Remscheid : Vom Himmel hoch

Für David Neuber ist es ein Spiel mit den Naturgewalten. Seit er 14 Jahre alt ist, steigt er regelmäßig in ein Segelflugzeug und gleitet mehrere hundert Meter über dem Boden durch die Lüfte. Er beobachtet das Wetter und schätzt den Wind ein, macht ihn sich zunutze, um weiter nach oben zu steigen und sich von ihm tragen zu lassen. "Ein tolles Gefühl", sagt er mit strahlenden Augen.

"Aufregend und ungewohnt", sei das Fliegen als Jugendlicher zunächst gewesen, erinnert sich der heute 27-Jährige. Längst schon fühlt sich der geborene Remscheider im Cockpit des kleinen Fliegers pudelwohl, die Aufregung aber ist geblieben. "Das Segelfliegen macht auch nach so vielen Jahren noch immer großen Spaß", sagt er begeistert. Seine Erfahrung gibt Neuber an den Nachwuchs weiter. Beim Luftsportverein Radevormwald ist der Ingenieur ehrenamtlicher Fluglehrer.

Mit 14 Jahren können Interessierte mit dem Segelfliegen anfangen. Gerade der Einstieg in die Sportart erfordert hohe Konzentration und Geduld. Die Anfänger lernen die technischen Geräte an Bord des Fliegers zu bedienen - und vor allem erst einmal geradeaus zu fliegen. "Das ist am Anfang gar nicht so einfach", meint Fluglehrer Neuber. "Viele Anfänger pendeln gerne hin und her." Erst wenn sie beginnen, sich einen fixen Punkt außerhalb des Segelfliegers zu suchen, an dem sie sich orientieren können, höre das Schwanken auf. Neuber selbst ist durch einen Bericht im Fernsehen auf die Sportart aufmerksam geworden. "Danach wollte ich das unbedingt machen", sagt er.

Wie viele andere Vereine hat auch der Rader Luftsportverein Probleme, junge Mitglieder zu gewinnen. "Segelfliegen gilt als elitärer Sport", erklärt Neuber. "Außerdem verlangt er von den Jugendlichen sehr viel Verantwortung und ein hohes Maß an Reife."

Unzählige Stunden hat Neuber bereits in der Luft verbracht. Alleine 150 musste er nachweisen, um Fluglehrer werden zu können. "Die hat man etwa in einem Jahr zusammen", sagt er. Vor seinem Studium nahm der 27-Jährige sogar am Leistungssegelflug teil. Über mehrere Wochen dauerten die Wettkämpfe manchmal, dazu gab es Tagesaufgaben wie die "Racing Task", quasi ein Wettrennen zwischen den Wolken. Auch ohne Motor erreichen die Flieger eine hohe Geschwindigkeit. "In der Rennklasse fliegen die schon 110 bis 120 Stundenkilometer", berichtet Neuber.

Das ist es auch, was den Sport für ihn so reizvoll macht: Nur knapp drei bis vier Minuten werde der Segelflieger vom motorisierten Schlepper in die Luft gezogen - und könne danach stundenlang fliegen, ohne einen einzigen Tropfen Sprit zu verbrauchen. Dazu sei das Segelfliegen, auch wenn man alleine unterwegs ist, dennoch ein Mannschaftssport. "Jemand muss im Tower sitzen und Funkkontakt halten, der andere hilft beim Ausrüsten und wieder einer fliegt den Schlepper", erklärt der Fluglehrer.

Wer denkt, dass die Rader Segelflieger nur über dem Bergischen Land kreisen, liegt daneben. "Manchmal machen wir Ausflüge bis zu den Inseln in der Nordsee", erzählt Neuber. Dort machen die Flieger eine Pause und kehren abends oder am nächsten Tag zurück.

Sein bislang schönster Flug gelang Neuber vor wenigen Jahren, als er über eine Gebirgskette flog. Es gab viel Wind, der 27-Jährige flog knapp sechs bis sieben Kilometer über dem Boden und konnte immer wieder aufsteigen. "Da bin ich zwölf Stunden lang geflogen", sagt er.