Remscheid: Wirtschaft läuft, Stimmung trübt sich ein

Remscheid: Wirtschaft läuft, Stimmung trübt sich ein

Vor allem die Industrie ist sehr gut ins Jahr 2018 gestartet. Die Bergischen Unternehmen sind durch die Bank zufrieden.Doch die Angst vor internationalen Handelsbarrieren und der Mangel an Fachkräften bereitet den Betrieben Sorgen.

"Auf der Zunge zergehen lassen" kann man sich nach den Worten von IHK-Präsident Thomas Meyer die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer im Städtedreieck. "Es geht uns gut", sagte Meyer mit Blick auf die "unglaublich gute Konjunkturlage" im Bergischen Land. Quer durch alle Branchen ziehe sich diese Tendenz. 92 Prozent der befragten Unternehmen geben ihre Geschäftslage in der Umfrage mit gut oder befriedigend an. So bleibt der Index auf dem hohen Wert der letzten Umfrage.

IHK-Präsident Thomas Meyer (li.) und Hauptgeschäftsführer Michael Wenge stellten gestern das Ergebnis der Konjunktur-Umfrage vor. Foto: Foto; Jürgen Moll

Motor dieser Entwicklung ist die Industrie. In Remscheid stiegen die Umsätze im traditionell starken ersten Quartal des Jahres im Vergleich zur letzten Erhebung um 15,6 Prozent. Damit liegt man weit über dem Landestrend in NRW (3,2 Prozent). Für die Maschinenbauer laufe es sehr gut, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge. Auch der Werkzeughandel mache gute Geschäfte. Triebkraft ist vor allem der Export.

Der ist in Solingen in diesem Bereich deutlich weniger ausgeprägt. So erkläre sich der Wert von nur 2,5 Prozent. In der Klingenstadt habe dagegen der Dienstleistungssektor zugelegt, sagte Meyer, der in der Gesamtentwicklung auch einen Effekt des wirtschaftspolitischen Kurses der neuen schwarz-gelben Landesregierung in Düsseldorf erkennt.

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Dass die Stimmung trotz dieser so sonnigen Lage dennoch gedämpfter ist als zuletzt, hat gleich mit mehreren Faktoren zu tun. Außenpolitischen Entwicklungen, wie jüngst die Aufkündigung des Atom-Abkommens mit dem Iran durch die USA, sorgen für Verunsicherung. Gerade Remscheids Maschinenbauer hätten traditionell gute Geschäftsbeziehungen in den Nahen Osten, sagte Wenge. Weitere Problemfelder sind die weiterhin belasteten Beziehungen zu Russland und der unklare Ausgang der Brexit-Verhandlungen.

Hausgemacht ist dagegen der Fachkräftemangel. Die Unternehmen würden gerne Personal einstellen, finden aber keine geeigneten Kräfte. Dieses Missverhältnis von Angebot und Nachfrage sorge für höhere Kosten. Der oft wiederholte Appell der IHK an die Wirtschaft, diese Lücke durch stärkere Bemühungen in der Ausbildung des eigenes Nachwuchses aufzufangen, zeige mittlerweile Wirkung, sagte Carmen Bartl-Zorn, Leiterin des Bereichs Aus- und Weiterbildung. In Remscheid und Solingen zeichne sich die gute Situation ab, dass man für jeden potenziellen Bewerber eine Ausbildungsstelle anbieten könne. Nun komme es darauf an, diese Plätze auch zu besetzen. Sonst könnte die Motivation der Unternehmen bald wieder nachlassen.

Positiv stimmt Meyer die Absicht der Unternehmen, trotz der genannten Sorgen weiterhin investieren und Personal einstellen zu wollen. Dieses Vertrauen der mittelständisch geprägten Wirtschaft in die langfristige Entwicklung habe Deutschland gestärkt aus der Finanzkrise von 2008 hervorgehen lassen. Wenge wies darauf hin, dass die Wirtschaftskraft der Region die Werte vor 2008 überschritten hat. Tausende neue Jobs wurden geschaffen. Und dies keineswegs nur im Niedriglohnsektor, ergänzte Geschäftsführer Uwe Mensch.

(hr)
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