartezimmer.

Im Bereich der Zahnmedizin hat die Praxis noch weitere Veränderungen vorgenommen. So werden derzeit keine Prophylaxe-Termine durchgeführt. Behandelt werden aktuell nur Schmerzpatienten. Menschen, die zur Risikogruppe zählen, werden nach Möglichkeit als erstes am frühen Morgen behandelt, um sie so keiner zusätzlichen Gefahr auszusetzen.

Handschuhe sowie ein gängiger Mund-Nasen-Schutz, die sogenannten OP-Masken, zählen ohnehin zu der Schutzausrüstung des medizinischen Personals bei der Behandlung. Normalerweise reicht das auch aus. Doch in der Corona-Krise wollte Peter Blattner einen zusätzlichen Schutz für sein Team. In Foren für Zahnärzte stieß er auf eine Vorlage für ein Spuckschutzvisier aus dem 3D-Drucker.

Praktisch, dass es im eigenen Schulungszentrum „Fundamental“ ein paar Häuser weiter 3D-Drucker gibt. Dort werden die Halterungen für die Folie gedruckt. Sie entstehen in unterschiedlichen Größen. Durch das Zusammensetzen der Einzelteile und einem Band zur Befestigung am Hinterkopf entsteht ein wiederverwendbares Visier, unter dem auch noch ausreichend Platz für den Mund-Nasen-Schutz sowie eine Brille bleibt. „Das Team fühlt sich damit wohler“, erklärt Blattner.

Problematisch sei, dass es vom Berufsverband nur Empfehlungen gebe, aber keine klaren Richtlinien zum Schutz, die jede Praxis einbinden sollte, kritisiert er. Deshalb seien viele Kollegen auf der Suche nach Lösungen, um den Praxisbetrieb aufrechtzuhalten. Seit Anfang April laufen die 3D-Drucker im Schulungszentrum deshalb auf Hochtouren. Denn Zahnarztkollegen haben bei Blattner für die eigene Praxis angefragt.

Angst vor einer Ansteckungsgefahr aus Spraynebel oder Aerosole braucht in der Lüttringhauser Praxis übrigens niemand zu haben. Das Wasser wird durch eine eigene Aufbereitungsanlage im Keller des Hauses gereinigt. „Die haben wir glücklicherweise schon weit vor der Krise installieren lassen“, sagt Blattner. Da es sich bei dem Gebäude um ein altes Haus handelt, entschied er sich zu der zusätzlichen Wasseraufbereitungsanlage von „BlueSafety“, die die mikrobielle Verunreinigung beseitigt und das Wasser damit vierenfrei macht.