Vielfalt prägt die „Nacht der Kultur“ in Remscheid

Remscheid feiert : Vielfalt prägt die „Nacht der Kultur“

Über 70 Veranstalter stellen sich am 26. Oktober in vier Stadtteilen vor. Gesellschaftliche Themen wie Klima, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit nehmen einen breiten Raum ein. Einen Shuttle-Bus gibt es nicht mehr.

Gestern morgen erreichten Sarah Eichhorst noch Anrufe von Bürgern, die ihre Aktion bei der „Nacht der Kultur“ anmelden wollten. Die Mitarbeiterin des Stadtmarketings nahm sie noch mit auf die Liste auf der Internetseite der Stadt. Für die Druckausgabe der Programmhefte war es aber zu spät. 70 Veranstaltungen in vier Stadtteilen listet das in Dunkelblau und Schwarz gehaltene Programmheft auf. „Das Interesse ist weiterhin groß“, sagt Eichhorst. Auch im vorigen Jahr lag die Anzahl der Teilnehmer bei knapp über 70.

Die „Nacht der Kultur“ ist keine Leistungsshow. Es geht nicht darum, wer besser, toller oder beliebter ist. Vielmehr ist es eine große Vorstellungsrunde, bei der jeder mitmachen kann. „Wir haben alle aufgenommen, die sich gemeldet haben“, sagt Eichhorst. Dabei gibt es 15 Veranstalter, die in diesem Jahr zum ersten Mal dabei sind.

Auffällig ist, dass sich aktuelle gesellschaftliche Themen wie Klima, Achtsamkeit und Nachhaltigkeit stärker als in den vorigen Jahren wiederfinden. In Hasten zeigt der Künstler Arne-C Held Recyclingkunst. Der neue Lindenhof an der Honsberger Straße wird zum Treffpunkt für Nachhaltigkeit. Gebrauchte Flaschen werden im Workshop „umgehäkelt“. Außerdem kommen Vertreter der Fridays-for-Future-Bewegung in den Stadtteil. Ein weiteres Beispiel für Kunst und Nachhaltigkeit ist die Veranstaltung der „Kulturwerkstatt ins Blaue“. Aus alten Sesseln und Stühlen soll ein Nachbarschaftswohnzimmer entstehen. Zudem ist eine Vorstellung mit Menschen und Stühlen geplant.

Auch die Yoga-Welle hat die „Nacht der Kultur“ erreicht. In Lüttringhausen werden in einem Yogastudio an der Feldstraße spirituelle indische Lieder gesungen. In Lennep bietet sich die Gelegenheit, an einem Mantrasingen samt einer Darreichung von Ingwerwasser teilzunehmen.

In diesem Jahr fahren keine Busse der Stadtwerke kostenfrei durch Remscheid. Das war im vorigen Jahr eine einmalige Angelegenheit. Auch auf einen Shuttle-Bus wird verzichtet. Nach den Erfahrungen aus den vergangenen Kulturnächten habe sich gezeigt, dass diese Angebote nicht ausreichend genutzt werden. „Die meisten Besucher stellen sich ihre eigene Tour zusammen“, sagt Eichhorst. Die Mehrheit der Interessierten legt sich auf einen Stadtteil fest. Lenneper bleiben in Lennep, Remscheider in der Innenstadt.

Bei der Werbung fährt das Stadtmarketing als Veranstalter mehrgleisig. Die Teilnehmer bekommen sogenannte Aufsteller. Diese Plakattafeln weisen am Samstagabend darauf hin, dass hinter der Türe oder dem Geschäft ein Beitrag gezeigt wird. Zehntausend Programmhefte für die Jackentasche liegen gedruckt vor. Neben dem klassischen Programmheft kann sich der Besucher auch über eine App und die Internetseite der Stadt informieren. Was? Wann? Wo? – diese drei Fragen beantworten die Info-Materialien benutzerfreundlich. Außerdem gibt es im Stadtgebiet überall kleine und große Plakate, die auf den 26. Oktober hinweisen.

Das Stadtmarketing veranstaltet die „Nacht der Kultur“ in diesem Jahr zum fünften Mal. An diese Aufgabe ist die Abteilung unfreiwillig geraten. Zehn Jahre lang lag die Arbeit beim Verein „Kulturstadt Remscheid“. Vor fünf Jahren legte Lothar Schiffer, der das Programm organisatorisch alleine auf die Beine stellte, das Amt nieder. In dem Verein fand sich niemand, der die Arbeit weiterführen wollte. Die Stadt musste entscheiden, ob die „Nacht der Kultur“ stirbt oder weiterlebt. Sie hat sich fürs Weiterleben entschieden. Vom Verein „Kulturstadt Remscheid“ hat man seitdem nichts Substanzielles mehr gehört.

Einen wichtigen Beitrag zum Programm haben immer die Kirchen geleistet. Die City-Kirche und Lutherkirche sind wieder dabei, die Versöhnungskirche und St. Suibertus laden zu Konzerten ein. Städtische Kultureinrichtungen wie das Kommunale Bildungszentrum, das Teo Otto Theater sowie das Röntgen-Museum haben ein Sonderprogramm vorbereitet.

Viele Einrichtungen nutzen die Kulturnacht, um für sich Werbung zu machen. Sie zeigen das, was sie sonst auch zeigen. Dabeisein ist alles, heißt in vielen Fällen die Devise.

Es ist inzwischen Tradition, dass es eine Plattenbörse und eine Zack-Zack-Party gibt. In diesem Jahr im Löf an der Theodor-Körner-Straße. Eine 70er und 80er Jahre-Party wird in der Dorfschänke an der Remscheider Straße gefeiert. Auch die Grüne Gans lockt Gäste mit Musik aus fünf Jahrzehnten. Im Remscheider Brauhaus geht es um Bierkultur.

Der Kulturbegriff bei der „Nacht der Kultur“ ist weit gefasst. So bietet Dr. Sylvia Goldstraß in Lennep „Unbesiegbarkeit to go“ an. In persönlichen Gesprächen geht es um Themen wie „Lebensträume verwirklichen“ oder „Selbstheilungskräfte aktivieren“, heißt es in der Ankündigung.

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