Wuppertal: Junge Diebesbande vor Gericht

Prozess in Wuppertal : Junge Diebesbande vor Gericht

Es war ein Auftritt, wie man ihn als Prozessbeobachter bei Gericht selten erlebt.

Ein 13-Jähriger, strafunmündig und darum nicht selbst auf der Anklagebank, spricht über den Raubüberfall auf eine Tankstelle. Wohlgemerkt: Der Jugendliche war zwar als Zeuge geladen, aber eigentlich Mittäter.

Ihm gegenüber die beiden Remscheider, die mit ihm gemeinsam im November 2018 eine Tankstelle an der Solinger Straße überfallen haben sollen. Zuvor hinter einem Container vermummt, hatten ein 21-Jähriger und der 13-Jährige die Tankstelle betreten. Dort trafen sie auf den 20-jährigen Kompagnon, der laut Anklage habe schauen sollen, ob „die Luft rein“ sei. Mit diesem vermeintlichen Mitläufer verbindet den 13-Jährigen nach eigener Aussage eine enge Freundschaft und beide waren sich darin einig, dass der Dritte im kriminellen Bunde der Anstifter gewesen sei.

Der wiederum hatte zu Verhandlungsbeginn ein umfassendes Geständnis abgelegt und das Tatgeschehen eingeräumt. Allerdings nicht so, wie er es nun von seinen beiden Kompagnons zu hören bekam. Der 13-Jährige will nur mitgemacht haben, um nicht als Feigling dazustehen. Dass er seinem guten Kumpel in der Tankstelle ein Messer an den Hals gehalten hatte, um eine Geiselnahme vorzutäuschen? Ja, das war auf einer Überwachungskamera deutlich zu sehen. Hatte er gleich nach der Tat bei der Polizei noch einen anderen Tatablauf geschildert, musste er sich nun vom Richter vorhalten lassen, wissentlich zu lügen.

Und dann hörten die Prozessbeteiligten das aus dem Munde des Strafunmündigen: „Das hier ist das Landgericht und die erste Aussage war bei einer kleinen Remscheider Polizeiwache. Ich bitte Sie, Herr Richter ... da liegen ja wohl Welten dazwischen.“ Damit hielt der 13-Jährige die Frage nach der Diskrepanz in seinen Aussagen offenbar für geklärt und verabschiedete sich in die Obhut seiner Eltern. Richter Ulrich Krege verlas die lange Liste von Straftaten des Intensivstraftäters, die von Beleidigung über Diebstahl und Drogenmissbrauch bis zum schweren Raub reichte.

Der Prozess wurde fortgesetzt mit Zeugen des Überfalls und auch mit denjenigen, die zu Zeugen von weiteren drei angeklagten Taten geworden waren. Verübt in wechselnder Besetzung, meist vom 21-jährigen Haupttäter und dem strafunmündigen 13-Jährigen. Darunter Diebstähle und der Schuss aus der Schreckschusspistole auf einen Zeugen, der die Ladendiebe verfolgt hatte. Hinzu kam der Versuch, einem Passanten Geld und Handy zu stehlen.

Der 20-jährige Remscheider, der beim Tankstellenüberfall den Statisten für die vorgetäuschte Geiselnahme gespielt haben soll, will von all dem nichts gewusst haben. Er habe nur gucken wollen, ob die anderen Beiden ihren Plan in die Tat umsetzen. Der Prozess wird fortgesetzt.

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