Remscheid: Wie eine Rockqueen die Hölle überlebte

Remscheid : Wie eine Rockqueen die Hölle überlebte

Ein Musical erzählt einfühlsam die Geschichte von Ike & Tina Turner. Im Anschluss gab es ein Konzert mit ihren Hits.

Ein Musical erzählt einfühlsam die Geschichte von Ike & Tina Turner. Im Anschluss gab es ein Konzert mit ihren Hits.

Jubel, stehende Ovationen, donnernder Applaus - das ist eine Ehrbekundung, die einer "Queen Of Rock" würdig ist. So geschehen am Sonntagabend im Teo Otto Theater, als das gleichnamige Musical über das bewegte Leben und die steile Karriere der als Tina Turner berühmt gewordenen Anna Mae Bullock in einer Produktion der a.gon Theater GmbH aus München auf die Bretter gebracht wurde. Dabei wurde im Musical selbst kein einziger Hit des stimmgewaltigen Energiebündels aus Tennessee zu Gehör gebracht.

Für die Musik - typischer Rock'n'Roll aus den 50er bis 70er Jahren - zeichnete der Komponist Christian Auer verantwortlich, nur selten erklang da mal ein bekannter Song wie Gershwins "Summertime", zumal noch im Intro, vor dem eigentlichen Beginn des Musicals, als die Darsteller, allesamt auch versiert an ihren Instrumenten, auf der Bühne musizierend praktisch "herumlungerten", nur um im auch in den späten 50er-Jahren noch vom Rassismus geplagten Süden der USA von einem weißen Cop verjagt zu werden.

In einem solchen Klima als schwarzes Mädchen aufzuwachsen, das ist nicht einfach. Allerdings ist Anna Mae (herausragend: Peti van der Velde) mit einem enormen Selbstbewusstsein und einer noch größeren Stimme gesegnet. Die auch dem bekannten Musiker Ike Turner (herrlich fies: Lemuel Pitts) auffällt. Turner macht aus Anna Mae eine "Ikette" - schmuck anzusehende Frauen, die als Background-Sängerinnen mehr dekorativ denn stimmgewaltig sein sollen. Nicht aber Anna Mae. Die junge Frau singt sich in den Vordergrund, bald gibt es nur noch die "Ike & Tina Turner"-Band, denn die beiden heiraten, obwohl Ike seine Frau oft und schwer misshandelt. Auch Tinas Schwester Alline (quirlig: Charlotte Irene Thompson), ihr Geliebter Chi (knuddelig: Alvin Le Bass), Bandmitglied Al (wandlungsfähig: Mario Mariano) oder Ikes Vertraute (undurchsichtig: Stefanie Pütz) können an dieser schlimmen Situation nichts ändern. Die Band - bestehend aus Bassist Markus Schlesag, Keyboarder Christian Bihlmaier, Gitarrist Knud Mensing, Saxophonist Jurek Zimmermann und Schlagzeuger Klaus Engl - ließ die Zeit, die Geschichte und ihre ganze Dramatik perfekt lebendig werden.

Das Musical "Queen Of Rock" deckte den Zeitraum von Tinas Entdeckung bis zur Trennung von Ike im Jahr 1976 ab. Der spätere Erfolg, die Karriere, die aus Tina Turner eine der erfolgreichsten Sängerinnen aller Zeiten machen sollte, war nicht Teil der Geschichte. Wer nun die logischerweise nicht auftauchenden Hits vermisste, wurde im Anschluss an die etwa 100 Minuten Musical mit einem "Tribute Concert" belohnt, bei dem das Ensemble eine ganze Menge Hits von Tina Turner darbot.

Dabei waren auch Auers Kompositionen echte Stimmungsgranaten: "The Story Of Black And White", "Drip Drop Honeydew" oder Tinas erster Song mit Ike, "Sing Your Song" etwa. Das Ensemble war perfekt aufeinander eingespielt, sprühte vor Spielfreude über und da störte es nicht einmal, dass man die gesprochenen Texte teilweise nicht wirklich gut verstand. Ein Problem, das auch am zunächst etwas ungünstig gemischten Sound lag, was allerdings im Verlauf des Abends behoben wurde - und auch gar nichts daran änderte, dass die Performance des Ensembles absolut zu überzeugen wusste und den enthusiastischen Applaus am Ende rechtfertigte.

(RP)
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