Remscheid: Wenn Eichendorff der Gitarre begegnet

Remscheid: Wenn Eichendorff der Gitarre begegnet

Der Remscheider Stefan Coesfeld hat eine CD mit alten Texten und eigenen Melodien aufgenommen. Ein beachtenswertes Werk.

Remscheid Stefan Coesfeld liest. Wenn er Literatur aus dem 19. Jahrhundert schmökert, dann vergisst er zuweilen die Zeit. Die Sprache gefällt ihm. "Und viele der Autoren haben uns nach so vielen Jahren noch etwas zu sagen", hat der Remscheider Musiker festgestellt. Irgendwann entdeckte er Joseph von Eichendorff. Erst seine Romane und Erzählungen, dann bekam er ein Gedicht in die Hände. Und er begann Melodien zu hören, Musik, die sich über die Zeilen des Lyrikers legte.

Also holte Stefan Coesfeld seine "Taylor Dan Crary" dazu, seine Gitarre. Und er begann zu spielen, zu probieren und merkte: Das passt. Eigentlich sogar besser als ein Flügel. Er sang Eichendorff und spielte seine eigenen Melodien. Geübte Finger, die sich mit Folk und keltischen Melodien bestens auskennen, spielten neue Rhythmen zu Eichendorff. "Schläft ein Lied in allen Dingen" oder "Laue Luft kommt blau geflossen". "Hörst du nicht die Bäume rauschen" oder "Es schienen so golden die Sterne".

Stefan Coesfeld bewahrte und schuf doch neu. Folk trifft auf Jahrhunderte alte Lyrik, die Gitarre auf Verse, Coesfeld auf Eichendorff. "Ich wollte ihn aus den Klauen der Klassik holen und gleichzeitig raus aus der Mottenkiste", sagt der Gitarrist. Denn bei der Lektüre habe er schnell gemerkt: "Wir sind auf einer Wellenlänge." Eichendorff sei als harmloser Idylliker verschrien, sagt der Remscheider. Aber wer sich Zeit nehme, der entdecke einen ganzen anderen Eichendorff. "Er war ein hemdsärmeliger Typ", sagt Coesfeld. Einer, der die Schönheit der Welt bewahren wollte. Der an eine beseelte Natur geglaubt habe. Und er sei frisch, zeitlos und aktuell geblieben. "Heute wäre Eichendorff bestimmt im Hambacher Forst und würde demonstrieren", sagt Coesfeld. Stattdessen werden seine Texte nun musikalisch wieder lebendig.

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Coesfeld stimmt seine Gitarre gerne auf C-Moll und schafft so besondere Stimmungen, lyrische Stimmungen. Er spielt Fingerstyle-Gitarre, verlangt den Saiten alles ab. Vieles hat er sich selbst beigebracht, die Grundlagen lernte er damals im Gitarrenunterricht bei Artur Both, dem er auch seine CD widmet. Unverkennbar und unüberhörbar ist inzwischen sein eigener Stil, die besondere Weise, die Gitarre zu spielen. "Stimme, Stahl und Holz", sagt Coesfeld, "mehr braucht man nicht für Folkmusik." Ein Vorbild nimmt er sich an angelsächsischen Musikern wie Jake Walton oder Manus Lunny, bei denen es nichts mehr mit Nischenmusik zu tun habe, wenn sie uralte Texte auf ihre neuen Melodien legen. "Hier bin aber doch eher ein Exot geblieben", sagt Stefan Coesfeld.

Eichendorffs Gedichte kann er inzwischen auswendig - und manchmal stimmt seine achtjährige Tochter fröhlich in die alten Texte mit ein. Im Laufe des Jahres möchte er die Stücke spielen, auf kleinen Bühnen im Bergischen. Dann will er den Zuhörer beweisen, dass Folk und Eichendorff zusammen funktionieren können. "Ohne sich völlig darin zu verlieren", ergänzt er schnell.

Seit 29 Jahren arbeitet er als Intensivpfleger im Sana-Klinikum. "Da darf man nicht zartbesaitet sein", sagt er. Aber ohne Emotionen ergebe Musik auch keinen Sinn. Eichendorff wie Coesfeld: Sie haben zwei Seiten, die sie in ihre Kunst einbringen.

(resa)