Remscheid: Vertraute Melodien aus alten Zeiten

Remscheid: Vertraute Melodien aus alten Zeiten

Fünf Kuttenträger aus der Ukraine singen vornehmlich Musik aus dem Mittelalter in der Klosterkirche.

Es beginnt, wie erwartet: Fünf Sänger in schlichten Kutten bahnen sich mit Lichtern in den Händen den Weg von der Empore auf die Bühne der Klosterkirche. Als sängen sie mit einer Stimme, klingt das "Kyrie Eleison" ins Publikum. Unaufgeregt, warm und berührend. Keiner fällt aus der Reihe. Der Begriff "Eintönigkeit" bekommt einen neuen Klang, eine neue Bedeutung. Die fünf Männer aus der Ukraine, die in der Gruppe "Gregorianika" ihre gemeinsame Faszination für Musik aus dem Mittelalter pflegen, singen mal auf Latein, dann in ihrer Muttersprache. Ihre Lieder sind ein Gebet, eine Erinnerung an liturgische Traditionen. In Lennep treffen sich auf wertschätzendes Publikum.

Die Zuhörer lassen sich ein auf den einstimmigen Gesang, auf Melodien und Texte aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Sie finden sich wieder in vertrauten Melodien beim "Ave Marie" oder beim "Ave Verum Corpus". Und auch, wenn sie selten ein Wort verstehen, so wirken die Stücke doch nach, so klingt ihre Bedeutung doch mit. Viele Stücke kommen dem Zuhörer seltsam vertraut vor, haben ihren Weg über die Zeit in Filme, große Kompositionen und auf die Bühnen der Welt geschafft.

Aber bei den traditionellen Gesängen des Mittelalters bleiben die fünf Sänger nicht: Sie zeigen im Laufe des Konzerts ihre ganze Bandbreite, singen fünfstimmig, erreichen die tiefsten Tonlagen ebenso wie die höchsten, holen Instrumente dazu und bleiben dabei doch immer ihrer Musik und ihrem demütigen Vortrag treu.

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Ob Oleksiy Semenchuk, musikalischer Leiter der Gruppe, der mit tiefen Basstönen eine Art Musikbett unter die Melodien legt. Oder Serhiy Rybyn, der den Tönen zuweilen Flügel zu verleihen scheint und stimmlich und in schwindelnde Höhen steigt. Jeder der fünf Sänger bekommt hier seinen Raum. Neben den mittelalterlichen Klängen, die tief in der Tradition verankert sind, haben die Musiker eigene Kompositionen dabei. Sie bringen auch Stücke wie "Ich bete an die Macht der Liebe" mit, das im 18. Jahrhundert der deutsche Prediger Gerhard Tersteegen aufs Papier brachte. Und auch in diesen Melodien scheinen sich die Sänger pudelwohl zu fühlen. Dann kommt plötzlich Schwung in die unscheinbare Gruppe auf der Bühne.

Aus einem tiefen, beruhigenden "Mmmmm", das der Bass formt, wird ein "Dipdipdip". Dann scheinen die Stimmen beinahe zu jauchzen und zu trällern. Dann wird das Gotteslob greifbar. Die Melodica kommt ins Spiel, die rein optisch erst gar nicht in den Rahmen passen will, deren Klang sich aber zu den Stimmen der Sänger gesellt, als habe es sie immer schon gegeben. Und das Publikum bedankt sich umso lauter und herzlicher.

Mal mit geschlossenen Augen, mal mit wachem Blick verfolgen die Zuhörer die Ausflüge der Sänger in die Moderne. Und so endet das Konzert dann doch ganz anders als erwartet.

(RP)