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Verregnetes Zeichen für Toleranz

RS United : Verregnetes Zeichen für Toleranz

Das Wetter machte den Veranstaltern des RS United-Festivals einen Strich durch die Rechnung. Nur wenige Besucher kamen. Aber die ließen sich von dem Regen nicht aus dem Konzept bringen und brachten ihre Botschaft rüber.

Die AGOT lud am Samstag zum RS United-Festival zur Konzertmuschel in den Stadtpark. Jugendliche und junge Erwachsene setzten ein Zeichen für Toleranz und gegen Rassismus. Viele Besucher zog es an diesem nasskalten Tag allerdings nicht in den Park. Was blieb war ein nahezu verwaistes Open-Air-Festival und eine Hand voll Unterstützer.

Cheforganisator André Sobiralski war die Enttäuschung deutlich anzumerken. Der Park war hergerichtet, Spiel- und Spaßstationen standen bereit, die Bands spielten auf der Bühne. Doch vor der Konzertmuschel war so gut wie nichts los. Eine Hand voll Besucher trotze dem Regen, unterstützte die Bands, feierte trotzdem. Im ganz kleinen Kreis. „Das ist echt ärgerlich. Aber da kann man nichts machen. Das ist das Risiko, wenn man Veranstaltungen im Freien plant“, sagte Sobiralski nüchtern.

Ein Jahr lang hatte das Team der Arbeitsgemeinschaft offene Kinder- und Jugendarbeit (AGOT) an dem Festival geplant. Und die Vorzeichen des nun schon vierten Festivals standen sehr gut: „Wir haben in diesem Jahr sehr eng mit dem Jugendrat zusammengearbeitet.Die Beteiligung von Jugendlichen an der Planung war so hoch wie noch nie. Das ist besonders positiv hervorzuheben.“

Neben altbewährten Angeboten wie musikalischen Acts aus der Region, einigen Infoständen aus der Jugendarbeit, Projekten und Anlaufstellen sollte auch ein großes Wasserbecken mit Walking Balls und ein Riesentrampolin für den nötigen Spaßfaktor beim Festival sorgen. Beides wurde aufgrund des Wetters auf Eis gelegt. Ebenso wie die Graffiti-Aktion, die in den vergangenen Jahren sehr guten Anklang gefunden hatte. „Daneben haben wir noch in einem Pavillon ein EscapeRoom im Angebot und neu in diesem Jahr einen Crêpes-Stand“, erzählte Sobiralski.

Währenddessen wechselten sich die Künstler auf der Bühne ab. Das Hip Hop Duo „Temi“ machte Platz für „Voidemolition“. Die Remscheider Metalband hat erst kürzlich eine EP veröffentlicht und brachte zum Festival gleich einige Fans mit. Auch zwei weitere Hochkaräter wie „Dickes Gebäude“ und „Esperanska“ warteten auf ihren Auftritt. Vor der Bühne harrten Charone (18) und Freundin Melis (18) aus. „Ich bin hier, um meinen Bruder zu unterstützen, der gleich auftritt und weil ich eine solche Veranstaltung wichtig finde“, sagte Charone.

„Es wäre schön, wenn das Festival einen Tag länger gehen würde“, sagte Bruder Maxi (22), Mitglied der Band Esperanska. Ein Zeichen gegen Rassismus zu setzen war den Geschwistern wichtig, wobei sie zugaben, als Kinder afrikanischer Eltern noch kein Problem damit gehabt zu haben. „Was nicht heißt, dass es bei uns nicht auch passieren kann“, sagte Charone, die eine politische Veränderung im Land bemerkt.

Das Jugendliche sich mit Politik auseinandersetzen, bestätigte auch Jugendarbeiter Sobiralski: „Von einer Politikverdrossenheit kann eigentlich nicht die Rede sein, eher von einer Politikerverdrossenheit. Die Jugendlichen sind viel politischer, als in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Sie nutzen nur andere Kanäle.“ Die Planung fürs nächste RS United-Festival geht für die AGOT in wenigen Wochen wieder los. Es werde am Konzept festgehalten. Denn dafür sei die Botschaft zu wichtig.