Remscheid WTT-Intendant Wolfgang Eysold ist tot

Remscheid · Vor zwei Wochen hielt Wolfgang Eysold noch eine bewegende Dankesrede vor den hundert Sponsoren, die den neuen 7,5 Tonner mit Werbung finanzierten. Bei der Feier zum 60-jährigen Bestehen des WTT am vorigen Samstag fehlte Eysold bereits.

Die Kräfte reichten nicht mehr, um den Geburtstag seines geliebten Theaters zu feiern. Am Montag ist er gestorben. Im Alter von 60 Jahren. Der Krebs hat diesen tapferen Mann besiegt.

Der Chef fuhr auch den Tourneebus

Als Eysold die private Bühne an der Bismarckstraße 2005 von Jaschi Janschinski übernahm, kam ein neuer Ton in die Kulturlandschaft in Remscheid. Als Intendant führte er das Theater in ein ruhigeres Fahrwasser. Trotz Sparbeschlüssen, Kürzungen und finsteren Aussichten hörte man ihn nie klagen oder gar jammern. Er sprach lieber über Aufführungen, Textfassungen und die Wirkung einer Szene als über den Mangel an Geld.

Er konnte sehr lebhaft werden, wenn es um die Bedeutung des Theaters für den Alltag der Menschen ging, vor allem der jungen Menschen. Dann saß er auf dem schwarzen Sofa in seinem Büro und unterstrich seine Worte mit starken Gesten. Eysold fühlte sich wohl in seinem Viertel am Rosenhügel. Ein Mann mit skeptischer Nachdenklichkeit und viel Humor. Für ihn war es selbstverständlich, dass der Chef eines Tourneetheaters auch am Steuer des Tourneebusses sitzt — egal wie spät es in der Nacht war.

In Leipzig machte Eysold 1972 sein Diplom als Schauspieler und Dramaturg an der dortigen Theaterhochschule. Er arbeitete als Schauspieler, Dramaturg und Regisseur. Elf Jahre lang stand er an der Spitze des Mehrspartenhauses in Zeitz, einer Stadt im Süden von Leipzig, bevor er mit seiner Frau Rita 2002 zum WTT kam. Seine Vorliebe galt dem Kinder- und Jugendtheater. Sein fein gearbeitetes Kindermusical "Die Abenteuer von Mia Mauseschwanz" steht seit Beginn seiner Intendanz auf dem Spielplan. An Lessings "Nathan" wagte er sich in einer Doppelrolle: als Regisseur und Hauptdarsteller. Ein Kraftakt, der Eysold viel Anerkennung und Respekt einbrachte.

Eysold hinterlässt seine Frau Rita und eine Tochter. Die Vorstellungen im "theater im Studio" gehen planmäßig weiter. Das hätte ihm gefallen, denn seine Devise lautete: "Der Lappen muss hoch gehen."

(RP)
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