Viele Angebote für Hochbegabte

Schule : Viele Angebote für Hochbegabte

Wer mit den Schulleitern der vier Remscheider Gymnasien spricht, hat nicht den Eindruck, dass besonders leistungsstarke Schüler hier Gefahr laufen, zu kurz zu kommen. Ganz im Gegenteil.

Manchmal ist Olaf Wiegand, der stellvertretende und kommissarische Schulleiter des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums, froh, wenn mal alles beim Alten bleibt: „Wir haben mit der Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren schon genug zu tun. Warum sollten wir zusätzlich noch die Strukturen von Bereichen ändern, in denen es wunderbar läuft?“ Er sehe keinen Handlungsbedarf bei der Förderung überdurchschnittlich begabter Schüler, und das sei „vermutlich nicht nur an der EMA so, sondern auch an den anderen Gymnasien der Stadt“.

Überall gebe es „gute Konzepte, um leistungsstarken Kindern und Jugendlichen genügend Angebote zu machen“. An der EMA existierten beispielsweise die Sportklassen, „die es entsprechend talentierten Jungen und Mädchen schon zu Beginn der Sekundarstufe ermöglichen, ihre Fähigkeiten auf diesem Gebiet zu vertiefen“. Für musikalisch sehr begabte Schüler habe man die Streichergruppen entwickelt: „Hier erlernen Fünft- und Sechstklässler im Rahmen des normalen Musikunterrichts ein Streichinstrument wie Geige oder Bratsche.“

Für Schüler, die sich mit sprachlichen oder mathematischen Kompetenzen hervortun, gebe es Wettbewerbe in Deutsch, Französisch, Englisch und Mathematik. „Und wem Förderbänder, Arbeitsgemeinschaften und Talentkurse nicht reichen, der kann immer noch von außerschulischen Fördereinrichtungen profitieren.“ So arbeite die EMA etwa mit der Junior-Uni Wuppertal oder der JuniorAkademie NRW zusammen, „damit besonders begabte Schüler der Sekundarstufe I in den Sommerferien bei Kursthemen auf ihre Kosten kommen, die im regulären Schulunterricht meist nicht behandelt werden“.

Wer Wiegand hört, hat nicht den Eindruck, dass besonders leistungsstarke Schüler im EMA-System Gefahr laufen, zu kurz zu kommen. Genauso wenig drohen sie am Röntgen-Gymnasium unterzugehen, wo Schulleiter Matthias Lippert zufolge insbesondere „im MINT-Bereich Begabtenförderung mit großer Nachhaltigkeit umgesetzt“ werde. Dafür stehe auch die Auszeichnung als MINT-EC-Schule, die bedeute, „dass begabte Schüler, die ihren Schwerpunkt im MINT-Bereich gesetzt und dort entsprechende Leistungen erbracht haben, mit dem Abiturzeugnis das bundesweit anerkannte MINT-EC-Zertifikat erhalten und damit bevorzugten Zugang zu zulassungsbeschränkten Studiengängen“.

Zwar ohne ein solches Siegel, doch bei der Begabtenförderung gleichsam gut aufgestellt, präsentieren sich auch das Leibniz- und das Gertrud-Bäumer-Gymnasium: Überall existiert nicht nur das weit verbreitete Drehtürmodell, das es leistungsstarken Schülern ermöglicht, stundenweise den Fachunterricht der nächsthöheren Klasse zu besuchen oder Fachunterricht zu verlassen, um sich besonderen Projekten eigenständig zu widmen. Überall gibt es darüber hinaus auch noch ein breites Spektrum an Fördermaßnahmen und im Falle des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums seit wenigen Jahren zudem eine eigene Stiftung, mit der die Begabungsförderung auch finanziell gestärkt wird. „Die Stiftung hat unsere ehemalige Schülerin Ulrike Schmidt gegründet“, sagt Schulleiter Stephan Döring. Man sei sehr dankbar hierfür, „weil Begabungsförderung hohe Preise haben kann“. Als Beispiel nennt Döring die Deutsche Schülerakademie, ein seit 1988 existierendes außerschulisches Programm zur Förderung besonders begabter Schüler der oberen Jahrgangsstufen: „Die Teilnahme hieran kostet 600 Euro, weshalb wir zuvor nur einen Interessenten pro Jahr entsenden konnten.“

Mit den Stiftungsgeldern könne man nun mehrere Schüler bei der Teilnahme unterstützen und zudem viele Projekte und Ausflüge ermöglichen, die zuvor an monetären Fragen gescheitert seien. Denn leider sei Begabungsförderung zwar immer wieder Thema in Wahlkämpfen, „finanziell kommt jedoch seit Jahren nicht wirklich viel mehr in den Schulen an“. Warum man nicht nur am Gertrud-Bäumer-, sondern auch am Leibniz-Gymnasium dankbar für jede Form der Unterstützung ist, die Spitzenförderung zugute kommt. „Das kann auch das ehrenamtliche Engagement von ehemaligen Lehrern sein“, sagt Thomas Giebisch, Leiter des Leibniz-Gymnasiums, und verweist auf Menschen wie Klaus Fey, einen inzwischen pensionierten ehemaligen Mathematiklehrer an seiner Schule, der sich weiter für die regionalen Mathe-Wochenenden engagiert.

„Das ist ein Event für mathematikbegeisterte Schüler, an dem aus Remscheid von jedem Gymnasium möglichst zehn interessierte Jugendliche teilnehmen sollten“, sagt Giebisch und freut sich, „dass „Klaus Fey, der zuvor Regionalkoordinator für die Mathematik-Olympiade war, seine Nachfolgerin Jana Klein immer noch bei solchen Veranstaltungen unterstützt.“ Was für den Ruheständler eine Herzensangelegenheit ist. Denn „im Schulalltag, der durch G 8 hektischer wurde“, sei es „bisweilen schwierig gewesen, zwischen den relativ vielen begabten Schülern die wirklich hochbegabten aufzuspüren“. Wenn sich aber ein Junge oder Mädchen immer wieder für einen Wettkampf wie die Mathe-Olympiade qualifizierte, „dann konnte ich mir sicher sein, es zumindest im Bereich der Mathematik mit einem Fall von Hochbegabung zu tun zu haben“. Vorgekommen sei das im Laufe seines 40-jährigen Berufslebens jedoch in der Tat eher selten. Weshalb es aus seiner Sicht schulische Themen gibt, die es vielleicht sogar dringender anzugehen gilt, als die Förderung von Hochbegabten: „Mindestens genauso wichtig erscheint mir ein Modell zur Förderung von Jungen, denen es im Vergleich zu Mädchen oft schwerer fällt, Ausdauer und langfristige Motivation zu zeigen.“