Versicherungen zahlen bei Sturm

Remscheid : Versicherungen zahlen bei Sturm

Die Verbraucherzentrale erklärt, was nun zu tun ist, wenn ein Sturm wie zuletzt "Friederike" Schäden angerichtet hat.

Nachdem Orkan "Friederike" über Remscheid hinweggefegt ist und einige Schäden hinterlassen hat, wird immer noch aufgeräumt. Klar ist: Sturmschäden sind ein Fall für die Versicherung. Doch wie melde ich einen Schaden? Und was ist über die Versicherung wirklich abgesichert? Lydia Schwertner von der Verbraucherzentrale Remscheid beantwortet die wichtigsten Fragen - denn der nächste Sturm kommt bestimmt.

Wie verhalte ich mich, wenn ich einen Schaden feststelle? Sturmschäden müssen der Versicherung umgehend gemeldet werden. "Betroffene sind zudem verpflichtet, alles zu unterlassen, was einen Schaden verursachen und die Feststellung erschweren könnte - sonst wird in vielen Fällen der Versicherungsschutz teilweise oder komplett riskiert", warnt Lydia Schwertner. Gefahrenquellen dürfen und müssen jedoch beseitigt werden. Die Angaben bei der Schadensmeldung müssen selbstverständlich wahrheitsgetreu sein.

Wann zahlt die Versicherung? Für Sturmschäden haften Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherungen. Stürmisch ist es nach den Bedingungen der Versicherer ab Windstärke 8. Das entspricht einer Windgeschwindigkeit von 62 Kilometern pro Stunde. Dass der Wind bei Sturm Ziegel und Dachpappe mitgehen ließ, müssen Betroffene meist nicht selbst nachweisen. Nach den Versicherungsbedingungen reicht es aus, wenn es vorher eine offizielle Sturmwarnung gegeben hat oder der Schaden an einem zuvor einwandfreien Gebäude nur durch den Sturm entstanden sein kann oder Häuser in der Nachbarschaft ebenfalls in Mitleidenschaft gezogen wurden.

Wann greifen Hausrat- beziehungsweise Gebäudeversicherung? "Wird das Dach abgedeckt, der Schornstein beschädigt oder fällt ein Baum aufs Dach, ist das ein Fall für die Gebäudeversicherung", erklärt Lydia Schwertner. Die Hausratversicherung greift hingegen bei Sturmschäden an der Inneneinrichtung. Allerdings halten sich die Versicherungen dabei eine Hintertür auf: Sie zahlen nur, wenn Fenster und Türen verschlossen waren. Für beschädigte Gartenmöbel wird meist nur gezahlt, wenn sie während der Böen in einem Gebäude untergebracht waren und dies ebenfalls vom Wind beschädigt wurde. Reguliert werden auch Schäden an Antennen und Markisen, die einem Mieter gehören, außen am Gebäude angebracht sind und ausschließlich durch die Bewohner der versicherten Wohnung genutzt werden.

Wer zahlt bei Schäden am Auto? Hat der Sturm Dachziegel auf ein parkendes Auto geschleudert, ist die Teilkasko des Autohalters in der Pflicht. Versichert ist aber nicht der Neupreis, sondern nur der Wert, den das Auto zum Zeitpunkt der Schadensmeldung noch hat. Eventuelle Selbstbeteiligungen werden von der Entschädigungssumme noch abgezogen. Fahrzeughalter brauchen bei anerkannten Unwetterschäden keine Rückstufung zu befürchten.

Wer zahlt bei umgestürzten Bäumen? Fährt ein Auto auf einen umgestürzten Baum, haftet nur die Vollkasko-, aber nicht die Teilkaskoversicherung. Hat ein nachweislich morscher Baum einen Schaden angerichtet, muss der Baumbesitzer oder seine Haftpflichtversicherung dafür aufkommen. Ist ein gesunder Baum umgefallen, gilt dies als "höhere Gewalt", und der Eigentümer haftet nicht für den Schaden.

(RP)
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