Westfriedhof in Reinshagen: Keine Blumen am Kolumbarium

Westfriedhof in Reinshagen : Keine Blumen am Kolumbarium

Friedel Stopka steht oft am Grab seiner Frau Karla. Sie starb mit 71 Jahren im Oktober 2016, ihre Asche ruht in einer Urnenwand auf dem Westfriedhof in Reinshagen.

Friedel Stopka hält eine Rose in der Hand, wenn er den Ort besucht. Die lässt er dort zurück wie Menschen es tun, um ihrer Lieben zu gedenken. Doch genau das soll der 77-Jährige jetzt unterlassen.

Die Adolf-Clarenbach-Kirchengemeinde, die den Friedhof an der Wallstraße betreibt, will keine Blumen an ihrem Kolumbarium. Deshalb hat sie Schilder aufgestellt. Darauf weist sie darauf hin, dass das Ablegen von Blumen dort nicht möglich ist und kündigt an, nach dem 29. April abzuräumen, was an der Urnenwand abgelegt wird.

Friedel Stopka traf das mit großer Wucht. Ihm ist es wichtig, nicht mit leeren Händen an das Grab seiner Frau zu kommen und etwas bei ihr zu lassen. Dem Sohn berichtete der Witwer vom Verbot mit Tränen in den Augen. Die Ankündigung der Evangelischen Gemeinde kommt freilich nicht von ungefähr. „Zunächst handelt es sich bei dem Kolumbarium um eine Gemeinschaftsanlage, auf der in der Regel kein Abstellen möglich und erlaubt ist“, erklärt Pfarrer Jens Eichner vom Friedhofsausschuss des Gemeindeverbandes Evangelischer Kirchengemeinden in Alt-Remscheid.

So steht es sinngemäß auch in der gemeinsamen Friedhofssatzung. Doch die Gemeinde hat die Angehörigen lange gewähren lassen. „Es ging uns nicht um die einzelne Rose, die war nicht das Problem“, sagt Jens Eichner. Doch dabei sei es eben nicht geblieben. Hinterbliebene brachten Sträuße und Gebinde und legten sie am Fuß der Urnenwand ab, wo sie dann liegen blieben auch nachdem die Blüten und Blätter längst verwelkt waren.

Für Ärger sorgten bei den Friedhofsgängern auch die Dimensionen, die der Blumenschmuck angenommen hatte. Denn, sagt Eichner: „So mancher Pflanzenkübel hätte eine Zier für jede große Terrasse abgegeben.“ Sie standen den Menschen im Weg. Und manch ein Besucher der Urnenwand nannte auch prinzipielle Gründen, sagt Eichner. Die Verstorbenen und ihre Hinterbliebenen hätten sich schließlich bewusst für eine Bestattungsform entschieden, die eben keinen Grabschmuck vorsehe. Das Blumen-Verbot will Eichner als Appell verstanden wissen, sich an die Friedhofssatzung zu halten. Anderenfalls werde der Blumenschmuck abgeräumt.

Die Stadt Remscheid handhabt das grundsätzlich nicht anders. Allerdings will sie die Regeln weiterhin großzügig auslegen – „so lange andere dadurch nicht belästigt oder behindert werden“, sagt Oliver Jilg, Leiter der Friedhofsverwaltung. Klagen kennt aber auch er. Außerdem bereiten die Blumen den Friedhofsgärtnern zusätzliche Arbeit.

Denn nicht nur an den Kolumbarien werden Blumen abgelegt, sondern auch auf den Rasengräbern. Auch sie sollen eigentlich frei bleiben, woran sich aber nicht jeder hält. Bevor die Wiesen im Sommer gemäht werden können, müssen die Gärtner deshalb zunächst den Schmuck einsammeln und abräumen.

Friedel Stopka zeigt Verständnis für die Schwierigkeiten, vor denen die Friedhofsverwalter von Stadt und Kirchengemeinde stehen. „In der Sache liegen wir deshalb ja gar nicht auseinander.“ In der Art und Weise, wie die Clarenbach-Gemeinde in der sensiblen Frage vorgegangen ist, aber schon. „Ich bringe meiner Frau doch nur eine Rose mit“, sagt der Witwer.

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