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Wuppertal: Falschgeld und Drogen – Mehr als zehn Jahre Haft gefordert

Gericht Solingen/Wuppertal : Falschgeld und Drogen – Mehr als zehn Jahre Haft gefordert

Ein Solinger steht wegen Betrugs mit Falschgeld vor Gericht. Er soll damit Handys gekauft haben und vom Wechselgeld gelebt haben, sogar das BKA ermittelte. Zuvor wurde er bereits wegen Drogenhandels verurteilt.

Wäre es nach dem Angeklagten gegangen, so hätte er den Gerichtssaal nach der Urteilsverkündung als freier Mann verlassen. Falschgeld in Umlauf gebracht? Und dann noch teure Handys gekauft, um mit dem Wechselgeld seinen Lebensunterhalt zu bestreiten? Davon wollte der 45-jährige Solinger nichts wissen. Im Gegenteil: Es habe die Geldscheine von einem Bekannten bekommen und für echt gehalten. Er sei das Opfer und nicht der Täter – so hatte es der gebürtige Türke vor dem Wuppertaler Landgericht bekundet.

Dort wurden nach nach dem Ende der Beweisaufnahme nun die Plädoyers gehalten und schon zuvor hatte sich abgezeichnet: Straffrei wird der Angeklagte ohnehin nicht davonkommen. Lief doch gegen ihn ein weiteres Verfahren wegen Drogenhandels, bei dem er zu acht Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden war. Die Revision war vom Bundesgerichtshof (BGH) abgelehnt worden. Unter Einbeziehung dieser Strafe forderte die Staatsanwaltschaft nun zehn Jahre und neun Monate Freiheitsentzug.

Hätte man vor Verhandlungsbeginn noch von einer gewöhnlichen Betrugsmasche ausgehen können, so hatte die Sache schnell an Brisanz gewonnen. Auch deshalb, weil sich das Bundeskriminalamt (BKA) eingeschaltet hatte in diesen Fall von Geldwäsche und Betrug, der dort offenbar die Alarmglocken hatte läuten lassen. Die falschen 500-Euro-Scheine waren auch in Frankreich und Holland in Umlauf gebracht worden und den Banken nicht als gefälscht aufgefallen. Papier, Wasserzeichen und passende Seriennummern: Offenbar waren Profis am Werk bei der Herstellung. Die vermutete das Gericht in Holland, der Angeklagte konnte und wollte dazu jedoch nichts Erhellendes beitragen. Er will im September 2015 mit den Scheinen ganz normal zum Shoppen gegangen sein und in mehreren Solinger Handy-Läden hochwertige Geräte gekauft haben. In einem Laden sollen es drei Handys für insgesamt 1500 Euro gewesen sein. Noch am gleichen Tag hatte er in einem anderen Laden die 150 Euro für ein viertes Handy mit dem 500-Euro-Schein bezahlt und sich die 350 Euro Wechselgeld in die Tasche gesteckt.

Das sei – so der Vorwurf der Anklage – die wahre Geschäftsidee gewesen: Mit dicken falschen Scheinen bezahlen und mit kleinen echten Scheinen den Lebensunterhalt bestreiten. Die Beweisaufnahme war umfangreich, allein aus der Telefonüberwachung hatten die Ermittler 37.000 Seiten auszuwerten. Das Urteil soll am 22. Mai verkündet werden.