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Im Gespräch mit Elke Rühl: "Uns interessieren nur die Menschen"

Im Gespräch mit Elke Rühl : "Uns interessieren nur die Menschen"

Die Vorsitzende des Seniorenbeirats kann sich nicht mehr vorstellen, dass das Seniorenbüro geschlossen wird.

Frau Rühl, ab wann ist man eigentlich eine Seniorin oder ein Senior?

Rühl Alle Menschen, die über 60 Jahre alt sind. Viele wollen gar nicht wissen, dass sie schon über 60 Jahre alt sind. Aber das ist gar nicht schlimm. Ich finde, mit 60 Jahren ist es doch eine schöne Zeit.

Brauchen Senioren eine politische Vertretung wie den Seniorenbeirat?

Rühl Der Seniorenbeirat in Remscheid ist politisch aktiv, um für die Älteren etwas zu tun. Denn nicht jeder ist in der Lage und kann sich überall Hilfe holen. Seit Ende August des vorigen Jahres haben wir das Seniorenbüro. Mittlerweile können wir von 1500 Personen sprechen, die das Büro besucht haben.

1500 Besucher - das ist eine stattliche Zahl. Hätten sie mit so einer Resonanz gerechnet?

Rühl Nein, überhaupt nicht. Das haben wir uns nicht so vorgestellt. Wir haben anders gedacht: Da gibt es ein Büro, da kann jeder mal hinkommen und eine Tasse Kaffee trinken. Aber wir haben nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen Hilfe brauchen, und sei es nur, um einen Termin im Einwohnermeldeamt zu verabreden.

Haben es ältere Menschen in Remscheid schwer, Kontakte zu halten, wenn sie in den Randbezirken leben?

Rühl Ja. Obwohl sich alles schon bessert und einfacher wird. Wenn sie in den Randgebieten wohnen, gehbehindert sind und alleine leben, dann ist das besonders schwer.

Ist Einsamkeit in Remscheid ein Problem?

Rühl Dass das ein Problem ist, möchte ich nicht direkt sagen. Aber im Seniorenbüro hören wir viel von diesen Problemen. Ich habe mir nicht vorstellen können, dass es so viele Menschen gibt in Remscheid, die einsam und alleine sind. Deswegen bieten wir auch alle 14 Tage "Plausch und Plunder" an. Nur zum Reden bei Kaffee und Kuchen. Die Menschen wollen reden, weil zu Hause niemand mehr ist, mit dem sie sprechen können. Bei allem Engagement der Mitglieder des Seniorenbeirats, Parteipolitik spielt dort keine Rolle. Uns interessieren nur die Menschen.

Kommt man mit der Personalbesetzung ihrer Meinung nach aus, oder muss aufgestockt werden?

Rühl Im Moment noch. Aber irgendwann ist der Moment da, wenn Frau Mores das alles nicht mehr schaffen kann. Frau Mores geht ja auch nach draußen, zum Beispiel zum Brunch in der Citykirche. Dort sind regelmäßig 60 bis 70 Leute. Dort macht sie Werbung fürs Seniorenbüro, und die Leute kommen dann später mit ihren Fragen, die sie auf dem Herzen haben.

Gibt es Initiativen, die Sie als Vorsitzende des Seniorenbeirates weiter verfolgen wollen?

Rühl Wir wollen eine Pflegeberatung und eine Rentenberatung aufbauen. Wir haben Versichertenälteste. Da versuchen wir eine Sprechstunde einzurichten, dass die Senioren dahingehen können.

Damit man nicht nach Wuppertal fahren muss.

Rühl Nein, sie bekommen die Auskünfte in Remscheid. Sie können Termine machen. Das Problem ist nur, es weiß kaum jemand.

Sie haben auch Kontakt zur Klosterkirche aufgenommen, um das kulturelle Leben der Senioren zu bereichern. Wie läuft denn das?

Rühl Frau Winkels, die Managerin der Klosterkirche, ist an uns herangetreten und hat angeboten, etwas für die ältere Generation zu machen. Seitdem machen wir solche Veranstaltungen. Die letzte war "Irmgard Knef". Das war ein großer Erfolg. Oft bekommt man vor der Veranstaltung auch noch eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen.

Ohne Kaffee und Kuchen geht es bei den Senioren scheinbar nicht, oder doch?

Rühl Ältere freuen sich immer über eine Tasse Kaffee und ein Stück Kuchen. Die Klosterkirche bietet aber auch ein Getränk in der Pause an. Wir bekommen ein Kontingent Karten, die wir etwas günstiger verkaufen können.

Diese Angebote werden gut wahrgenommen?

Rühl Ja, wir haben fast in jedem Monat in Kooperation mit dem WTT das Senioren-Kino. Und wir arbeiten am Programm der Woche der älteren Generation. Das einzige, was ich jetzt schon sagen kann. Wir haben für die 14 Tage im September 19 Veranstaltungen. Unter den 19 Veranstaltungen wird auch wieder die Stadtrundfahrt sein und die "Fahrt ins Blaue" von den Wohlfahrtsverbänden.

Sie verfügen auch über ein recht kleines Budget von 7000 Euro. Sind sie damit finanziell vernünftig ausgestattet?

Rühl Ja. Wir müssen bedenken, früher gab es überhaupt kein Geld für den Seniorenbeirat. Das gibt es seit dem vorigen Jahr. Die Hälfte brauchen wir für die Miete des Seniorenbüros. Der Rest geht in Veranstaltungen wie zum Beispiel die Abschlussveranstaltung der Seniorenwochen in Zusammenarbeit mit der Citykirche. Das Geld für die Wochen der älteren Generation ist separat. Das sind etwa 4500 Euro.

Drei Jahre läuft der Mietvertrag für das Seniorenbüro am Markt. Können Sie sich Remscheid ohne Seniorenbüro vorstellen?

Rühl Wir arbeiten daran, dass es bleibt. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, dass man es schließt. Die Nachbarn aus Wermelskirchen wollen das Büro besuchen und sich informieren, wie es funktioniert.

CHRISTIAN PEISELER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

(RP)