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WTT in Remscheid: Premiere von Eigenproduktion Revue passiert

Theater in Remscheid : Parforce-Ritt durch die Jahrhunderte mit „Revue passiert!“

Humorvoll präsentierte das sechsköpfige WTT-Ensemble in der Premiere von „Revue passiert!“ 2500 Jahre Theatergeschichte. Nach der Corona-Pause wollten sie die Relevanz von Theater unterstreichen.

Das Wort, das über der Premiere der Eigenproduktion „Revue passiert!“ im WTT am Freitagabend schwebte, war Relevanz. Wie (system-)relevant ist das Theater? Dieser Frage, die man sich angesichts der Corona-Lockerungen nicht nur in der Kulturszene stellt, ging das sechsköpfige Ensemble in einer knapp anderthalbstündigen Vorstellung nach. Durchaus selbstironisch, denn die Schauspieler betraten die Bühne zum Aufräumen und ohne zu wissen, dass ein Publikum zur Premiere bereitsaß. „Spielplan 2020?“, fragte einer. „Kann weg!“, kam prompt die Antwort.

Wie symptomatisch, wie passend – wie tragisch. Nun wurde das Publikum zwar bemerkt, indes konnte man ihm nichts bieten. „Die alten Stücke spielen? Die lagen doch ein Jahr lang rum…“ Und nun? Die Leute nach Hause schicken? Nein, das könne man doch nicht machen. Denn einen Ersatztermin zu finden war schwer: „Ihr habt euch zu sehr an die Freizeit gewöhnt“, sagte Intendantin Claudia Sowa zu ihren Kollegen. Aber was könne man denn dann als Alternative anbieten? Vielleicht ja die eingangs gestellte Frage nach der Relevanz des Theaters anhand eines Parforce-Ritts durch 2500 Jahre Theatergeschichte zu beantworten.

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Los ging es bei den alten Griechen, die das Theater erfunden hatten. „Die Griechen haben alles erfunden.“ Vor allem aber waren sie eben die Erfinder dessen, was die Römer fortführten, ehe es die Kirche im Mittelalter wieder verbot. Die Reise ging im Eilschritt durch die Jahrhunderte, besuchte Renaissance, Romantik und Barock genauso wie Shakespeare, Novalis und Moliére, tauchte in Sturm und Drang mit Goethe, Schiller und Herder ebenso ein wie in die Moderne – mit Dada und Regie-Theater.

War am Anfang noch nicht so ganz klar, worauf das Ensemble eigentlich hinauswollte, nahm das übrigens sehr clever betitelte Stück nach einigen Minuten richtig Fahrt auf. Neben sehr viel Information, quasi ein dem Publikum nähergebrachter Wikipedia-Artikel, auf der einen Seite, gab es auch jede Menge Reminiszenzen an die Theatergeschichte. Etwa in Form von Ausschnitten aus bekannten Werken – wie einem Monolog aus dem Woyzeck von Georg Büchner. Oder in absurden Abstrahierungen - wenn etwa „Fritz“ Schiller in breitestem Schwäbisch seinem Freund Goethe am Handy davon berichtete, ihm gerade ein Gedicht geschickt zu haben – „die Glocke.doc isch des“. Und ihm dann noch viel Erfolg wünschte: „Bei deinem dings, dem… Fauscht.“

Am Ende war man beinahe ein wenig erschlagen, denn 2500 Jahre Theater wollten erst einmal verdaut werden. Aber es blieb vor allem die Erkenntnis: Theater ist relevant. Und wer sich darüber noch immer nicht ganz sicher war, der konnte das anschließend im Foyer mit den Schauspielerinnen und Schauspieler um Intendantin Claudia Sowa noch weiter diskutieren…