Remscheid: Werkzeugfirma wandert ins Museum

Remscheid: Werkzeugfirma wandert ins Museum

Andreas Wallbrecht, Direktor des Deutschen Werkzeugmuseums, übernimmt Maschinen der Firma Dürholt ins Depot. Sie sind Zeugen alter Handwerkskunst im metallverarbeitenden Gewerbe, die vom Fortschritt ausradiert wurden.

Ein solcher Hammer darf einem nicht auf den Fuß fallen. Da könnte auch der beste Unfallchirurg der Welt nichts mehr retten. Das rostige Ding liegt umgekippt auf dem Boden. Facharbeiter werden es in einen Laster hieven und in einem Depot in Dahlerau abladen. Dort, wo das Deutsche Werkzeugmuseum Maschinen und anderes Gerät lagert, die es wert sind, für die Nachwelt erhalten zu werden. "Solche Maschinen darf man nicht einfach auf den Schrottplatz bringen", sagt Andreas Wallbrecht, Direktor des Deutschen Werkzeugmuseums. Er steht dick verpackt mit schwarzer Mütze, Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhen in dem Maschinenraum der Firma Artur Dürholt an der Wüstenhagener Straße.

In dem kalten und finsteren Gemäuer hängt noch der Geruch von Rost und Asche, von Öl und Eisen. Und hätten die Wände ein akustisches Gedächtnis, sie würden ein permanentes Hämmern, Schlagen und Klirren wiedergeben. Es ist der Sound, der über mehrere Jahrzehnte bei der Firma Dürholt die Herstellung von Gesenken für Achsen, Zangen und viele andere Werkzeuge begleitete. Es war der Sound von Remscheid. Die verlassene Werkzeugfabrik gibt Zeugnis ab für eine Handwerkskunst im metallverarbeitenden Gewerbe, die vom technischen Fortschritt inzwischen ausradiert wurde. Seit 20 Jahren, so heißt es, liegt die Produktion still. Jedenfalls im Großen und Ganzen.

"Das Tolle an diesen Maschinen ist, dass sie niemals kaputt gehen", sagt Wallbrecht. Sie bräuchten meist nur ein bisschen Öl - und schon rattern und knarzen sie wieder. Nicht nur Maschinen gehen mit ins Depot. Wallbrecht hat auch eine verbeulte Schubkarre und eine Werkbank ausgesucht. "So etwas kann man nicht nachbauen", sagt der Museumsdirektor. Die Patina von 80 Jahren lasse sich nicht kopieren. Ein Original verbessere die Strahlkraft jedes Museums.

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Die Antriebstechnik mit Transmissionsriemen nimmt im Deutschen Werkzeugmuseum einen kleinen, aber wichtigen Bereich ein. Mit den Maschinen der Firma Dürholt ließe sich ein kompletter Arbeitsprozess darstellen. Michael Hagemann, Leiter des benachbarten Berufsbildungszentrums (BZI), hat das Grundstück der Firma Dürholt gekauft. Er braucht Platz für die Erweiterung.

Bis 2020 sollen in die technische und bauliche Modernisierung des Berufsbildungszentrums etwa 20 Millionen Euro fließen. Derzeit bietet das BZI etwa 440 Qualifizierungsplätze an. Im Jahr werden dort etwa 2500 Auszubildende aus mehr als 30 gewerblichen Berufen der Metall-, Elektro- und IT-Technik ausgebildet. Die jungen Leute stammen in der Regel aus kleinen und mittelständischen Unternehmen der Region. Die Azubis lernen direkt an der Maschine und werden so in die Praxis der Betriebe eingeführt.

Wie eine Maschine der Firma Dürholt zu bedienen ist, das lernen die Azubis des BZI nicht mehr. Sie brauchen Wissen darüber, wie eine CNC-Maschine eingerichtet wird. Die Bedienung eines Fallhammers ist Geschichte. Im Museum wird sie konserviert.

(RP)
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