Zahl der Flüchtlinge in Remscheid ist leicht gesunken

Rückläufiger Trend in Remscheid : Zahl der Flüchtlinge ist leicht gesunken

539 Personen warten auf die Anerkennung als Asylbewerber. Sie hoffen täglich auf Post vom Ministerium.

Am häufigsten muss Elfi Radziwill Fragen nach der Post beantworten. Sie ist Sozialhelferin in der Flüchtlingswohnanlage an der Oberhölterfelder Straße. In ihr leben zurzeit 73 Menschen, die aus ihrer Heimat geflüchtet sind. Die meisten von ihnen hoffen auf einen Brief vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Sie wollen wissen, ob sie in Remscheid bleiben dürfen. Von der Post hängt ihr weiterer Lebensweg ab. Das BAMF arbeitet zwar schneller als noch vor einem Jahr. Aber manche müssen Monate warten, bis die Entscheidung über ihren Aufenthaltsstatus vorliegt.

Radziwill muss auch andere Fragen beantworten. Zum Beispiel zu Handyverträgen. „Viele verstehen nicht, was sie unterschrieben haben“, sagt sie. Trotz mehrmaliger Hinweise, nicht einfach alles zu unterschreiben. Vor allem keine Verträge mit Stromanbietern. Manchmal kann sie mit einem Anruf Verträge annullieren lassen. Aber Handyverträgen nicht. „Da ist dann einer schon mal sauer, dass er abgezockt worden ist“, sagt Radziwill.

Sie spreche grundsätzlich mit den Flüchtlingen deutsch. In seltenen Fällen etwas Schulenglisch. Häufig helfen Landsleute bei der Übersetzung von Briefen, die von der Schule kommen. Da geht es ums Essensgeld oder die Einladung zum Elternabend. Essengeld? Elternabend? Für Flüchtlinge ist das Leben in Remscheid zunächst eine große Unbekannte. Daran müssen sie sich gewöhnen, da führe kein Weg vorbei, sagt Radziwill. Sie findet, das Miteinander an der Oberhölterfeldstraße läuft zufriedenstellend ab. Mal gebe es das eine oder andere Problem. Aber das sei normal.

Über die Nachbarn kann sie nur Positives berichten. Die Hilfsbereitschaft sei nicht abgeflaut. Die ehemalige Leiterin eines Hastener Kindergartens betreue eine Kindergruppe. Es gebe gemeinsame Feste. Ein Spielplatz wurde von „Hasten für Hasten“ gebaut. Und wenn Schwierigkeiten auftauchen, die Nachbarn haben alle die Telefonnummern der Hausmeister.

Claudia Schwarzweller, Leiterin der Zuwanderungsbehörde, hat 2536 Flüchtlinge in ihrer Datei gelistet. 1594 haben ein Bleiberecht. 539 Personen ein laufendes Asylverfahren und 403 Personen wurden als Asylbewerber abgelehnt. Sie müssen Deutschland verlassen. „Wir setzen in erster Linie auf Freiwilligkeit“, sagt Schwarzweller. Das ist bei 33 Personen in diesem Jahr gelungen. 22 Abschiebungen wurden vollzogen. Dafür greift die Stadt auf pensionierte Polizeibeamte zurück. Sie seien diesen belastendenden Situationen psychisch besser gewachsen als ein Verwaltungsangestellter. Bis Ende August hat die Bezirksregierung Arnsberg 101 Flüchtlinge der Stadt zugewiesen. „Wir haben etwa 14 Tage Zeit, um uns um die Unterbringung zu kümmern“, sagt Schwarzweller. Die Situation habe sich weiter entspannt. Die Quote ist leicht gesunken. So konnte auch das Übergangsheim Talsperrenweg zum 30. September geschlossen werden. Es war baufällig.

Die Zahl der ausländischen Staatsangehörigen in Remscheid ist in den vergangenen sieben Jahren von 16.000 auf aktuell 20.500 angestiegen. Flüchtlinge aus Syrien und Irak bilden eine große Gruppe. Aber der größte Anteil an Zuwanderung kommen aus EU Staaten und der Türkei. Schwarzweller geht davon aus, dass durch das neue Zuwanderungsgesetz die Zahl weiter steigen wird.

Fragen nach der Post wird Elfi Radziwill weiterhin beantworten müssen. Denn jede Woche kommen neue Flüchtlinge an.

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