Remscheid: Wer war Frau Röntgen?

Remscheid : Wer war Frau Röntgen?

Über die Frau an Wilhelm Conrad Röntgens Seite weiß man wenig. Der Sozialdienst katholischer Frauen ging bei einer Führung im Röntgen-Museum auf Entdeckungsreise. Berühmt wurde Anna-Bertha durch das Bild ihrer Hand.

Zweifellos: Wilhelm Conrad Röntgen war ein erfolgreicher Mann, dessen Forschungsarbeit der Menschheit bis heute segensreich zu Diensten ist. Doch wer war eigentlich die Frau an seiner Seite? Diese Frage ließ dem Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Remscheid keine Ruhe und somit begaben sich mehr als 30 Interessierte auf Spurensuche im Deutschen Röntgen-Museum. "Mal zu schauen, wer die Frau hinter diesem Mann war, steht uns als Frauenverband gut zu Gesicht", befand SkF-Geschäftsführerin Martina Sturm-May.

Doch ist die Quellenlage zu Anna-Bertha Röntgen dünn, wie Museumsmitarbeiter Michael Möller einräumte. Mit den Besucherinnen — und auch einigen Besuchern - begab er sich auf eine kleine Europareise. Vom Nobelpreiszimmer (Anna-Bertha begleitete ihren Mann allerdings nicht nach Stockholm) über die Schweiz, wo Röntgen als Student die Gastwirtstochter Anna Bertha Ludwig kennen und lieben lernte, ging es nach Würzburg. Dort erhielt der Physiker eine Professur und forschte im heimischen Labor.

An dieser Stelle erlangte auch seine Gattin Berühmtheit. Denn als Röntgen im Jahr 1895 die von ihm sogenannten X-Strahlen entdeckte, durchleuchtete er die filigrane Hand seiner Frau. "Diese Aufnahme verbreitete sich in Windeseile in alle Welt", erklärte Möller. Ansonsten aber blieb die als fröhlich und charmant beschriebene Schweizerin, die sechs Jahre älter war als ihr Mann, im Hintergrund.

Immer gut mit Schokolade gefüllt

Ein Ritual, das sie sich trotz zweier Bediensteter im großbürgerlichen Haushalt nicht nehmen lies, war das Auffüllen der Bonbonniere auf dem Schreibtisch ihres Liebsten mit Schokolade. Auch im Röntgen-Museum in Lennep ist diese Dose stets mit Schokolade gefüllt — und jeder Besucher darf sich daran bedienen. Auf dem Schreibtisch finden die Museumsbesucher auch ein Foto, das Anna Bertha im Alter von etwa 50 Jahren zeigt. Die Haare streng zurückgekämmt, das Kleid bodenlang und hochgeschlossen, eben eine Frau, wie man sie in den oberen Schichten der Gesellschaft jener Zeit erwartete.

Das Ehepaar Röntgen adoptierte eine Nichte Anna Berthas, blieb aber selbst kinderlos. Warum weiß man heute nicht genau. "Dass dies durch die Strahlenbelastung im Rahmen der Forschung Röntgens verursacht wurde, ist eher unwahrscheinlich", sagte Michael Möller. Vielmehr könne die chronische Nierenkrankheit Frau Röntgens ein Grund gewesen sein. Anna Bertha Röntgen starb 1919 vier Jahre vor ihrem Mann. Danach sei er nicht mehr derselbe gewesen.

War die Zeitreise zu Frau Röntgen eine Überraschung? "Ich glaube nicht", sagte Brigitte Nübel. Man habe sich Anna Bertha so vorgestellt, wie es dem Modell der damaligen Zeit entsprach: "Wenn sie anders gewesen wäre, würde man heute mehr über sie wissen. Im Leben als Frau an seiner Seite muss sie voll und ganz aufgegangen sein."

(bona)
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