1. NRW
  2. Städte
  3. Remscheid

Ungebrochene Nachfrage nach Latein an Remscheider Gymnasien

Unterricht an Remscheider Gymnasien : Ungebrochene Nachfrage nach Latein

An den Gymnasien in Remscheid hat sich das Fach dauerhaft etabliert. Sabine Willmek-Stuppmann, Lehrerin am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium macht das unter anderem an der inzwischen abwechslungsreichen Art fest, die Sprache zu vermitteln.

Sabine Willimek-Stuppmann ist es nicht gewohnt, vor einer leeren Klasse zu stehen. Doch das Corona-Virus hat auch die Situation am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium in den vergangenen Wochen gründlich auf den Kopf gestellt: Ihren letzten regulären Unterricht gab die Lateinlehrerin Mitte März. Dann kamen die Schulschließungen, danach die Osterferien und inzwischen die ersten Lockerungen mit eingeschränktem Unterricht.

Die ehemalige evangelische Pfarrerin hat sich vor mehr als 15 Jahren entschlossen, den Gang von der Kanzel ins Gymnasium zu wagen. Dafür ließ die gebürtige Remscheiderin auf ihr Theologiestudium noch ein Lehramtsstudium mit anschließendem Referendariat folgen. Seither kann sie nicht nur auf Lateinisch predigen, sondern darf auch Latein lehren.

Eine Tätigkeit, die Willimek-Stuppmann leidenschaftlich ausübt. Denn obwohl die EMA kein humanistisches Gymnasium ist, sitzt die Fachschaft Latein an der Elberfelder Straße fest im Sattel: „Von einer Krise dieses Fachs kann bei uns keine Rede sein“, sagt die dreifache Mutter, die an der EMA als eine von fünf Lehrkräften Latein als zweite oder dritte Fremdsprache vermittelt. Dass die Nachfrage nach der Mutter aller romanischen Sprachen von der Erprobungsstufe bis zum Abitur ungebrochen hoch ist, erklärt Willimek-Stuppmann unter anderem damit, dass der Lateinunterricht viele positive Nebeneffekte habe: „Beim Lernen dieser Sprache wird zugleich die deutsche Sprache gefördert und erweitert. In der heutigen Zeit ist das sehr bedeutungsvoll.“

Begünstigt werde die Beliebtheit des Fachs ferner durch „die inzwischen sehr abwechslungsreiche Art, Latein den Schülern näherzubringen“. Es gehe schon lange nicht mehr nur darum, „dröge Grammatik und Vokabeln zu pauken oder die sechs Fälle einschließlich Vokativ und Ablativ hinauf- und hinunterzudeklinieren“. Vielmehr sei der Lateinunterricht mittlerweile sehr lebendig und werde zudem „mit Exkursionen und Fahrten angereichert, die unsere Schüler in normalen Zeiten sogar für mehrere Tage bis nach Rom führen“.

Das habe in diesem Schuljahr wegen Corona zwar nicht geklappt. Die EMA-Lehrerin ist sich aber dennoch sicher, „dass die betroffenen Schüler aus der jetzigen Stufe 10 nach ihrer Gymnasialzeit zufrieden auf ihre Jahre bis zum Latinum zurückblicken werden“.

Indes gelte das nicht für alle: „Es gibt tatsächlich einige wenige Schüler, denen das Fach enorme Probleme bereitet.“ Bevor es zum Corona-Shutdown gekommen sei, habe ihr etwa ein Schüler gesagt, Latein sei „das einzige Fach, für das er richtig lernen müsse“. Der Schüler habe das negativ gemeint. Sie selbst sieht es anders: „Man kann froh sein, dass Latein noch ein Fach mit einem gewissen Anspruch ist und die Schüler zum Lernen bringt.“ Denn tatsächlich sei es „unmöglich, in Latein Erfolg zu haben, wenn man nicht bereit ist zu üben“. Willimek-Stuppmann wertet das als Vorteil: „Nur wenn Schüler gelernt haben zu lernen, starten sie wirklich gut vorbereitet in die Zukunft. Schließlich bekommen sie später im Leben auch nicht alles serviert.“ Das Problem sei indes, „dass sich viele Schüler heutzutage mit dem Auswendiglernen schwer tun“.

Auch die Anwendung des Gelernten überfordere selbst etliche Gymnasiasten. Da helfe nur, „über verschiedene Kanäle konzentriert und regelmäßig üben, üben, üben“. Viele gute Lateinschüler würden „genau mit diesem Konzept ihre Pluspunkte sammeln“. Darüber hinaus würden viele in den Lateinklassen davon profitieren, dass der Unterricht – anders als in Englisch, Französisch oder Spanisch – in der deutschen Muttersprache stattfindet: „Dadurch trauen sich gewisse Schüler, die sich sonst mündlich nicht beteiligen würden, rege teilzunehmen.“

Ein Vorteil, den auch Lehrkräfte wie Stephan Döring betonen. Der Leiter des Gertrud-Bäumer-Gymnasiums kennt „eine Menge Schüler, die es als grauenvoll empfinden, wenn sie sich in den modernen Fremdsprachen in Rollenspielen behaupten müssen“. Solche Dialoge würden ihnen im Lateinunterricht natürlich erspart bleiben. Hinzu komme, dass Latein ein ideales Fach für Schüler sei, „die es verstehen, systematisch vorzugehen“. Ferner sei „ein unterstützender Effekt für andere Fächer nicht von der Hand zu weisen“. Lauter Aspekte, die auch an seinem Gymnasium dazu führten, „dass Latein weiter sehr beliebt“ sei – ganz abgesehen davon, „dass Latein als Schulfach nicht auszusterben droht, solange das Latinum Voraussetzung für zahlreiche Studiengänge bleibt“.

So sieht es auch Thomas Benkert vom Röntgen-Gymnasium: Der kommissarische Schulleiter konstatiert, „dass Latein an unserer Schule zwar durchaus schwankend beliebt ist, als Fach aber eindeutig dauerhaft etabliert“. Ähnliches ist auch vom Leibniz-Gmnasium zu hören, wo der Lateinunterricht – wie an allen anderen Remscheider Gymnasien auch – mit der Sekundarstufe I nicht zwangsläufig enden muss, sondern als Grundkurs in der Oberstufe weiter wählbar bleibt.

Ginge es nach Lateinern mit Leib und Seele, würde es das Fach obendrein als Leistungskurs geben. Zeiten, in denen das mal der Fall war, hat aber selbst die langjährige Lateinlehrerin Willimek-Stuppmann bisher nicht erlebt.